Fall Lügde: 16-jähriges Missbrauchsopfer nun selbst angeklagt

Janet König

Drei Schüler der Paderborner Pauline-Schule wurden Opfer von sexuellem Missbrauch. - © Marc Schröder
Drei Schüler der Paderborner Pauline-Schule wurden Opfer von sexuellem Missbrauch. (© Marc Schröder)

Detmold/Paderborn. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat Anklage gegen einen 16-Jährigen erhoben, der im Lügde-Komplex zu den Opfern von Mario S. gehört und später selbst zum Täter geworden sein soll: Der Fall war Ende März bekannt geworden. Damals informierte die Schulleiterin Eltern und Betreuer der Paderborner Pauline-Schule in einem Brief über die Vorfälle.

Dem 16-Jährigen wird vorgeworfen, drei Kinder missbraucht zu haben. Das bestätigt dessen Rechtsanwalt Thorsten Fust. "Mein Mandant ist mit dem Missbrauch förmlich aufgewachsen und hat das, was ihm widerfahren ist, dann später selbst an Kindern vollzogen", sagt Fust. Der 16-Jährige sei mit zehn Jahren von Mario S. auf dem Campingplatz, in einem Baumarkt und in dessen Keller missbraucht worden. Für den Jungen sei es später wie ein "innerer Druck" gewesen, selbst Taten zu begehen.

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Der junge Mann hatte sich den Ermittlern laut Fust in seiner Zeugenaussage offenbart. Danach habe er für knapp zwei Monate in U-Haft gesessen. Inzwischen habe der junge Mann eine Therapie begonnen. "Für ihn als Opferkind, das selbst zum Täter wurde, war das nicht einfach", sagt Fust. Bei dem Schlagwort "Lügde" hätten Institutionen das Therapieangebot aufgrund des medialen Drucks abgelehnt. Ende Oktober soll der Prozess gegen den 16-Jährigen beginnen. "Er ist selbst noch ein Kind und hat die Taten erst mit der Pubertät einordnen können", sagt Fust. Sein Mandant sei froh, dass ihm in der Therapie geholfen werde.

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