Die Stromversorgung der Bergstadt wird modernisiert

Gunter Held

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Netzmeister Thomas Kächele hockt in der neuen Zuwegung, die die Stadtwerke zur Sandgrube Haßler bauen. Deutlich sind die Leerrohre zu sehen, die bereits eingebaut sind. Dort hinein werden Stromleitungen verlegt. - © Gunter Held
Netzmeister Thomas Kächele hockt in der neuen Zuwegung, die die Stadtwerke zur Sandgrube Haßler bauen. Deutlich sind die Leerrohre zu sehen, die bereits eingebaut sind. Dort hinein werden Stromleitungen verlegt. (© Gunter Held)

Oerlinghausen. Wen die Stadtwerke Oerlinghausen etwas anfangen, wird es gern ein bisschen größer als anderswo. Der Gas-Otto-Motor, der 1998 in der Südstadt installiert wurde, war damals der größte seiner Art in Deutschland. Das Holzheizkraftwerk, seit 2005 in Betrieb, war damals das sechste seiner Art, das in Deutschland in ans Netz ging – initiiert, vorangetrieben und verwirklicht vom damaligen Chef der Stadtwerke, Peter Blome. Investitionssumme damals: Vier Millionen Euro.

Der jetzige Geschäftsführer der Stadtwerke, Peter Synowski, setzt noch eins drauf: Für die strategische Neuausrichtung der Stromversorgung der Bergstadt investiert er zehn Millionen Euro.

Dazu müssen auch neue Leitungen gelegt werden, und die führen zum Teil durch den Wald und durch Gebiete des Naturschutzgroßprojektes. Das ist manchem Bürger ein Dorn im Auge. Proteste sind dabei wohlfeile Mittel. Doch in der vergangenen Woche wurden bei einem Bagger, der an dem Projekt beteiligt ist, die Scheiben eingeworfen. „So etwas geht natürlich gar nicht", sagt Synowski im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.

Peter Synowski, Geschäftsführer der Stadtwerke (l.) und Michael Beneker, Technischer Leiter Stadtwerke vor der Umspannanlage. Die Technik macht eine Investition von 2,4 Mio. Euro aus. - © Gunter Held
Peter Synowski, Geschäftsführer der Stadtwerke (l.) und Michael Beneker, Technischer Leiter Stadtwerke vor der Umspannanlage. Die Technik macht eine Investition von 2,4 Mio. Euro aus. (© Gunter Held)

Die Neuausrichtung war notwendig geworden, weil sich die klassische Energieversorgung verändert hat. „Noch vor zehn Jahren wurde der Strom überwiegend in großen Kraftwerken zentral erzeugt und verteilt. Heute wird Strom zunehmend dezentral erzeugt. In Oerlinghausen durch Blockheizkraftwerke", erklärt Synowski. Doch die Dezentralisierung der Energieerzeugung hat auch zur Folge, dass die Spannungsqualität im Netz deutlich schlechter wird.

Es ist laut und es ist leistungsfähig. Dies ist eines der vier neuen Blockheizkraftwerke, die den alten Gas-Otto-Motor ablösen. Es hat eine Leistung von einem Megawatt. - © Gunter Held
Es ist laut und es ist leistungsfähig. Dies ist eines der vier neuen Blockheizkraftwerke, die den alten Gas-Otto-Motor ablösen. Es hat eine Leistung von einem Megawatt. (© Gunter Held)

Das ändern die Stadtwerke jetzt. Der große Gas-Otto-Motor am Holzheizkraftwerk in der Südstadt ist ausgebaut worden, an seine Stelle sind vier Blockheizkraftwerke gerückt, die nach und nach in Betrieb genommen werden. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Holzheizkraftwerkes wird derzeit letzte Hand an das neue Umspannwerk gelegt. Von dort führen Leitungen durch den Wald und das Naturschutzgroßprojekt bis zum Umspannwerk in Helpup, von wo aus Oerlinghausen mit Strom versorgt wird.

»Der Wald ist für Leitungen nicht tabu«

Gleichzeitig mit den neuen Leitungen, die hinter dem Holzheizkraftwerk in die Sandgrube Haßler führen, wird eine neue Zufahrt in die Sandgrube angelegt. „Wir wollen damit einen Verkehr über das stadtwerkeeigene Gelände verhindern", sagt Synowski.

Die neue Zufahrt verläuft von der Straße „An der Bleiche" am Gelände der Stadtwerke entlang in die Sandgrube. Und schon in der Zufahrt liegen Rohrleitungen unter der Straße – im Moment noch leer. Doch dort hinein sollen die Stromleitungen eingebracht werden, die zum Umspannwerk nach Helpup führen. „Der Wald ist für das Verlegen von Leitungen nicht tabu", erklärt Netzmeister Thomas Kächele. Und Michael Benneker, technischer Leiter der Stadtwerke, ergänzt: „Das ist alles mit der Unteren Landschaftsbehörde abgesprochen." So werden auf 200 Quadratmetern parallel zur neuen Zuwegung Gehölze angepflanzt. Die neu erstellten Böschungen, etwa 780 Quadratmeter, werden naturnah gestaltet und die 700 Quadratmeter der ehemaligen Zuwegung werden durch die Anlage von Tümpeln und Mahd-gutauftrag ökologisch aufgewertet.

Der Gehölzverlust durch die Eingriffe wird von der Unteren Landschaftsbehörde nicht als relevant angesehen. Vielmehr entspräche die Entnahme von Gehölzen den Zielen des Naturschutzgroßprojektes Senne, dass eine Schaffung von offenen Landbereichen vorsieht. Daher werden sogar noch zusätzliche Rodungen vorgesehen, um trockene Grünland- und Heideflächen zu entwickeln. Ein Biologe der Unteren Landschaftsbehörde begleitet die Renaturierungen.

All diese Maßnahmen sind darin begründet, die Stromversorgung Oerlinghausens sicherzustellen und zukunftsfähig zu machen.

Die vier neu eingebauten Blockheizkraftwerke haben jeweils eine Leistung von einem Megawatt. Der ersetzte Gas-Otto-Motor hatte eine Leistung von 4,5 Megawatt. „Aber die Blockheizkraftwerke sind leichter zu betreiben und flexibler einzusetzen", sagt Peter Synowski. Insgesamt sind die neuen Anlagen auf eine Nutzungsdauer von 50 Jahren ausgelegt.

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