Oerlinghauser kämpft gemeinsam mit Hannes Jaenicke gegen Vogelmafia

Karin Prignitz

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Die Prominenz macht sich schlau: Roland Tischbier erläutert Hannes Jaenicke die Funktionweise der illegalen Leimruten, mit denen Singvögel gefangen werden. - © Verein Pro Artenvielfalt
Die Prominenz macht sich schlau: Roland Tischbier erläutert Hannes Jaenicke die Funktionweise der illegalen Leimruten, mit denen Singvögel gefangen werden. (© Verein Pro Artenvielfalt)

Oerlinghausen. „Man erlebt unvorstellbare Grausamkeiten", sagt Roland Tischbier. Seit vielen Jahren kämpfen der 72-Jährige und sein Team unter anderem gegen Vogelwilderei. Der Oerlinghauser hat im November 2008 die Stiftung „Pro Artenvielfalt" gegründet. Ihr Ziel: Gefährdete und bedrohte Wildtierarten sollen auch im 21. Jahrhundert im gewohnten Umfeld überleben können.

Gerade erst war Tischbier auf Zypern – mit prominenter Unterstützung. Der Schauspieler Hannes Jaenicke, der sich seit Jahren im Tier- und Umweltschutz engagiert, begleitete das Team. Auf der Mittelmeerinsel machen viele Vögel auf ihrer Reise in den Süden Rast – und gehen Wilderern in die Falle.

Roland Tischbiers erster Vogelschutzcamp-Einsatz auf Zypern war im Frühjahr 2010. Aus einem Busch vernahm das Team leise klagende Vogelrufe: „Eine Mönchsgrasmücke klebte kopfüber an einer Leimrute und riss sich mit jedem Flügelschlag mehr Federn aus." Der Vogel wurde behutsam gerettet. Tief erschüttert beschloss Tischbier damals, die Freunde vom „Komitee gegen den Vogelmord" im Kampf gegen die Machenschaften der Wilderer in den EU-Ländern Südeuropas mit der internationalen Zugvogelschutz-Kampagne „Stopp dem Vogelmord" tatkräftig vor Ort und auch finanziell zu unterstützen.

Er weiß, dass es auch heute noch ein Kampf ist, der Zivilcourage, viel Geld, Kraft und Nerven kostet. Doch der Einsatz sei nötig, denn: „Um Haus und Hof, in der offenen Feldflur und auch am Himmel über uns wird es immer stiller." Die Zahl der heimischen Vogelbrutpaare nehme kontinuierlich ab. „Allein in den vergangenen zwölf Jahren sind laut Naturschutzbund mehr als 24 Millionen Vögel verschiedenster Arten verschwunden." Das seien 15 Prozent des gesamten Vogelbestandes in Deutschland. „Zunehmender Lebensraumverlust und massiver Insektenschwund machen unseren Vögeln schwer zu schaffen", betont Tischbier.

Hinzu komme der Vogelmord entlang der Zugwege durch Südeuropa. Todesfalle sei insbesondere Zypern. Roland Tischbier weiß, dass dort während der Vogelzugzeiten „vorsichtig geschätzt bis zu 18.000 Leimruten in Büschen und Bäumen aufgebaut sind – und die laden verführerisch zum Rasten ein." Landen die von der Reise erschöpften Singvögel dort erst einmal, gebe es kein Entrinnen mehr. Mit jedem Flügelschlag werde der zähe Leim tiefer im Gefieder verteilt. So lange, bis die Vögel qualvoll sterben oder von einem Wilderer mittels eines durch den Schnabel ins Gehirn gestoßenen Zahnstochers getötet werden.

Auch Vogelstimmen-Anlagen und illegale Fangnetze locken die Vögel an. Horrende Summen erziele die Vogelmafia mit der illegalen, als Delikatesse verkauften Beute. Offiziell ist die Singvogelspeise Ambelopoulia verboten. In vielen Restaurants werde sie laut Tischbier dennoch angeboten – zu stolzen Preisen.

Dass mit den aggressiven Wilderern nicht zu spaßen ist, haben Roland Tischbier und sein Team schon oft hautnah erleben müssen. Sogar beschossen habe man sie, als sie Leimruten in öffentlichem Gelände abbauten. Deshalb sei immer Security dabei.

Tischbiers Stiftung deckt auf, dokumentiert und gibt die Erkenntnisse an die EU-Kommission weiter. Das zeigt Wirkung. Im Frühjahr gebe es mittlerweile fast keine Vogeljagd mehr auf Zypern, denn die Leimruten seien von den Wilderern nicht so einfach zu ersetzen.

Das ZDF zeigt am Donnerstag, 15. August, ab 22.35 Uhr eine Dokumentation zum Thema unter dem Titel „Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Vögel". Dazu gibt es bereits ab Mittwoch, 14. August, ein Webvideo in der ZDF-Mediathek.

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