Nachwuchs für die Oerlinghausener Lebensretter gesucht

Knut Dinter

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Faszination Feuerwehr: Wie sein Vorbild aus den Büchern „Feuerwehrmann Sam" möchte auch Finn Luca (3) später einen solchen Einsatzwagen steuern. Jugendwart Michael Korte kann den Wunsch gut nachvollziehen. - © Knut Dinter
Faszination Feuerwehr: Wie sein Vorbild aus den Büchern „Feuerwehrmann Sam" möchte auch Finn Luca (3) später einen solchen Einsatzwagen steuern. Jugendwart Michael Korte kann den Wunsch gut nachvollziehen. (© Knut Dinter)

Oerlinghausen-Helpup. Die Feuerwehr ist in aller Munde. Doch wie sieht der Dienst der Freiwilligen genau aus? Es gehe um mehr, als „nur" Feuer zu löschen, befand der Löschzug Helpup und lud deshalb am Wochenende erstmals zu einem Schnuppertag ins Gerätehaus an der Bahnhofstraße ein.

Michael Sielemann trägt die blaue Uniform seit 1990. Bereits sein Vater war Feuerwehrmann, da lag es nahe, dass auch er in die Jugendwehr eintrat. Er wurde zum Jugendwart gewählt, bei der aktiven Wehr stieg er zum stellvertretenden Löschzugführer auf, heute ist er Löschzugführer und damit für 37 Aktive verantwortlich. „Das ist eine lange Zeit, aber sie ist für mich wie im Flug vergangen", sagt Michael Sielemann.

Die Hälfte ihres Lebens hat Laura Jyss (20) bislang der Feuerwehr gewidmet. Dem Vorbild ihres Vaters folgend, trat sie bereits im Alter von zehn Jahren der Jugendwehr bei, seit ihrer Volljährigkeit unterstützt sie die Einsatzabteilung.

„In unserer Familie war niemand in der Wehr", berichtet Matthias Bracht. „Erst als mich Freunde mitschleppten, habe ich schnell Gefallen an den Aufgaben der Wehr gefunden." An Karriere habe er nie gedacht, meinte Bracht, der heute als stellvertretender Leiter der Oerlinghauser Gesamtwehr fungiert. „Das war nicht geplant, es hat sich einfach ergeben." Ihr Werdegang sei keineswegs repräsentativ, sagen Sielemann und Bracht. Jedes Mitglied der Wehr könne über das eigene Engagement selbst entscheiden.

Pressesprecher Christian Stüber ergänzte: „Wir werden oft gefragt: Wie viel Zeit muss ich der Feuerwehr opfern? Und muss ich kommen, wenn es piept und ein Einsatz ansteht?" Das könne nur individuell beantwortet werden. „Man muss selbstverständlich nicht kommen, wenn man eine Familienfeier hat oder die Kinder allein zu Hause sind. Man kann sich so viel einbringen wie man möchte", sagt Sielemann. Das sei durchaus mit familiären Pflichten und Kindern vereinbar, wie auch die Mitglieder der Helpuper Wehr bewiesen. In NRW werden die Feuerwehraufgaben zu 85 Prozent ehrenamtlich wahrgenommen. „Es geht uns darum, Menschen in Not zu helfen", so Sielemann.

Bei Sven Brinkmann fallen diese Worte auf fruchtbaren Boden. Er informiert sich am Schnuppertag, weil „ ich auf jeden Fall Interesse habe". Brinkmann ist bei der Stadt beschäftigt und wurde von Arbeitskollegen auf die Idee gebracht. „Feuerwehr ist eine sinnvolle Sache, die man unterstützen sollte", sagt der Helpuper. In Gesprächen habe er schon einiges erfahren, „was hinter den Kulissen passiert. Demnächst werde ich mal zu einem Dienstabend gehen."

„Vieles ist ja absehbar und lange vorher planbar", erläutert Sielemann. „Alle 14 Tage treffen wir uns zu einem Übungsabend. Darüber hinaus machen wir Ausflüge und andere Gemeinschaftsveranstaltungen." Die Grundausbildung findet an Wochenenden in Lippe statt. Wer seine Kompetenzen noch erweitern möchte, kann spezielle Lehrgänge besuchen.

Sielemann möchte der Befürchtung entgegentreten, die Feuerwehr fordere eine vollständige Hingabe. „Niemand muss sich abgeschreckt fühlen", sagte er. „Wir finden immer eine Lösung. Wenn jemand ein Haus bauen oder sich mehr um die Kindererziehung kümmern möchte, können wir ohne weiteres eine Auszeit vereinbaren. Anschließend begrüßen wir jedes Mitglied gern wieder zurück."

Sehr vielfältige Einsätze

Die Freiwillige Feuerwehr Oerlinghausen hat im vergangenen Jahr 166 Einsätze absolviert. Diese seien sehr vielfältig gewesen, sagt der Helpuper Löschzugführer Michael Sielemann. Neben der Brandbekämpfung waren technische Hilfeleistungen, Rettungsdienst und Sicherheitswachen erforderlich. „Es ist ein breites Spektrum an Tätigkeiten", sagt Sielemann. Er verweist zugleich auf die sozialen Aspekte der Feuerwehrarbeit. Der Dienst bedeute gleichermaßen Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft und soziale Verantwortung.

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