Repair-Café in Oerlinghausen: Zum Wegwerfen zu Schade

Knut Dinter

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Auf Fehlersuche: (von links) Matthias Voß schraubt eine Brotschneidemaschine auseinander und diagnostiziert einen Kurzschluss. Roland Koch sowie Christine und Ernst Overhoff verfolgen den Reparaturversuch. - © Knut Dinter
Auf Fehlersuche: (von links) Matthias Voß schraubt eine Brotschneidemaschine auseinander und diagnostiziert einen Kurzschluss. Roland Koch sowie Christine und Ernst Overhoff verfolgen den Reparaturversuch. (© Knut Dinter)
Oerlinghausen. So manche Bergstädter gehen auch im Alter gern noch einmal zur Schule. Allerdings nehmen sie dann weder Hefte noch Bücher mit. Vielmehr enthalten ihre Taschen Elektrogeräte, Kleidung oder Kleinmöbel. Denn am Sonntag ist wieder das „Repair-Café" in der Eingangshalle des Niklas-Luhmann-Gymnasiums geöffnet gewesen.

Eine Brotschneidemaschine legen Christine und Ernst Overhoff auf den Arbeitstisch von Matthias Voß. „Sie funktionierte plötzlich nicht mehr", erklären die beiden Leopoldshöher. Als Voß den Stecker einstöpselt, gibt es sofort einen Kurzschluss. Damit scheint die Ursache gefunden. „Trotzdem werde ich mal nachschauen, einen Versuch ist es wert", meint Voß.

Als er von dem Repair-Café hörte, meldete Voß sich als ehrenamtlicher Handwerker, schließlich nimmt er gern Elektrogeräte auseinander und tüftelt so lange, bis er eine Lösung findet. „Eigentlich gab es noch keine aussichtslosen Fälle", berichtet Tilo Kochsiek. Er ist Mitglied im Rotary-Club Detmold-Oerlinghausen, der im Auftrag des Verkehrs- und Verschönerungsvereins das Repair-Café ausrichtet. Unter diesem Namen werden vielerorts kostenlose Reparaturen angeboten.

In Oerlinghausen schon seit drei Jahren. „Der Kaffee und der Kuchen kosten wirklich nichts, Sie sind eingeladen", versichert Heinz-Hermann Klein, ein „Past President" des Rotary-Clubs, zwei älteren Damen. „Die Kommunikation ist uns ganz wichtig, wir möchten ja mit den Oerlinghausern ins Gespräch kommen. Bei einer Tasse Kaffee ist das wesentlich leichter." Seit Beginn kamen schon 600 Ratsuchende. Bei jedem der dreistündigen Termine kann bis zu 30 Mal geholfen werden.

„Im Regelfall kriegen wir alles wieder hin, manchmal bauen unsere Handwerker ein Ersatzteil dann beim nächsten Mal ein", erläutert Klein. Der Grundsatz lautet: Repariert wird alles, was getragen werden kann. In jüngster Zeit wird vermehrt um Hilfe bei Nähmaschinen gebeten. Auch Angelika Gottschalk hat ein Problem mit ihrer. „Ich habe gemerkt, dass sie nicht mehr richtig transportiert, ich kriege keine gerade Naht hin", sagt sie. „Ich bin zum ersten Mal hier, dieses Angebot ist wirklich wunderbar."

Als versierte Hobbynäherinnen können Barbara Niehaus-Müller und Edith Linneweber Auskunft geben. „Wenn man die Maschine lange nicht mehr benutzt hat, passieren ganz simple Fehler", sagte Barbara Niehaus-Müller. „Oft ist die Nadel krumm, oder der Faden ist zu schlaff und zieht Schlaufen." Während Jürgen Mester einen Holzstuhl neu verleimt, kümmert sich Georg Schulz um schwierige Fälle. Rosita Schwipps hat ihm eine alte Tischuhr vorgelegt. „Sie lag jahrelang im Keller, jetzt geht sie nicht mehr", sagte sie. Nach kurzer Zeit lässt Schulz zumindest die Melodie „Donauwellen" der eingebauten Spieluhr wieder erklingen.

„Ich bin kein Uhrmacher", räumt der Maschinenbauingenieur ein, „aber ich kann definitiv sagen, dass die Feder defekt ist. Ob Sie die Kosten für eine Reparatur im Fachgeschäft tragen wollen, müssen Sie selbst entscheiden."

Das nächste Repair-Café – es ist das 25. – findet am Sonntag, 8. Juli, zwischen 11 und 14 Uhr statt. „Dazu lassen wir uns etwas Besonderes einfallen", kündigt Heinz-Hermann Klein an. Dann sollen auch die Spenden übergeben werden, die seither zusammenkamen.

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