Missbrauchsfall Lügde: Schulfahndungen könnten weitere Opfer identifizieren

Erol Kamisli und Janet König

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Der Tatort: der Campingplatz "Eichwald" in Lügde-Elbrinxen. - © Vera Gerstendorf-Welle
Der Tatort: der Campingplatz "Eichwald" in Lügde-Elbrinxen. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Lügde. Drei Angeklagte müssen sich im Fall Lügde vor Gericht verantworten – gegen fünf weitere Beschuldigte wird noch ermittelt. Unter anderem auch wegen des Tatverdachts der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern. Der Vorwurf richtet sich dabei gegen ein Elternteil. Diesem wird zur Last gelegt, seine Kinder weiter zu Andreas V. geschickt zu haben, obwohl die Missbrauchsvorwürfe gegen den 56-Jährigen bekannt waren.

Gerüchte, denen zufolge noch weitere Eltern in den Missbrauchsfall verwickelt sein könnten, hätten sich hingegen nicht bestätigt. „Die betroffene Person gehört zum Kreis der restlichen Beschuldigten", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Ob Anklage erhoben wird, ein Verfahren eingestellt oder auf andere Weise erledigt wird, kann erst nach Abschluss der Ermittlungen entschieden werden – wann dies sein wird, sei derzeit noch nicht absehbar. „Es liegen uns derzeit keine Hinweise darauf vor, dass die Kinder den Beschuldigten zugeführt wurden oder Eltern beim Missbrauch aktiv mitgemacht haben", sagt Vetter.

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Aussage gegen Mittäter


Andreas V. soll in der U-Haft auch gegen seinen Mittäter Mario S. ausgesagt haben, bestätigt Rechtsanwalt Jürgen Bogner. „Falls er sich damit freikaufen wollte, lag er falsch", sagt Bogner. Nur ein Geständnis könne sich strafmildernd auswirken, das habe die Staatsanwaltschaft klargestellt. Bogner wolle seinem Mandanten jedoch weiter raten, sich auf seine eigene Schuld zu fokussieren. „Damit hat er genug zu tun."

Die Ermittler gingen daher weiterhin Hinweisen und Spuren nach, um mögliche Täter und Opfer zu identifizieren. Zur genauen Vorgehensweise könnten aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben gemacht werden. Möglich sei jedoch auch eine Zusammenarbeit mit Schulen.

Lehrer bekommen Bildauschnitte gezeigt

Sogenannte Schulfahndungen sind ein bewährtes Mittel im Kampf gegen die Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie, bestätigt Sven Schneider, Leiter des Dezernats 43 beim Landeskriminalamt NRW. Diese würden zum Schutz der Opfer als zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsfahndung im Gegensatz zu bundesweiten Sendungen wie „Aktenzeichen XY" bevorzugt werden. Im Vordergrund stehe, andauernden Missbrauch aufzuklären und somit Opfer aus Missbrauchsverhältnissen herauszuholen.

Dabei bekämen Lehrer Bildausschnitte der betroffenen Kinder gezeigt, um gegebenenfalls Opfer unter den eigenen Schülern identifizieren zu können. Die ausgewählten Abbildungen zeigten dabei ausschließlich Kinder, nicht aber kinderpornografische Handlungen. „Schulfahndungen gehen vom Bundeskriminalamt aus und die Erfolgsquote beträgt 50 Prozent", sagt Schneider. In jedem zweiten Fall könne ein Kind demnach identifiziert und weiterer Missbrauch verhindert werden.

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