Badewannenmord: Freundin verblutet nach Streit

Gunter Held

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Auf der Anklagebank: Ernst E. (Name geändert), bespricht sich mit seinem Anwalt Johannes Salmen. Justizbeamter Reinhard Kleesiek hatte den Angeklakten kurz zuvor in den Gerichtssaal geführt. - © Gunter Held
Auf der Anklagebank: Ernst E. (Name geändert), bespricht sich mit seinem Anwalt Johannes Salmen. Justizbeamter Reinhard Kleesiek hatte den Angeklakten kurz zuvor in den Gerichtssaal geführt. (© Gunter Held)

Oerlinghausen/Detmold. Im Prozess um den sogenannten Badewannenmord hat Ernst E. (alle Namen geändert) am ersten Prozesstag eine sehr komplizierte Beziehung geschildert. Dem 36-Jährigen wird zur Last gelegt, am 24. November vergangenen Jahres seine zehn Jahre ältere Lebensgefährtin getötet zu haben.

Er soll Anja S. massiv geschlagen und sie auch gegen Türrahmen oder eine Kommode gestoßen haben. Um einen Suizid vorzutäuschen, soll er die Tote in die Badewanne gelegt haben. Oberstaatsanwalt Christopher Imig sprach im Prozess von einer Tötung, ohne Mörder zu sein.

Information
Der Prozess wird Montag am 29. Mai fortgesetzt.

Sven Schmidt, Rechtsmediziner aus Münster, erklärte dem Gericht, dass die Frau verblutet sei. Sie habe eine Vielzahl von Hämatomen und eine Riss-Quetschwunde an der linken Schläfe gehabt. Die Frage von E.s Anwalt Johannes Salmen, welche Blutgruppe die Getötete gehabt habe, konnte der Rechtsmediziner allerdings nicht beantworten.

Die Blutgruppe sei von der Rechtsmedizin nicht bestimmt worden. Salmen hakte nach: „Sie können also auch nicht bestätigen, dass das Blut, das in der Wohnung gefunden wurde, vom Opfer stammt?" Auch das verneinte Schmidt. Salmen behielt sich vor, einen Beweisantrag zu stellen.

Nicht zu dem eigentlichen Tatvorwurf, aber über seinen Lebensweg und die Beziehung sagte E. aus. Der gebürtige Dortmunder ist von seiner Mutter allein aufgezogen worden, den Vater sah er zweimal im Jahr – „zu Weihnachten und zum Geburtstag". Mit 15 begann er, Alkohol zu trinken. „Das gehörte einfach dazu und hat auch Spaß gemacht", bekannte er freimütig. Der Übergang zu unmäßigem Konsum sei dann schleichend passiert. Mit 17 rauchte er Marihuana.

Mit Hilfe seines Vaters bekam er eine Ausbildungsstelle in der Verwaltung, die er auch abschloss. Er wurde dann nach Bielefeld versetzt, wo er aber nicht glücklich wurde. Er arbeitete schnell und ging nach Hause, wodurch sich Fehlzeiten anhäuften. Zudem steigerte er seinen Drogenkonsum. Kurz vor seiner Verbeamtung wurde ihm gekündigt.

Er begann eine Ausbildung in einem Gartenbaubetrieb. Seine Verlobte machte eine Ausbildung zur Krankenschwester. Durch sie hatte er Zugang zu Schlafmitteln, die er neben dem Marihuana missbräuchlich konsumierte. „In einem Streit mit ihr ist mir dann die Hand ausgerutscht. Es folgte die Trennung. „Danach ging es bergab. Ich habe nur noch gekifft." Dann kam Ecstasy hinzu, später Heroin. Sechs bis acht Flaschen Bier bis 14 Uhr seien normal gewesen.

Auch Anja S. trank. Als die beiden sich kennenlernten, hatte sie beim ersten Date bereits zwei Flaschen Rum intus, sagte der Angeklagte. Die Beziehung der beiden war geprägt von Suff, Eifersucht und Streitereien. Sie lebten zunächst in Dortmund, zogen dann aber nach Oerlinghausen – in getrennte Wohnungen.

Auch der Tat sei ein heftiger Streit vorausgegangen. Der Polizei sagte er, nachdem er am Morgen nach der Tat den Rettungsdienst alarmiert hatte, dass er am Abend zuvor früh ins Bett gegangen sei und Schlaftabletten genommen habe. Seine Freundin habe noch duschen und dann nachkommen wollen. Er habe nichts mehr mitbekommen.

Wegen der Verletzungen, die die Leiche aufwies, ist E. verhaftet worden. Der Ex-Mann der Getöteten und ihr Sohn beschrieben die Frau als im Umgang schwierig, wollten aber von Alkoholmissbrauch nichts gewusst haben.

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