Mit Marke Eigenbau zum Weltmeistertitel

Gunter Held

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Die Modelle hat Johannes Zeuner alle selbst ersonnen und konstruiert. Sein erlernter Beruf als Modellbauer kommt ihm dabei zugute. In der Hand hält er die Goldmedaille der Weltmeisterschaften in Italien. - © Gunter Held
Die Modelle hat Johannes Zeuner alle selbst ersonnen und konstruiert. Sein erlernter Beruf als Modellbauer kommt ihm dabei zugute. In der Hand hält er die Goldmedaille der Weltmeisterschaften in Italien. (© Gunter Held)
Oerlinghausen. Johannes Zeuner ist Weltmeister. So schnell wie er war niemand sonst. Zeuners Passion ist der Modellboot-Sport. Und die Weltmeisterschaft wurde ausgetragen auf dem Lago Le Bandie bei Treviso.

„Ein wunderschöner See mit glas klarem Wasser", sagt Johannes Zeuner. Der Erfolg mit den Modellbooten stellte sich bei dem 27-Jährigen recht schnell ein. „Ich habe 2015 mit dem Modellboot-Fahren angefangen. Seitdem lässt es mich nicht mehr los." Was den gelernten Modell-und Formenbauer fasziniert, ist die Kombination von Technik und Naturgenuss. Die Gruppe der Wettkämpfer ist überschaubar – etwa 25 bis 30 Modellbaufreunde.

Nachdem er mit einem geliehenen Boot erste Erfahrungen gemacht hatte, setzte er sich recht schnell daran, ein eigenes Boot zu konstruieren. Das hat er in den Wintermonaten 2015/16 gemacht. Bei den Modellbooten gibt es unterschiedliche Bootstypen. Da sind die Monos– Boote mit nur einem Rumpf–, die Hydros, die drei Rümpfehaben und erheblich schneller sind als die Monos sowie die Ecos, die einen Unterwasserantrieb haben – aber die fährt er nicht. DieTypen sind dann noch einmal unterteilt in mehrere Klassen.So dürfen beispielsweise die Minis nicht länger als 45 Zentimeter sein, die Motorstärke – akkubetriebene Strommotoren – sind ein zusätzliches Unterscheidungsmerkmal.

Ausgetragen werden die Wettkämpfe auf Rundkursen. Die sind 75 Meter lang und 15 Meter breit. Die Fahrzeit beträgt generell sechs Minuten. In dieser Zeit müssen die Wettkampfteilnehmer so viele Runden wie möglich fahren.Und da die Boote leicht und die Motoren recht kraftvoll sind, werden hohe Geschwindigkeiten erreicht. Mit seinem Hydro 1, mit dem Johannes Zeuner Weltmeistergewordenist, erreicht er Geschwindigkeiten zwischen 85 und 95 Kilometer pro Stunde.

Mit diesen Geschwindigkeiten schaffte er bei der WM38 Runden. Im Training hat er auch schon die 39. Runde absolviert. „Aber das war schließlich nicht offiziell",sagter. Wenn man sich nun eine Geschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde auf dem Wasser vorstellt – und dann soll eine 180-Grad-Kurvegefahren werden. Wie wird da verhindert, dass die Boote aus der Kurve getragen werden? Wasser hat schließlich keine Balken.

„Dafür sind an den Rümpfen sogenannte Finnen angebracht. Das messerscharfe Stück Metall ragt ins Wasser hinein und hält das Boot auf Kurs." Durch die Geschwindigkeit und die messerscharfen Stabilisatoren und Ruder wird auch klar, dass die Boote keine Spielzeuge, sondern Sportgeräte sind. Und aus diesem Grund fahren die Modellboot-Sportler ihre Boote auch nicht dort, wo Schwimmer oder Vögel im Wasser sind. Allerdings sei es schwierig, geeignete Wasserflächen zum Trainieren zu finden, sagt Zeuner. In Ostwestfalen sei das fast unmöglich, weil infrage kommende Wasserflächen oft von Angelsportvereinen gepachtet worden seien. „Und die verbieten uns oft, mit unseren Booten dort zu fahren", erklärt Zeuner.

Deshalb fährt er nach Duisburg. Dort gibt es freie Wasserflächen. Im Training werden dann zehn bis 15 Kombinationen aus Finnen und Rudern ausprobiert, bis die Bootsführer meinen, das Richtige gefunden zu haben. „Die Feinabstimmung macht man aber tatsächlich erst bei den Wettkämpfen", sagt der Weltmeister. Sechs bis acht Rennen absolviert er pro Jahr. Und nachdem er in der Saison 2016 mit einem eigenen Modell gestartet ist, wurde er ein Jahr später gefragt, ob er bei den Deutschen Meisterschaften mitfahren möchte.Mit dieser Teilnahme qualifizierte sich Johannes Zeuner für die Weltmeisterschaft.

Weltmeister legt selbst Hand an

Seine Boote baut er nach wie vor komplett selbst. Nur die Akkus und der Motor werden hinzugekauft. Zunächst werden aus Vollplastik die Urmodelle für den Bootskörper und die beiden seitlichen Rümpfe gebaut. Mit deren Hilfe stellt er, ebenfalls aus Kunststoff, eine Form her. Dort hinein werden Kunststoffmatten gelegt und mit Hilfe der Urform in Form gepresst. Anschließend werden die Einzelteile verbunden und der Motor sowie die Technik im Innenraum verbaut. Vier bis gut fünf Monate Arbeit stecken in solch einem Boot. Den Wert kann Zeuner nur schlecht beziffern. „Es sind Materialien im Wert zwischen 300 und 400 Euro enthalten. Aber wenn man die gesamte Arbeitszeit mit einrechnet, dürfte der Wert eines Bootes, natürlich abhängig von der Größe, zwischen 1500 und 2000 Euro liegen",betontZeuner,um gleich hinzuzufügen: „Aber beim Hobby spielt die Zeit keine Rolle."

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