Missbrauchsfall Lügde: Hauptbeschuldigter informierte Schule seines Pflegekindes selbst

Lothar Schmalen

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Campingplatz "Eichwald" (© Vera Gerstendorf-Welle)

Düsseldorf/Lügde. Die Schulen der betroffenen Kinder haben offenbar eher zufällig von dem schweren Kindesmissbrauch in Lügde erfahren, jedenfalls nicht durch die Jugendämter oder Ermittlungsbehörden. Das geht aus einem Bericht von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) an den Schulausschuss des Landtags hervor.

Als erstes erfuhr eine Grundschule in Lügde "im November" durch Erzählungen anderer Schüler, dass ein Kind wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauchs in einer anderen Familie untergebracht worden sei. Aus datenschutzrechtlichen Gründen habe das Kreisjugendamt die Information nicht bestätigen wollen.Wenige Tage später habe der Beschuldigte selbst in der Schule angerufen und die Klassenlehrerin über die Unterbringung des Kindes in einer anderen Familie und über das gegen ihn laufende Strafverfahren wegen sexueller Übergriffe informiert.

Zur Einordnung: Die Ermittlungen in Lügde waren nach der der Anzeige einer Mutter am 20. Oktober 2018 eingeleitet worden. Am 6. Dezember 2018 wurde der Beschuldigte Andreas V. festgenommen. Am 11. Januar 2019 werden zwei weitere Beschuldigte festgenommen. AmUmgang von Behörden und Ermittlern mit dem Fall gab es in der Vergangenheit immer wieder Kritik.

Polizei holt Schüler aus der Schule zur Vernehmung ab

Eine andere betroffene Schule, eine weiterführende Schule in Paderborn, so der Bericht der Ministerin weiter, sei erst auf den Fall aufmerksam geworden, als Ermittler einen Schüler vom Schulgelände zu Vernehmungen abgeholt hätten. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die Schule bereits vor Bekanntwerden der Vorfälle in Lügde in zwei Fällen Kontakt mit dem Kreisjugendamt gehabt habe. Dabei seien jedoch keine Hinweise auf Missbrauchsfälle gegeben worden.

Die untere Schulaufsicht beim Kreis Lippe habe erstmals am 13. Dezember 2018 von einer Grundschule in Lügde von den Verdachtsfällen Kenntnis erhalten. Am 18. Dezember hätten die zuständigen Schulpsychologen die obere Schulaufsicht bei der Detmolder Bezirksregierung über den Verdacht des sexuellen Missbrauchs an Schülerinnen und Schülern in einer Schule informiert. Die Bezirksregierung habe wiederum einen Tag später in einer Krisenmeldung das Schulministerium informiert. Zu diesem Zeitpunkt sei auch bereits versucht worden, in Kooperation mit dem Kreisjugendamt, der zuständigen Jugendhilfe und den entsprechenden Beratungsstellen in NRW und Niedersachsen (Grenzregion) AnlaufsteIlen für die betroffenen Kinder und Eltern zu sichern und das Vorgehen im Umgang mit Kindern, Eltern und Kollegen zu besprechen.

"Die Schulleitungen zeigten in ihrem Vorgehen selbst eine sehr sensible und gleichzeitig professionelle Herangehensweise", lobt die Ministerin in ihrem Bericht.

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