Medizinisches Versorgungszentrum in Oerlinghausen soll Ärztemangel entgegenwirken

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Stethoskop - © Symbolbild: pixabay.com
Stethoskop (© Symbolbild: pixabay.com)

Oerlinghausen-Helpup (din). Die medizinische Versorgung ist Thema der jüngsten Versammlung des SPD-Ortsvereins Helpup gewesen. Zu Gast war Landrat Dr. Axel Lehmann, der sich für Medizinische Versorgungszentren stark macht. „Das alte Dorfarztmodell ist Vergangenheit", stellte er fest. „Für junge Ärzte ist es immer weniger attraktiv, sich in einer eigenen Praxis niederzulassen."

Daher soll in drei Städten – Oerlinghausen, Bad Salzuflen, Lügde – ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) eröffnet werden. Das sieht ein „Zukunftskonzept Lippe" vor, das die ambulante Versorgung sicherstellen und die Schließung von Arztpraxen im ländlichen Raum verhindern soll.

Lokale, von Ärzten betriebene Gesundheitszentren sollen mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen zusammenarbeiten. Dazu gehört eine telemedizinische Anbindung an das Klinikum Lippe und an Facharztzentren. „Es soll aber kein reines Ärztehaus werden", sagte Lehmann.

Wünschenswert sei, wenn auch Apotheken, Physiotherapeuten, soziale Dienste und Beratungsstellen hinzukämen. Auch Einzelhandel sei dort denkbar. „Das ist zugleich ein Mittel zur Belebung des Ortskerns", erklärte Lehmann.

Noch gebe es in Oerlinghausen keinen Engpass bei den Ärzten, so Lehmann: „Wir wollen lediglich einem drohenden Mangel vorbeugen." Man dürfe auch nicht eine Stadt allein betrachten, sagte er. „Die Kassenärztliche Vereinigung hat größere Versorgungsbezirke gebildet."

Alexander Graudenz, Vorsitzender des Bezirks Detmold der Ärztekammer Westfalen-Lippe, weiß, dass die herkömmliche Einzelpraxis für junge Mediziner nicht mehr attraktiv ist.

 Zusammenarbeit 
von Fachbereichen

„Junge Ärzte wollen nicht mehr unbedingt selbstständig sein und alle wirtschaftlichen Risiken tragen. Sie suchen andere Arbeitsmodelle." In Versorgungszentren, die von Ärzten gegründet werden, könnten sich Praxen verschiedener Fachrichtungen ansiedeln.

Hier gebe es auch die Möglichkeit, Ärzte einzustellen, die auch in Teilzeit arbeiten könnten, so Graudenz. „Es ist wichtig, dass sich der Kreis Lippe frühzeitig Gedanken macht", ergänzte Heike Achtermann von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. „Jedoch bleibt die Bedarfsplanung davon unberührt."

Der Zulassungsausschuss, dem Ärzte und Krankenkassen angehören, entscheide über neue Praxen. „Wichtig ist, dass der Betrieb in ärztlicher Hand bleibt und die Versorgungszentren nicht kapitalgesteuert sind."

Von den Ärzten in der Bergstadt wird die Idee eines Versorgungszentrums durchaus begrüßt. Von den zwölf niedergelassenen Ärzten seien zwei unter 50 Jahren, sagte der 
Allgemeinmediziner Ulrich Kochsiek auf Nachfrage. „Wenn in den nächsten Jahren nur zwei Kollegen aufhören, wird es ein Riesenproblem geben."

Der Apotheker Henner Wachsmuth-Melm findet das Vorhaben „als solches gut. In einem solchen Zentrum könnten die verschiedenen Disziplinen besser zusammenarbeiten, die Verwaltung könne zentral erledigt und teure Geräte gemeinsam genutzt werden.

Die befragten Zahnärzte betrachten den Plan skeptisch. „Einen Mangel an Zahnärzten kann ich in der Stadt nicht erkennen", sagte Marco Viertmann aus Helpup. Der erhoffte Vorteil einer engeren Kooperation sei bereits gegeben. „Wir arbeiten mit anderen Praxen eng zusammen." Generell werde bei Zahnärzten die Einzelpraxis der Normalfall bleiben.

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