Archäologie trifft Fantasy bei der "Langen Museumsnacht"

Kristoffer Fillies

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Ritter und Nachtwache: Konstantin (links) hat sich wie ein Nachtwache-Charakter der Serie Game of Thrones verkleidet. Sein guter Freund
Robin stellt einen Ritter aus dem Spätmittelalter dar – samt dazu gehörigem Schwert. - © Kristoffer Fillies
Ritter und Nachtwache: Konstantin (links) hat sich wie ein Nachtwache-Charakter der Serie Game of Thrones verkleidet. Sein guter Freund
Robin stellt einen Ritter aus dem Spätmittelalter dar – samt dazu gehörigem Schwert. (© Kristoffer Fillies)

Oerlinghausen. „Die besten Geschichten schreibt die historische Geschichte selbst", sagt Karl Banghard, Direktor des Archäologischen Freilichtmuseums (AFM) Oerlinghausen. Während der zweiten „Langen Museumsnacht" konnten die Besucher dort auf Spurensuche von fantastischen Geschichten wie Game of Thrones, Herr der Ringe sowie Harry Potter und deren realen historischen Bedingungen gehen.

„Es steckt viel Wahres in der Serie ,Game of Thrones‘", sagt Museumsleiter Banghard. „Abgesehen von den Fantasieaspekten wie Drachen natürlich." Banghard selbst bezeichnet sich als Fan der Serie: „Das Schöne an der Serie ist, dass sie tiefer geht, als nur halb-nackte Frauen und dramatische Kriege zu zeigen." Die Verkleidung und das Leben der Menschen in der Serie richte sich sehr nach den realen Bedingungen im Spätmittelalter, meint er. Es seien viele Versatzstücke drin, die tatsächlich zu der Zeit um zirka 1250 bis 1500 nach Christus bestanden hätten – das Rittertum zum Beispiel.

Über das Gelände des AFM stolzierten dann auch tatsächlich Ritter, zumindest als solche verkleidete Freunde des LARP („Live Action Role Playing", zu deutsch Live-Rollenspiel). Robin (28) und Konstantin (31) aus dem Ruhrgebiet zum Beispiel. Die beiden Freunde nehmen seit einigen Jahren an Rollenspiel-Events teil. „Da erfindet einer von uns eine Grundgeschichte, und wir spielen dann unter realen mittelalterlichen Bedingungen die Geschichte durch und finden damit immer neue, andere Enden", erklärt Robin, der eine Ritterrüstung trägt und ein echtes Schwert in seinen Händen hält.

Alle Gebäude des AFM nutzten die Organisatoren um Museumsdirektor Karl Banghard, Museumspädagogikleiterin Greta Civis und ihren Stellvertreter Philipp Pohlmann für das Fantasy-Spektakel. Im merowingerzeitlichen Sachsenhaus gaben Experten Einblicke in die Welten von Herr der Ringe und Game of Thrones (GoT). Die finale Staffel von GoT war auch der Anlass für das Event in Oerlinghausen. Um fantastische Tierwesen ging es am Lagerfeuer im jungsteinzeitlichen Langhaus. Kai Bernhardt vom LWL-Museum für Archäologie in Herne hatte sich dafür als die Hauptfigur Newt Scamander aus dem Harry-Potter-Ableger „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" verkleidet. Mit Frack, Fliege und einem Koffer, aus dem er echte Fundstücke zog, die vor wenigen Hundert Jahren noch als Horn eines Einhorns oder als Drachenzähne gedeutet wurden. In Wahrheit seien es aber zum Beispiel Stoßzähne von Mammuts. „Die Menschen konnten sich die Herkunft damals nicht erklären, so entstanden die Fantasiewesen", erklärt Bernhardt.

„Ohne Archäologie gäbe es kein Fantasy", stellt Museumsdirektor Banghard heraus. „Nur weil wir solche Stücke finden, können wir Menschen unsere Fantasie anregen und Geschichten wie Herr der Ringe erfinden."

Drei Feuershows nach Einbruch der Dunkelheit faszinierten Groß und Klein. Zwischen den Shows zeigte Feuerkünstler Jens Schwarze von der Bielefelder „FeuerFlut" den zahlreichen Kindern und Erwachsenen, wie Jonglage funktioniert. Die konnten es dann gleich selbst ausprobieren.
Museumsdirektor Karl Banghard zeigte sich sichtlich zufrieden mit der zweiten Auflage der Museumsnacht. „Es sind auf den ersten Blick mehr Besucher als im vergangenen Jahr hier gewesen." Zur ersten Museumsnacht zu den Themen Vielfalt und Integration waren etwa 800 Besucher gezählt worden – die Zahl für die diesjährige Nacht im Freilichtmuseum war noch nicht klar.

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