Oerlinghauser Südstadtschule wird dreizügig

Sigurd Gringel

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Grundschule Lipperreihe: Sie soll einzügig weitergeführt werden – auch mit einer größeren Schule in der Südstadt. - © Karin Prignitz
Grundschule Lipperreihe: Sie soll einzügig weitergeführt werden – auch mit einer größeren Schule in der Südstadt. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Die neue Südstadtschule soll mit der Option auf eine dreizügige Erweiterung gebaut werden. Diese Empfehlung hat der Hauptausschuss einstimmig bei Enthaltungen der CDU ausgesprochen. Aus Lipperreihe regt sich bereits Widerstand dagegen.

Die CDU-Fraktion wollte den Tagesordnungspunkt eigentlich absetzen, weil sie der Ansicht war, dass der Hauptausschuss das falsche Gremium für diese Frage sei. Bürgermeister Dirk Becker entgegnete, dass der Ausschuss sehr wohl diskutieren und dann eine Empfehlung an den Rat geben könne. Das sahen auch alle anderen Fraktionen so. Becker machte klar: „Ich bin nicht mehr gewillt, solche Verzögerungsspielchen hinzunehmen." Die Entscheidung fällt damit am 22. März im Rat.

Zum Schuljahr 2020/21 soll die neue Schule an den Start gehen. Im Februar 2017 hat der Rat den Neubau beschlossen, und sich die Option auf eine Erweiterung auf eine Dreizügigkeit offen gehalten. Gleichzeitig soll die Grundschule Lipperreihe einzügig weitergeführt werden. Im Herbst hat ein Architektenwettbewerb stattgefunden.

Es sei sinnvoll, die Erweiterung jetzt schon einzuplanen, weil aus aktuellen Geburtenzahlen mit vier Eingangsklassen für den Grundschulverbund Lipperreihe-Südstadt ab 2023 zu rechnen ist, teilt die Stadtverwaltung mit. Drei Eingangsklassen entfallen auf Familien aus der Süd- und Altstadt, eine Klasse auf Lipperreihe. In den Jahren zuvor zeigten die prognostizierten Schülerzahlen noch nach unten.

Tatsächlich sei eine Trendwende in den Geburtenzahlen festzustellen, bestätigt die Kreisverwaltung. Claudia Böhm-Kasper, zuständig für das Bildungsmonitoring, sagte, dass kreisweit die Geburtenzahlen seit etwa zwei Jahren wieder steigen. Und das liege nicht allein am Zuzug ausländischer Familien.

Dirk Becker nennt einen weiteren Grund für die Dreizügigkeit der Südstadtschule. Es zeichne sich eine Tendenz ab, dass die Klassengrößen abnehmen. Zudem gebe es neue Baugebiete in der Stadt, und auch in der Conle-Siedlung sei bei dem zunehmenden Wohnungsmangel auf Dauer wahrscheinlich nicht mit so viel Leerstand zu rechnen wie jetzt. Derzeit sollen dort 200 Wohnungen leer stehen, sagte Günter Augustin (SPD). Auch will die Stadt einen Umbau bei laufendem Schulbetrieb vermeiden, der zudem insgesamt teurer käme.

Die Schule selbst wird mit der Erweiterungsoption etwa eine Million Euro teurer als ohne. Trotzdem soll der Ratsbeschluss, die Kosten für diese Variante auf 9,75 Millionen Euro zu deckeln, eingehalten werden, ebenso die Weiterführung der Grundschule Lipperreihe. Bürgermeister Becker räumt aber eine mögliche Kostensteigerung wegen der Wirtschaftslage ein.
Kritiker aus Lipperreihe stellen die Aussagen der Stadtverwaltung infrage.

Dennis Thon und Jens Dressler sehen einen generellen Abwärtstrend der Geburtenzahlen, der nur temporär durch einen Anstieg abgefedert wird. Sie sind sich sicher, dass der Neubau mehr als zehn Millionen Euro kosten wird. Und sie befürchten, dass der Schulstandort Lipperreihe „peu á peu trockengelegt" werde. Ihr Vorschlag lautet, die Südstadtschule zweizügig zu bauen und eventuelle Spitzen mit einem zweiten Zug in Lipperreihe aufzufangen. Darauf Dirk Becker: „Wir arbeiten gerade an der Umsetzung des Mehrgenerationenprojektes in Lipperreihe." Er findet es deshalb falsch, dort Räume für einen zweiten Zug ab 2023 bereitzuhalten.

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