Stimmen zum Lügde-Prozess: „Keine Strafe ist hoch genug“

Janet König und Erol Kamisli

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Die Informationen, die die Ermittlungsbehörden in dem Missbrauchsfall Lügde zusammengetragen haben, umfassen mehrere tausend Seiten. - © Symbolfoto/Montage:Bernhard Preuß / Montage: Oliver Wendtland
Die Informationen, die die Ermittlungsbehörden in dem Missbrauchsfall Lügde zusammengetragen haben, umfassen mehrere tausend Seiten. (© Symbolfoto/Montage:Bernhard Preuß / Montage: Oliver Wendtland)

Detmold. Endlich. Heute beginnt vor dem Landgericht die juristische Aufarbeitung des größten Missbrauchsfalls des Landes. Der anstehende Prozess weckt in vielen Köpfen Erwartungen. Ob Camper, Hinweisgeber, Politiker oder Polizisten – hier äußern sich Menschen, die auf unterschiedlichste Weise mit dem Fall in Berührung gekommen sind.

Ulla Pleen, Camperin:

„Ich werde den Prozess nur in der Presse verfolgen. Ich möchte mir das nicht antun – wir haben darüber so viel gesprochen, wir können es doch nicht ändern! Und auf dem Campingplatz ist immer noch keine Ruhe eingekehrt... Wann hört das auf, fragt man sich. Hauptsache die Täter werden weggesperrt, das ist das einzige, was ich mir wünsche."

Manuela Groth, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Bad Pyrmont:

„Es ist immer noch unfassbar, dass dieser hundertfache Missbrauch nicht früher aufgedeckt wurde, obwohl es zahlreiche Hinweise gab. Ich selbst habe Hinweise an Polizei und Jugendamt weitergegeben, doch leider ist nichts passiert." Sie werde einen Tag vor Ort bei Gericht sein und hoffe, dass die mutmaßlichen Täter reden und damit den Opfern eine Aussage ersparen."

Michael Kling, Polizei-Gewerkschaft (GdP) in OWL:

„Ganz Deutschland wartet mit Spannung auf den Prozessbeginn. Auch bei uns ist ja im Rahmen der Ermittlungen zum Missbrauchsfall nicht alles optimal gelaufen." Natürlich spreche er auch mit Kollegen, darunter viele Väter und Mütter, über den Fall. „Die Anwälte der Angeklagten haben ja im Vorfeld betont, dass der Opferschutz an oberster Stelle steht. Ich hoffe, dass sie ihr versprechen halten", so der Familienvater.

Melanie Rüter, Sprecherin Landgericht:

„Wir sind sehr gut vorbereitet – aufgeregt sind wir daher nicht. Es ist nicht der erste große Prozess, aber natürlich ein besonderer, der viel Arbeit gekostet hat. Wir nehmen das Verfahren – wie alle anderen – sehr ernst."

Axel Lehmann, Landrat
(© Bernhard Preuss)
Axel Lehmann, Landrat
„Ich erhoffe mir aus dem Prozess eine weitere inhaltliche Aufklärung der Tathergänge. Und ich erwarte, dass die Täter, die offensichtlich zahlreiche Kinder über viele Jahre missbraucht haben, eine gerechte Strafe erhalten – eine Strafe, die auch die Schwere der Schuld und die Leiden der Opfer berücksichtigt."
Herbert Reul, Innenminister NRW
(© Federico Gambarini/dpa)
Herbert Reul, Innenminister NRW
Ich freue mich, dass der Prozess jetzt losgeht. Dass bereits nach so kurzer Zeit die Hauptverhandlung beginnen kann, ist auch ein Verdienst unserer Kriminalisten. Die haben sich nach dem Skandal wahnsinnig viel Mühe gegeben, schnell und gut zu ermitteln. Jetzt haben die Richter das Wort. Ich hoffe, diejenigen, die diese schrecklichen Taten begangen haben, bekommen dafür eine gerechte Strafe."
Torsten Köhler, Tierarzt und Nachbar von Andreas V.
(© Bernhard Preuss)
Torsten Köhler, Tierarzt und Nachbar von Andreas V.
"Ich bin immer noch angewidert, wie dieser Mann uns alle hat täuschen können. Ich hoffe nur, dass die Sicherheitsverwahrung greift und auch kein Psychologe der Welt ihn wieder rauslässt – er soll im Gefängnis bleiben. Ich hoffe nur, er hat den Anstand zu gestehen, damit die Kinder nicht aussagen müssen. Aber das glaube ich fast nicht."
Michaela V., Missbrauchsopfer
(© Jannik Stodiek)
Michaela V., Missbrauchsopfer
„Ich will sehen, dass wirklich alle Beteiligten hinter Gittern kommen. Jetzt vor dem Prozess bin ich aufgeregt. Ich weiß nicht so genau, was auf mich zukommt. Aber ich glaube, ich brauche das einfach, um das Vergangene zu verarbeiten und endlich abschließen zu können."
Heinz Reker, Bürgermeister Lügde
(© Jannik Stodiek)
Heinz Reker, Bürgermeister Lügde
„Wir hoffen, dass durch das Verfahren deutlich wird, dass diese Verbrechen nur das Werk einiger weniger ist und nicht die ganze Stadt für diese Verbrechen steht. Wir wollen nach dem Prozess den Blick auf etwas anderes werfen können. Ich werde die Verhandlung in den Medien verfolgen. Ob ich einen Verhandlungstag auch selbst hingehe, weiß ich noch nicht."
Dagmar Bothe, Weißer Ring Lippe
(© Bernhard Preuss)
Dagmar Bothe, Weißer Ring Lippe
„Ich bin froh, dass es endlich losgeht – die Opferfamilien sind schon seit Wochen in heller Aufregung. Auch die Rolle Rolle von Jugendamt und Polizei muss schonungslos aufgeklärt werden. Sie werde den Prozess über die Medien verfolgen.
Jens Ruzsitska, Hinweisgeber
(© Jannik Stodiek)
Jens Ruzsitska, Hinweisgeber
„Meine Angst ist, dass Andreas die Kinder absichtlich aussagen lässt, damit er sie noch einmal zu Gesicht bekommt. Das wäre das schlimmste, was er ihnen jetzt noch antun könnte. Ich hoffe, dass er die höchste Strafe bekommt – obwohl keine hoch genug ist."
Information
Alle Artikel zum Missbrauchsfall Lügde finden Sie hier.

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