Daniel Lühr, Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes, steht vor einer Gruppe Fichten, die vom Borkenkäfer befallen ist. Etliche derBäume sind bereits abgestorben. Aufgeforstet wird in diesem Bereich mit Buchen. - © Gunter Held

Oerlinghausen
Der lippische Wald wird vorzeitig umgebaut

Daniel Lühr, Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes, steht vor einer Gruppe Fichten, die vom Borkenkäfer befallen ist. Etliche derBäume sind bereits abgestorben. Aufgeforstet wird in diesem Bereich mit Buchen. (© Gunter Held)

Oerlinghausen. Pläne funktionieren so lange wunderbar, bis das Leben dazwischen fährt. So geschehen ist es auf den Waldflächen des Naturschutzgroßprojektes Senne und Teutoburger Wald (NGP). Das umfasst eine Fläche von 1.800 Hektar (ha) und ist aufgeteilt auf fünf Kommunen. Auf Augustdorfer Gebiet entfallen 526 ha, Detmold ist mit 123 ha dabei, Lage ist mit 432 ha am NGP beteiligt, Oerlinghausen stellt mit 622 ha die größte Fläche zur Verfügung und Schloß Holte-Stukenbrock mit 94 ha die kleinste.

Die Elsbeere kann 25 Meter hoch werden. - © Gunter Held
Die Elsbeere kann 25 Meter hoch werden. (© Gunter Held)

Seit dem 1. Juni ist das NGP beim Kreis Lippe angesiedelt. Landrat Axel Lehmann und Daniel Telaar, Leiter der Naturschutzbehörde, informierten zusammen mit Projektleiter Daniel Lühr über die Situation des Waldes. Zwei große Schadensereignisse trafen den Wald in der jüngsten Zeit: der Orkan Friederike und die Borkenkäferplage, die in diesem Jahr wohl noch gravierender sein wird, als 2019. Der Orkan Friederike hatte am 18. Januar 2018 in den Wäldern gewütet und 1,4 Millionen Kubikmeter Holz umgelegt. Doch das war ein einmaliges Ereignis. Die Massenvermehrung des Borkenkäfers trat im gleichen Jahr auf und der von ihm verursachte Schaden setzt sich fort.

Daniel Lühr: „Der Borkenkäfer hat schätzungsweise einen drei- bis vierfachen so großen Schaden angerichtet wie Friederike." Im Herbst vergangenen Jahres sagte Johanna Ahlmeier, Fachgebietsleiterin für den Privat- und Kommunalwald im Regionalforstamt OWL, im Umweltausschuss, dass die Fichten in den Oerlinghauser Wäldern wohl nicht mehr zu retten seien.

Daniel Lühr hat ein Elsbeerenblatt auf die Hand genommen. Typisch sind die scharf gezackten Blattränder. - © Gunter Held
Daniel Lühr hat ein Elsbeerenblatt auf die Hand genommen. Typisch sind die scharf gezackten Blattränder. (© Gunter Held)

Landrat Axel Lehmann erklärt: „Es gab im Naturschutzgroßprojekt ausgedehnte Fichtenbestände. Die wollten wir nach und nach durch Laubbäume ersetzen. Geplant war dafür ein Zeitraum von 50 bis 80 Jahren. Jetzt hat uns die Natur den Zeitraum auf drei Jahre verkürzt."

Aufgeforstet werden soll hauptsächlich mit zwei Baumarten, der Eiche und der Buche. Die Eiche wird dabei eher im Bereich der Senne als ehemalige Kulturlandschaft eingesetzt, während die Buche eher an den Hängen des und Ausläufern des Teutoburger Waldes gepflanzt wird.

Die Elsbeere – kaum bekannt und doch so wertvoll

„Wir wollen das Naturschutzgroßprojekt im Geiste der vergangenen Jahre weiterführen", sagt Daniel Telaar. Angedacht gewesen sei ein sanfter Waldumbau. Zwar stünde die Regeneration der Natur- und Kulturlandschaften im Mittelpunkt, aber bei dem sanften Umbau spiele der wirtschaftliche Faktor durchaus eine Rolle. „Wir hatten mit Erlösen in Höhe von 20.000 Euro pro Jahr geplant", ergänzt Lehmann. Diese Planungen allerdings sind Makulatur. Der Markt für Holz ist komplett zusammengebrochen. Nahm der chinesische Markt im vergangenen Herbst noch Fichtenholz für 40 Euro pro Festmeter auf – bei Kosten in Höhe von 30 Euro nur für die Wiederaufforstung, sei jetzt auch dieser Markt dicht, sagte Daniel Lühr.

Wenn eine Buche so aussieht, dann hat sie Sonnenbrand. - © Gunter Held
Wenn eine Buche so aussieht, dann hat sie Sonnenbrand. (© Gunter Held)

Was dem Spaziergänger und der Wanderin auf den Oerlinghauser Flächen sofort unschön auffällt, sind die großen kahlgeschlagenen Flächen, besonders an den Wegrändern. „Das wird gemacht, um der Verkehrssicherungspflicht an den Wegen Rechnung zu tragen", sagt Lühr. In unzugänglichen Bereichen würden die abgestorbenen Fichten auch einfach stehen gelassen. „Für den Wald sind die Schadereignisse keine Katastrophe", ergänzt Daniel Telaar. „Der würde damit auch klarkommen, wenn man ihn ganz in Ruhe ließe."

Die erste Baumart, die auf den gerodeten Flächen wächst, ist die Birke. „Die kommt von ganz allein", sagt Lühr. Aktiv aufgeforstet werde sie nicht. Und auch die Douglasie wird nicht angepflanzt, weil sie ursprünglich nicht aus der Gegend kommt. Wohl aber die Elsbeere, eine seltene Laubbaumart mit wertvollem Holz und essbaren Beeren.

Der Landrat im Naturwald. Axel Lehmann (r.), lässt sich von Daniel Telaar die Eigenarten erklären. - © Gunter Held
Der Landrat im Naturwald. Axel Lehmann (r.), lässt sich von Daniel Telaar die Eigenarten erklären. (© Gunter Held)

Weiter oben im Bereich des Teuto haben sich Buchenwälder entwickelt, die vom NGP in Ruhe gelassen werden. Dort entwickelt sich der Naturwald so, wie es gewünscht ist: Ursprünglich und ohne menschlichen Eingriff.

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