Kleinkunstförderpreis-Gewinner Martin Zingsheim im Interview

Neuer Träger des Deutschen Kleinkunstförderpreises präsentiert "Kopfkino" im Lügder Klostersaal

Marianne Schwarzer

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Lügde. „Kopfkino“ präsentiert Martin Zingsheim am kommenden Samstag im Lügder Klostersaal. Der frisch gebackene Träger des Deutschen Kleinkunstförderpreises nahm sich gestern eine halbe Stunde Zeit für die LZ.

Ganz schön gefragt ist der junge Kölner. Im ersten Anlauf tags zuvor ist das Telefoninterview nicht zustande gekommen – er hat’s verschwitzt zwischen Auftritt im Bonner Pantheon und einem Fernsehdreh. Artig zerknirscht meldet er sich.

Herr Zingsheim, Ihre Agentur hat uns gestern Ihren Lebenslauf zukommen lassen, das macht den Eindruck, als hätte Ihr Leben erst 2003 mit Ihrer Tätigkeit als Pianist beim Springmaus Improvisationstheater angefangen. Ihr Geburtsjahr finde ich da nicht...

Zingsheim: Echt nicht? Nun, ich bin 1985 in Köln geboren...

Und Sie haben historische Musikwissenschaft studiert – neben Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Haben Sie den Hang zur Muse von Zuhause?


Zingsheim:
Eigentlich nicht. Mein Vater ist Jurist und ein wunderbarer Mensch, aber so ziemlich der unmusikalischste, den ich kenne. Und meine Mutter ist Sachbearbeiterin.

Wie kamen Sie dann ausgerechnet auf so eine Berufswahl?

Zingsheim: Ich habe schon als Jugendlicher gedacht, ich werde Komponist, aber dieses Notenschreiben macht mich wahnsinnig. Dazu bin ich viel zu schnell und impulsiv. Ich kann auch nie lange nach Noten spielen. Das kam mir dann zugute: Beim Springmaus Improvisationstheater in Bonn suchten die einen, der die Hits der letzten 5000 Jahre spielt und von Bach über die Beatles zum Volkslied wechseln kann.

Mittlerweile stehen Sie allein auf der Bühne. Wie kam das?

Zingsheim: Ich war mit Sebastian Puffpaff und einem dritten Kollegen auf Tour und konnte mir als Musiker immer angucken, wie witzig die sind, da konnte ich sozusagen im Schongang lernen, wie es geht. Das war viel Spaß und wenig Verantwortung. 2010 hatte ich meinen ersten Soloauftritt.

Was sind Sie eigentlich für einer? – Machen Sie es, wie einer Ihrer Kollegen mal sagte, als Comedian wegen dem Geld oder als Kabarettist des Geldes wegen?

Zingsheim: Haha, da habe ich keine Schublade. Ich bin eine wilde Mischung, nicht nur was für Merlot schlürfende Lehrer, denen man abends was erzählt, was die eigentlich eh schon wissen. Ich hab auch Politisches in petto, aber eben einfach auch ein bisschen blanken Unsinn.

Scheint ja zu funktionieren, schließlich haben Sie jetzt den Deutschen Kleinkunstförderpreis abgesahnt. Hat das was geändert?

Zingsheim: Nö, das ist ja nur der kleine Preis, der Förderpreis, kein Preis für mein Lebenswerk. Jetzt kommen mehr Zuschauer, aber der Tourplan war auch so schon voll. Manchmal sprechen mich jetzt Leute an, die die Preisverleihung im Fernsehen gesehen haben, aber ich kann immer noch unbehelligt einkaufen gehen.

Wie viele Tage im Jahr sind Sie unterwegs?

Zingsheim: Letztes Jahr hatte ich 182 Auftritte, dieses Jahr werden es 150 sein. Meine Familie kriege ich öfter zu sehen als manche anderen Väter das tun, und meine Kinder wissen eben, dass Papa manchmal nachmittags weg muss.

Wie viele Kinder haben Sie denn?

Zingsheim: Noch sind es zwei, aber auf das Dritte warten wir quasi stündlich.

Dann wollen wir mal hoffen, dass Sie den Auftritt am Samstag noch hinkriegen, bevor es kommt.

Zingsheim: Ach, das passt schon, die anderen beiden waren auch nicht pünktlich.

Sie spielen im Lügder Klostersaal. Als Carsten Hormes vom Kulturbüro OWL vor Saisonbeginn das Programm der Presse vorgestellt hat, pries er Sie mit den Worten an: „Das ist ein künftiger Träger des Deutschen Kleinkunstpreises.“ Hat gestimmt.

Zingsheim: Solche Leute wie Carsten Hormes sind unglaublich wichtig, die schon zwei Jahre vorher ein Näschen dafür haben. Erfolgreiche Künstler veranstalten, das kann ja jeder.

Waren Sie eigentlich schon mal in Lügde?

Zingsheim: Nee, aber ich habe schon bei Google nachgeguckt, wo das liegt, und von Carsten Hormes weiß ich, dass man Lüchte und nicht Lügde sagt.

Dann wissen Sie auch, dass Sie in einer ehemaligen Kirche auftreten.

Zingsheim: Jau, aber das ist nicht das erste Mal. Ich habe schon in ganz verschiedenen Kirchen gespielt. Wissen Sie, da finden Sie dann wieder die Berührungspunkte zwischen Kirche und Comedy.

Die Fragen stellte LZ-Redakteurin Marianne Schwarzer. Karten für Martin Zingsheims Auftritt am kommenden Samstag, 25. April, ab 20.00 Uhr im Lügder Klostersaal gibt es in den LZ-Geschäftsstellen.

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