Ex-Profi und Fußballtrainer Ewald Lienen erzählt aus seiner Jugend

Knut Dinter

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Entertainer-Qualitäten: Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt Ewald Lienen, als er im Gespräch mit dem Sportjournalisten Roland Zorn humorvoll aus seinem bewegten Leben erzählt.  - © Knut Dinter
Entertainer-Qualitäten: Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt Ewald Lienen, als er im Gespräch mit dem Sportjournalisten Roland Zorn humorvoll aus seinem bewegten Leben erzählt.  (© Knut Dinter)

Oerlinghausen. Der Bart ist ab, die einstmals langen Haare sind deutlich kürzer und schütter geworden – und im Gegensatz zu früher gibt Ewald Lienen sogar jede Menge Autogramme. Seinen Freigeist und seinen Witz hat sich Ewald Lienen jedoch bewahrt. Das hat er auf Einladung der Buchhandlung Blume bei der Vorstellung seiner Autobiografie „Ich war schon immer ein Rebell" in der Aula des Niklas-Luhmann-Gymnasiums unter Beweis gestellt. Es wurde ein wahres Heimspiel.

„Ich glaube, der kennt wohl jeden hier", bemerkte einer der Gäste. Denn bevor Lienen die Bühne betrat, lief er durch die Zuschauerreihen, begrüßte hier einen alten Sportkameraden, dort einen ehemaligen Mitschüler und schoss jedes Mal ein Selfie. Viele waren gekommen, um die Fußball-Legende zu erleben, die im benachbarten Schloß Holte geboren wurde. Im Gespräch mit dem Journalisten Roland Zorn berichtete Lienen so manche Anekdote aus seinem Leben. Gelegentliche Spitzen blieben nicht aus. „Ich hatte früher zwei Hauptfeinde: Abwehrspieler und Sportjournalisten", flachste er.

Aus der Begegnung mit Zorn entstand eine Freundschaft, die Furcht vor gegnerischen Spielern ist bis heute geblieben. „Schon beim VfB Schloß Holte gab es Abwehrspieler, bei denen ich froh war, dass ich in unserer Mannschaft spielte", formulierte Lienen mit dem ihm eigenen Humor. Später bei Arminia Bielefeld und Borussia Mönchengladbach sei er immer wieder bevorzugt das Ziel von Attacken gewesen. Der schwärzeste Tag seiner aktiven Zeit war der 14. August 1981. Da griff ihn der Bremer Spieler Norbert Siegmann an und fügte ihm eine 25 Zentimeter lange Verletzung am Oberschenkel zu. Das Foul nahm Lienen zum Anlass, gegen die Brutalität und Rücksichtslosigkeit in der Bundesliga vorzugehen. Dass er juristisch nichts ausrichten konnte, empört ihn noch immer. „Ich habe letztlich meinen Oberschenkel auf dem Altar der Gerechtigkeit geopfert", meinte Lienen.

Doch er wusste auch viel Erheiterndes aus seinem Leben zu berichten, stets gewürzt mit Selbstironie. Seinen Hang zu Alleingängen kommentierte er mit den Worten: „Ich habe mir gesagt, die ersten beiden Tore schieße ich selber, abgeben kann ich dann immer noch." Ausführlich ging Lienen auf seine Kindheit und Jugend in der Grauthoff-Siedlung ein. Über seinen Bruder Bruno wusste er zu berichten: „Er war so groß wie eine Parkuhr, meinte aber, er müsste unbedingt ins Tor." Weil die Ballbehandlung nicht den allgemeinen Vorstellungen entsprach „ist er nur promovierter Historiker geworden". Vetter Heinz habe ihn an das Fußballspiel herangeführt. „Wir sind den ganzen Tag mit dem Ball rumgelaufen. Dribbeln war unser Lebenselixier." Dass er jemals für Geld spielen würde, kam ihm nicht in den Sinn, weil es nicht seinen Überzeugungen entsprach. Nach zahlreichen Stationen als Trainer ist der 65-Jährige heute Technischer Direktor beim FC St. Pauli, denn „hier werden Werte vertreten und gelebt, die auch meine Werte sind." Lienen beobachtet auch die heutige Szene aufmerksam. „Arminia Bielefeld ist ein gefühlter Erstligist", lautete seine Einschätzung. „Die Spieler haben viel Selbstvertrauen und spielen sehr kompakt." Eine erneute Karriere als Trainer? Wäre denkbar: „Mit 80 bin ich wieder da, und ich bin relativ sicher, dass ich die Deutsche Meisterschaft erringen werde."

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