Nachwuchs der Rotmilane wird jetzt selbstständig

Lebensweise der Vögel besser verstehen: Lippische Rotmilanfreunde bitten Bevölkerung um Mithilfe

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Noch etwas zerzaust: Der junge Rotmilan F9 nach der Beringung, die ihm offensichtlich nicht gefallen hat. - © Kreis Lippe
Noch etwas zerzaust: Der junge Rotmilan F9 nach der Beringung, die ihm offensichtlich nicht gefallen hat. (© Kreis Lippe)

Oerlinghausen/Leopoldshöhe. Wer sich in diesen Tagen im Beller Feld nahe Bad Meinberg aufhält, kann mit etwas Glück eine besondere Entdeckung machen. "Aktuell hält sich ein junger Rotmilan hier regelmäßig auf", erklärt Heiko Seyer, der den Vogel bereits mehrfach beobachtet hat - meistens frühmorgens oder abends, kurz vor dem Sonnenuntergang.

Zur Erklärung: Der Hobbyornithologe aus Billerbeck war mit dabei, als das Tier Anfang Juni beringt wurde und seinen individuellen Ausweis, gut erkennbar an beiden Flügeln, bekam. Der junge Rotmilan "F9" ist im benachbarten Beller Holz groß geworden, zusammen mit zwei weiteren Geschwistervögeln. "Die jungen Exemplare werden jetzt selbstständig und entfernen sich in den nächsten Wochen immer weiter vom ihrem elterlichen Horst. Mit jedem Tag verbessern die jungen Rotmilane ihr Flugvermögen, aber auch ihre Jagdstrategien. Dies ist lebenswichtig, denn Anfang Oktober machen sich sie sich zum ersten Mal allein und ohne ihre Eltern auf den Weg in die Winterquartiere nach Südfrankreich, Spanien oder Portugal", erläutert Jörg Westphal, Greifvogelexperte bei der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe.

Information
Geselliger Greif

Der Rotmilan gehört zu den Greifvögeln. Er ist gut an der rostroten Gefiederfarbe und dem gegabelten Schwanz zu erkennen. Die Flügelspannweite beträgt bis zu 175 Zentimeter.

Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Mäusen, Kleinvögeln, Insekten und Aas. Rotmilane brüten auf Bäumen. Das Gelege besteht aus 2 bis 4 Eiern.

Rotmilane sind gesellige Vögel. An gemeinsamen Schlafplätzen können sich mehrere hundert Rotmilane versammeln. Der Weltbestand wird auf mehr als 20.000 Brutpaare geschätzt.

Gemeinsam mit Heiko Seyer und dem Biologen Professor Oliver Krüger von der Universität Bielefeld beringt er seit 2010 Rotmilane in Lippe. "In diesem Jahr waren es mehr als 50 Vögel", berichtet Heiko Seyer. Gemeinsam mit Jörg Westphal ist der 49-jährige Billerbecker jetzt wieder verstärkt auf der Suche nach den markierten Vögeln. Der Grund: Mit jeder neuen Beobachtung erfahren die lippischen Rotmilanfreunde mehr über die Lebensweise der Tiere: Jede Sichtung eines markierten Rotmilans wird von den beiden Experten registriert. "Natürlich freuen wir uns, wenn wir möglichst viele Meldungen über die Sichtung von markierten Tieren erhalten - jeder kann uns dabei helfen", sagen Seyer und Westphal.

Wer deshalb ein entsprechendes Exemplar entdeckt, sollte nach Möglichkeit die Flügelmarken ablesen. Diese sind auch aus größerer Entfernung gut mit einem Fernglas oder Spektiv ablesbar. Dazu sollte der Beobachtungsort und das Datum notiert werden. Jeder Melder bekommt dann als kleines Dankeschön einen Lebenslauf "seines" Rotmilans. Meldungen können per E-Mail an heiko.seyer@arcor.de oder j.westphal@kreis-lippe.de abgegeben werden.

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