Kommentar zum Lügde-Urteil: "Das sind wir den Kindern schuldig"

Janet König

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Knapp zwei Monate hat sich das Landgericht Detmold mit dem Fall Lügde auseinandergesetzt.  - © Bernhard Preuss
Knapp zwei Monate hat sich das Landgericht Detmold mit dem Fall Lügde auseinandergesetzt.  (© Bernhard Preuss)

13 Jahre Haft für Andreas V. und 12 Jahre Haft für Mario S- - für beide Haupttäter mit anschließender Sicherungsverwahrung. Das Urteil im Fall Lügde ist gefallen und löst bei vielen Erleichterung aus - doch damit ist die Aufklärungsarbeit noch lange nicht beendet. Ein Kommentar von LZ-Redakteurin Janet König, die seit Januar über den Fall berichtet.

"Die Aufarbeitung geht weiter"

Ein kleines Stückchen Gerechtigkeit ist den Opfern des Missbrauchsfalls Lügde am Donnerstag widerfahren. Mit dreizehn und zwölf Jahren Haft für Andreas V. und Mario S. plus anschließender Sicherungsverwahrung hat das Detmolder Landgericht ein hohes Strafmaß verhängt, mit dem wohl alle Seiten zufrieden sein dürften. Und trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack. Denn es hätte nie so weit kommen dürfen.

Ob zwölf, dreizehn oder vierzehn Jahre Gefängnis – darauf kommt es letztendlich nicht an. Das Allerwichtigste ist, dass beide Täter durch die Sicherungsverwahrung nie wieder die Gelegenheit bekommen, Kinderseelen zu zerstören. Genau das haben Andreas V. und Mario S. über Jahrzehnte ungestört getan, wie es die Vorsitzende Richterin Anke Grudda so treffend beschrieb – und keiner hat den perfiden Missbrauch stoppen können.

Die Aufarbeitung zum Fall Lügde ist noch lange nicht abgeschlossen – und darum kümmert sich nicht allein der Untersuchungsausschuss in Düsseldorf. Auch die Polizei ermittelt immer noch gegen weitere Beschuldigte, die teils wegen sexuellen Missbrauchs oder Beihilfe unter Verdacht stehen. Bis heute wollen sich die Ermittler zu dem aktuellen Stand nicht äußern. Darüber hinaus stehen die Behörden selbst auf dem Prüfstand.

"Das gesamte Ausmaß darf nicht in Vergessenheit geraten"

Es geht um die Rolle der Jugendämter, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass sich Andreas V. ein Pflegekind als Lockvogel heranziehen konnte – ein heute achtjähriges Mädchen, das allein 129 Mal von ihm missbraucht wurde. Es geht um die Polizei, die schon vor Jahren konkrete Hinweise auf beide Täter nicht ordnungsgemäß behandelt hat und im Verlauf der aktuellen Ermittlungen sogar Beweismittel verschlampte und unzählige Tatortdurchsuchungen durchführen musste.

Zu Recht spielten diese Nebenkriegsschauplätze keine Rolle im Lügde-Prozess. Da sollte es nur um die abscheulichen Taten der Haupttäter gehen, wie es die Vorsitzende Richterin mit aller Deutlichkeit zum Auftakt ankündigte. Dennoch darf das gesamte Ausmaß des Skandals nach dem gesprochenen Urteil nicht in Vergessenheit geraten. Die ganze Gesellschaft muss aufmerksamer werden und bleiben, das sind wir den Kindern schuldig.

Für die 32 Opfer, deren Leid immer nur ansatzweise mit einem harten Urteil gesühnt werden kann, muss nun die Traumabewältigung beginnen. Ob sie das Geschehene jemals ganz bewältigen können, bleibt fraglich. Genau das sollten wir uns zu Herzen nehmen.

Information
Alle Informationen und Hintergründe zum Fall finden Sie hier.

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