LIP – das besondere Kirchcafé in Helpup

Gunter Held

  • 0
Kurz vor dem Wintereinbruch wurden noch letzte Sachen aus der unteren Etage des Pfarrhaus-Anbaus geräumt. Pfarrer Stefan Weise, Birgit Morgner vomm Kirchenvorstand und Arthur Rempel von der Kirche am Bahnhof stehen in den Startlöchern, um aus den Räumen etwas Besonderes zu machen. - © Gunter Held
Kurz vor dem Wintereinbruch wurden noch letzte Sachen aus der unteren Etage des Pfarrhaus-Anbaus geräumt. Pfarrer Stefan Weise, Birgit Morgner vomm Kirchenvorstand und Arthur Rempel von der Kirche am Bahnhof stehen in den Startlöchern, um aus den Räumen etwas Besonderes zu machen. (© Gunter Held)

Oerlinghausen. Manchmal entstehen aus Gesprächen am Straßenrand ganz und gar ungewöhnliche Sachen. So wie jetzt in Helpup. Vor einem Jahr hat die Buchhandlung „Lesegarten“, die im hinteren Teil des Pfarrhauses untergebracht ist, den Mietvertrag gekündigt. Nach Ablauf der Kündigungsfrist sind die Räume jetzt frei. Und da kommt Arthur Rempel ins Spiel. Er ist Mitglied der „Kirche am Bahnhof“, die aus der Mennoniten-Brüdergemeinde hervorgegangen ist. „Ich wollte etwas für Helpup und seine Bürger tun“, sagt er. Erst habe ihm ein mobiles Café vorgeschwebt, aber das ließ sich nicht umsetzen. Dann traf er Stefan Weise, Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche Helpup, und es entspann sich dieses Gespräch am Straßenrand. Weise berichtete ihm vom Auszug des „Lesegartens“ und schnell kamen die beiden auf die Idee „dort etwas für das Dorf“ einzurichten.

Das Café – ein Ort für Frieden und Begegnung

„Ich habe von einem Ort geträumt, an dem man alle Leute treffen kann“, sagt Rempel. Und Stefan Weise wollte einen Ort schaffen für Frieden und Begegnung. Mit etwas Ähnlichem hat Weise gute Erfahrungen gemacht. In den Sommerferien wurde der offene Treff „Mittendrin“ angeboten und von den Helpupern gut angenommen. Solch ein offenes Miteinander, in dem weder die Religion, noch die Herkunft oder Weltanschauung eine Rolle spielt – das wollten beide. „Ich war gleich von dem wunderschönen Gebäude und dem schönen Flair begeistert. Und dann ließen sie ihren Ideen freien Lauf, holten aber noch Birgit Morgner vom Kirchenvorstand dazu.

Zwischen der Helpuper Kirche und den Nebengebäuden pfeift ständig der Wind hindurch. Um es den Gästen des zukünftigen LIP-Cafés gemütlich zu machen, wird diese Windschneise dichtgemacht. - © Gunter Held
Zwischen der Helpuper Kirche und den Nebengebäuden pfeift ständig der Wind hindurch. Um es den Gästen des zukünftigen LIP-Cafés gemütlich zu machen, wird diese Windschneise dichtgemacht. (© Gunter Held)

Schnell stand fest: Ein Café mit Biergarten sollte entstehen. Aber so begeistert Weise und Rempel von ihren eigenen Ideen auch waren. Von Anfang an stand ebenso fest: „Wir wollen der örtlichen Gastronomie, beispielsweise dem Café Herzblut, auf keinen Fall Konkurrenz machen“, sagt Stefan Weise. Und so stehen im LIP-Café eher die Kommunikation und der Blick über die Dunstglocke des eigenen Tellerrandes im Zentrum des Interesses.

Und woher kommt der Name? Vom Autokennzeichen? Arthur Rempel grinst. „Ich habe ein bisschen im Internet herumgesucht und bin auf eine amerikanische Gruppe gestoßen, die sich Live in peace – LIP – nennt. Die hatten sich mit der Beileidsformel Rest in peace – Ruhe in Frieden – auseinandergesetzt. Sie argumentierten, dass das zwar ein schöner Wunsch sei, dass man den Lebenden aber doch eher ein Lebe in Frieden wünschen solle.“ Dieser Wunsch beschreibe sehr gut den Geist, der in dem Café herrschen soll. „Und dass die Abkürzung dann noch identisch mit unserem Autokennzeichen ist, ist doch auch nicht schlecht“, sagt Rempel.

Das Café soll zwar professionell von der Gastronomin Annette Voth betrieben werden, sich aber nicht allein auf Kaffee, Kuchen und frisch Gezapftes beschränken. „Wir wollen auch kulinarische Events anbieten“, sagt Stefan Weise. Ihm schwebt zum Beispiel ein Candlelight-Dinner für Ehepaare vor. Was und von wem dann solch ein sicherlich anspruchsvolles Essen dann zubereitet werde, müsse man entscheiden, wenn die Pläne konkret werden. Um die Voraussetzungen für aufwendige Gerichte zu schaffen, wird eine Küche eingebaut, die professionellen Ansprüchen genügt.

Rempel bringt die Abende ins Spiel, die man von Kirchenseite her kennt: Männerabende und Frauenabende. Aber die sollen eben etwas anders sein als gewohnt. Nicht nur im Hinblick auf die Corona-Situation „muss man neu denken“. Und deshalb soll es auch keinen Männergesprächskreis geben, sondern einen Kickerabend mit saftigen Burgern. „Die mache ich“, sagt Rempel. „Der Friedensgedanke ist zwar ein biblischer, aber er ist nicht nur von der Kirche besetzt“, sagt Weise. Wenn man zusammen esse, ließen sich viele Themen, auch kontroverse, viel besser besprechen. Zwei- bis dreimal im Monat soll es solch einen kulinarischen Abend geben. „Gern auch mit internationalen Themen“, sagt Rempel und fügt hinzu: „Ich komme aus Russland und meine Mama kocht den besten Borschtsch der Welt.“

Anziehungspunkt soll ein überdachter Biergarten sein

Das Café soll auch von der Gemeinde mit Leben und Ideen gefüllt werden. Da sind Vorträge ebenso willkommen wie Kleinkunst. Und als Besuchermagneten stellen sich die Organisatoren den Biergarten vor. 50 bis 60 überdachte Plätze soll er bieten. Doch Voraussetzung dafür und deshalb eine Maßnahme mit hoher Priorität, ist das Schließen der Windschneise zwischen Kirche und Nebengebäude, „damit die Gäste nicht weggeweht werden“. Mit dieser Außengastronomie habe man auch ein wunderbares Ambiente für Sektempfänge nach Trauungen.

„Der Kirchenvorstand steht einhellig hinter dem Projekt“, sagt Birgit Morgner. Die Räume sind leer und Ehrenamtliche haben bereits angefangen, die Fliesen aus der Küche herauszureißen. Und da es mit der Verwirklichung seines Traumes so gut geklappt hat, hat Arthur Rempel sich ein weiteres Traumziel gesetzt: Pfingsten soll das Café LIP eröffnet werden.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare