Lehrer und Kinder der Grundschule Lipperreihe fürchten um Gesundheit

Karin Prignitz

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Betroffen: Claudia Hädrich kann derzeit in ihrem Büro nicht arbeiten. Ein Gerät sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit weicht. - © Karin Prignitz
Betroffen: Claudia Hädrich kann derzeit in ihrem Büro nicht arbeiten. Ein Gerät sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit weicht. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Die seit Jahren anhaltenden Wasserschäden an der Grundschule Lipperreihe sorgen weiter für Aufruhr. Jetzt steht der Vorwurf im Raum, dass Schimmel möglicherweise die Ursache für Krankheiten von Schülern und Lehrern sein könnte. Eltern sind besorgt und enttäuscht, „sie fühlen sich alleine gelassen und sind in ganz großem Maße verunsichert", berichtet Dennis Thon, Vorsitzender des Fördervereins.

Schulleiterin Claudia Hädrich hatte im jüngsten Schulausschuss eine Chronik der Wasserschäden und deren Auswirkungen seit dem Jahr 2015 vorgetragen. Sie berichtete von einem hohen Krankenstand der Lehrkräfte und dass sie sich von der Stadt als Schulträger nicht ernstgenommen fühle. „Nun steht im Raum, dass die Kinder teilweise schon seit Monaten und Jahren etwaigen krankmachenden Schimmelsporen ausgesetzt sein können", sagt Dennis Thon. Er berichtet von einem Beispiel, das an ihn herangetragen worden ist: Ein Kind leidet seit einem halben Jahr an einer verstopften Nase, derzeit werde eine Cortisonbehandlung ausprobiert. „Was ist", fragt Thon, „wenn die Schimmelsporen in der Schule dafür verantwortlich sind?".

Defekt: Unter der Tapete ist schon länger eine Beule zu sehen gewesen. Das Fallrohr ist völlig marode. - © kap
Defekt: Unter der Tapete ist schon länger eine Beule zu sehen gewesen. Das Fallrohr ist völlig marode. (© kap)

Die SPD reagierte mit einem persönlichen Schreiben an die Schulleiterin. „Liebe Frau Hädrich, wir haben in Oerlinghausen das Glück, einander zumeist persönlich zu kennen – anders als zum Beispiel in der Großstadt Bielefeld." Bevor eine Situation derart eskaliere und Missstände zwischen den Beteiligten sich hochschaukelten, könne doch ein Gespräch im Vorfeld helfen, Lösungen für ein Problem zu finden. „Möge uns eine solche Situation im Ausschuss zukünftig erspart bleiben."

Dennis Thon kann eine solche Reaktion in keiner Weise nachvollziehen. Er fragt sich umgekehrt vielmehr, warum die politischen Vertreter nicht direkt nach der Ausschusssitzung das Gespräch gesucht und sich zumindest die in Lipperreihe gewählten Ratsvertreter nicht längst ein Bild von den Zuständen vor Ort gemacht hätten. Schließlich seien Missstände bereits seit 2015 bekannt. Thons Kritik richtet sich insbesondere an die Stadt. Der sei der Sachverhalt bekannt gewesen, die Ursachen aber seien nicht beseitigt worden. Thon wirft der Stadt deshalb sogar Vorsatz vor.

„Alle entstandenen gesundheitlichen (Folge-)Schäden bei Lehrpersonal und Schülern könnten schadenersatzpflichtig sein."Helmut Holthöfer, bis vor kurzem Technischer Leiter des Fachbereichs „Bauen, Ordnung, Umwelt", kann den entstandenen Ärger „vollkommen verstehen". Die Sache sei aber komplex. Kanäle wie die im 60er-Jahre-Bau der Grundschule Lipperreihe seien für extreme Starkregen nicht ausgerichtet. Die Schule habe zudem ein Flachdach. Entwässert werde über innenliegende Fallrohre. Eines dieser Rohre läuft in die Wand des Lehrerzimmers. Die Rohre verlaufen dann unter der Betonsohle in die Grundleitungen, die dann teilweise in Versickerungsschächten laufen. „Und die sind bei Starkregen schnell voll", sagt Holthöfer.

„Wir werden uns zusammensetzen, und nach Lösungen suchen", verspricht er. Das Ganze sei aber aufwendig. Erst müsse vor Ort eine Bestandsaufnahme erstellt werden. Bestandspläne gebe es nur zum Teil. Ein Dach auf das Gebäude zu setzen, um mehr Gefälle zu bekommen, könnte eine Lösung sein, die aber sei kostenintensiv. Erst vor zwei Wochen sei das Flachdach saniert worden. In Kürze soll es Schadstoffmessungen geben. Sollten sich dort bedrohliche Werte ergeben, werde ein Bausachverständiger hinzugezogen. Falls nicht, sollen die vorhandenen Schäden beseitigt werden. Beim entstandenen Loch vor der Sporthalle sei eine Leitung abgesackt, informiert Holthöfer.

Er verweist darauf, dass es auch bei anderen städtischen Gebäuden immer wieder Wasserschäden gibt.

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