Wikingertage ziehen im Archäologischen Freilichtmuseum viele Besucher an

Katrin Prignitz

  • 0
Ein paar Kinder aus Oerlinghausen schaffen es, die tapferen Wikinger zu bezwingen. Im Archäologischen Freilichtmuseum zeigen die Darsteller, welche Techniken und welche Materialien die Wikinger besaßen und verwendeten. - © Karin Prignitz
Ein paar Kinder aus Oerlinghausen schaffen es, die tapferen Wikinger zu bezwingen. Im Archäologischen Freilichtmuseum zeigen die Darsteller, welche Techniken und welche Materialien die Wikinger besaßen und verwendeten. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. „Die spinnen, die Wikinger." Nicht alle, versteht sich. Ute Marx allerdings in jedem Fall, denn die Living-History-Darstellerin kennt die Handgriffe, die für das Spinnen von Garn nötig sind, aus dem Effeff. Kopf- und Fußspindeln hatte sie am Wochenende in das Archäologische Freilichtmuseum (AFM) Oerlinghausen mitgebracht, um die alte Handwerkskunst zu zeigen. Vor allem die Geschichten aber waren es, die die Besucher staunen ließen.

Bei den bereits 24. Wikingertagen, die zu den größten dieser Art in Europa gehören, haben mehr als 70 Darsteller aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Polen und England auf dem Gelände des AFM ein unterhaltsames Programm geboten. Auf der Waldbühne gab es eine Kampfschau, der viele Besucher interessiert folgten. Florian Feithenheimer, der Mann mit dem Kettenhemd, zwei weitere Darsteller der „Heidruns-Mannen" aus Koblenz sowie Leif-Erik Marx demonstrierten Waffen und Kampfweisen der Wikinger mit Sachs, Axt, Speer, Schwert und Schild.

Das Interesse war groß, auch bei den Kindern. Emile war mit seiner Mutter Yvonne Samguinette und Oma Edith Ernst aus Bielefeld gekommen. Bereits im vergangenen Jahr war der Vierjährige den Aktionen an den Wikingertagen mit großem Interesse gefolgt. „Er ist so wissbegierig und wollte unbedingt wieder hierher", erzählte die Oma. Andere Kinder probierten da bereits den um das Jahr 950 datierten und dem Original nachempfundenen russischen Helm. Deutlich mehr als zehn Kilo wiegt er. „Da braucht man starke Nackenmuskeln", nahm eine Besucherin an.

Ohne Beute war die Scheidung besiegelt

Sich eine solchen Helm zu leisten, sei kaum möglich gewesen, berichtete Florian Feithenheimer. „Auch ein Kettenhemd war viel zu wertvoll." Tunika, Hose, Schild und Axt – so, wie Darsteller Arne Baldauf sie trage – sei die gängige Ausstattung gewesen. In einer Modenschau erfuhren die Besucher mehr über die Kleidung in der Wikingerzeit.

Für die jüngsten Besucher hatte Martje Hasselbach von „Beowulf" aus Schleswig spannende Geschichten von Göttern, Feuerriesen, Monstern und Trollen mitgebracht, „die sich die Wikinger erzählt haben". Die haben in der Zeit zwischen 800 und 1050 nach Christus gelebt. Viel über ihre Lebensweise war bei den Wikingertagen zu erleben. Zwei Schaffelle erstanden Dieter Franke und Marita Wesche. Beide sind geschichtsinteressiert und schätzen die authentischen Darstellungen im AFM. „Die Leute hier haben ein enormes Fachwissen und können es vermitteln."

Ute Marx etwa. Sie spinnt noch immer, denn früher, da sei es ganz einfach so gewesen: „Wer nicht gewebt hat, der hatte keine Klamotten." Insgesamt sei die Wikingergesellschaft sehr modern gewesen, erzählte die 58-Jährige. „Alles, was im Haus war, war das Revier der Frauen." Sie hätten beispielsweise die Schlüsselgewalt über die Truhe gehabt, in der die kostbaren Dinge wie Geld, Salz, Gewürze und Stoffe sicher verstaut waren. „Und sie konnten sich auch scheiden lassen", ergänzt Denise Bahr. Die Gründe dafür lassen die Besucher schmunzeln. Wenn der Mann nicht genug Essen von der Jagd mit nach Hause brachte, war die Trennung vom Weib praktisch schon besiegelt. Und noch etwas musste sich ein Wikinger möglichst verkneifen. „Er durfte nicht zu viel Brusthaar zeigen."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!