Alarmsirenen sind für die Oerlinghauser nur schwer zu hören

Gunter Held

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Nicht überall in Oerlinghausen sind die Sirenen gut zu hören. - © Ekkehard Wind
Nicht überall in Oerlinghausen sind die Sirenen gut zu hören. (© Ekkehard Wind)

Oerlinghausen-Helpup. Alarmsirenen sollen die Bevölkerung aufmerksam machen. Damit diese im Ernstfall auch gehört werden, sind die Sirenen naturgemäß laut. Trotzdem werden sie nicht überall gehört. So erging es Zeitungsleserin Marlies Peters aus Helpup. Sie wohnt an der Oststraße, wenige 100 Meter von der nächsten Sirene entfernt – sie ist auf dem Dach des Feuerwehrgerätehauses angebracht. „Früher haben wir die Sirenen gut gehört. Aber seit einigen Jahren sind sie sehr leise", sagt sie. Beim jüngsten Probealarm am 1. August sei sie allein im Haus gewesen, Radio und Fernseher waren ausgeschaltet. Trotzdem habe sie kaum einen Ton wahrnehmen können.

Früher – das bezieht sich auf die Jahrzehnte vor der Jahrtausendwende, als die Welt noch vom Kalten Krieg geprägt war. Nach dessen Ende herrschte die Meinung vor: Sirenen sind überflüssig. „Doch dann kamen die Terroranschläge, Naturkatastrophen und Großbrände – und es setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Sirenen sehr wohl noch gebraucht werden", sagt Meinolf Haase, Fachdienstleiter Bevölkerungsschutz des Kreises Lippe. Also wurden die Sirenen wieder in Betrieb genommen.

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www.lippeschutz.de

Zum Fall in Helpup sagt Haase: „Meines Wissens ist Oerlinghausen eine von zwei Städten im Kreis Lippe, die damals die Sirenen abgebaut haben. Deshalb wurden dort neue Anlagen installiert." Die Beschwerde von Marlies Peters nehme er sehr ernst, zeige sie doch, „dass die Bewohnerin sich mit dem Thema beschäftigt".

Allerdings könne er nicht versprechen, dass in unmittelbarer Nachbarschaft eine Sirene montiert wird. Hier geht er mit Dirk Schäfer, Fachbereichsleiter Bauen, Ordnung, Umwelt im Oerlinghauser Rathaus, konform. „Wir vermeiden es, Alarmanlagen auf Privathäuser zu bauen", sagt Schäfer. Dass die Anlagen in manchen Bereichen Oerlinghausens schlecht oder gar nicht zu hören seien, sei der Topographie vor Ort geschuldet.
„Alarmanlagen können nur einvernehmlich errichtet werden", sagt Haase. „Wir haben zwar das Recht auf unserer Seite und jeder Bürger müsste es letztendlich dulden, wenn eine Alarmanlage auf sein Haus gebaut wird, aber wir wollen keinen Ärger heraufbeschwören." Schäfer wiederum informiert darüber, dass die Verwaltung der Bergstadt vorhat, für die Südstadt eine Sirene auf der neuen Grundschule oder der Sporthalle zu installieren.

Auf der anderen Seite ist er jedoch daran interessiert, dass die Bevölkerung umfassend gewarnt wird. „Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, die Bevölkerung zu informieren", sagt er und nennt die Smartphone-Apps „Katwarn" und „Nina", die kostenlos zu erhalten sind. Zudem werden im Ernstfall Lautsprecherwagen der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks durch die Gegend fahren. Radio und Fernsehen werden im Ernstfall ebenfalls Informationen senden. „Auch zu den Printmedien haben wir Kontakt." Diese erreichten auch mit ihren Internetauftritten schließlich eine große Anzahl von Menschen, erläutert Haase.

Als 2011 die Notwendigkeit der Sirenen erkannt wurde, stellte die Landesregierung zehn Millionen Euro für den Wiederaufbau des Sirenennetzes zur Verfügung. Auch Lippe bekam 270.000 Euro, die „nach dem Prinzip der Notwendigkeit verteilt wurden", sagt Haase. Mittlerweile gibt es in Lippe wieder 160 Sirenen, weitere sollen folgen. In Kontakt ist der Bevölkerungsschutz auch mit Gehörlosen, bei denen die Alarmierung über das Smartphone ein Lichtsignal auslöst.

Was sich bei Probealarmen ändert

Zum letzten Mal hat der Probealarm des Kreises am 1. August nach dem bisherigen Rhythmus stattgefunden. Vom kommenden Monat an wird sich der Kreis dem Warnerlass NRW anschließen und den Alarm nur noch zweimal jährlich proben. Entsprechend dem landesweiten Rhythmus ist es dann am Donnerstag, 6. September, so weit. Künftig werden die Probealarme immer am ersten Donnerstag im März und September ertönen.

Die Alarme beginnen um 10 Uhr mit einem Dauerton, dem Signal für eine Entwarnung. Ab 10.05 Uhr ertönt ein auf- und abschwellender Ton, der die Bevölkerung im Ernstfall warnen und anzeigen soll, dass sofort Radio und Fernsehen eingeschaltet werden sollten, weil es über diese Medien weitere Informationen gibt. Der Probealarm endet wiederum mit dem Dauerton als Entwarnung. Während der Probealarme wird es keine Information über diese Medien geben.

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