Die munteren Forellen vom Oerlinghauser „Müller 17 Junior“

Karin Prignitz

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Hans-Joachim Müller (73) sitzt mit der Pfeife neben einem der Fischteiche und genießt die entspannte Atmosphäre. - © Karin Prignitz
Hans-Joachim Müller (73) sitzt mit der Pfeife neben einem der Fischteiche und genießt die entspannte Atmosphäre. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Hans-Joachim Müller zündet die Pfeife an, setzt sich, begleitet von einem zufriedenen Seufzer, auf einen kleinen Hocker und genießt. „Auf die Teiche zu gucken, das ist für mich die pure Entspannung“, beschreibt der 73-Jährige die Zeit, in der er zur Ruhe kommt und seinem Hobby nachgehen kann, das er ganzjährig betreibt. Umwälzanlagen lassen das Wasser sprudeln. In der Luft liegt der leichte Geruch der Fische, die munter im Wasser ihre Runden ziehen.

Der Forellenzuchtbetrieb „Hirschquellen“ von Wolfgang Lindhorst-Emme an der Flugplatzstraße in Stukenbrock ist seit Ende Juni Geschichte. Längst nicht so groß, aber mit ebenso viel Liebe betrieben, gibt es in Oerlinghausen eine wesentlich kleinere Anlage – die von Hobbyzüchter Hans-Joachim Müller.

Die Anfänge liegen fast 70 Jahre zurück

Die Anfänge liegen fast 70 Jahre zurück. „1952 ist die Anlage vom Gut Niederbarkhausen erworben worden“, erzählt Hans-Joachim Müller vom sogenannten Lastenausgleich, denn seine Großeltern und Eltern kamen aus Schlesien. „1954 haben wir eine Wasserleitung bekommen.“ Wohl auch deshalb, weil ganz in der Nähe die Siedlung entstand.

In diesem überdachten Betonbecken schwimmen kleine Goldforellen. Die Wassertemperatur beträgt 10,5 Grad. - © Karin Prignitz
In diesem überdachten Betonbecken schwimmen kleine Goldforellen. Die Wassertemperatur beträgt 10,5 Grad. (© Karin Prignitz)

„Sieben Kötter gab es damals, die mit Schwengel und Eimern Wasser aus der Quelle geholt haben“, erinnert sich Müller an eine längst vergangene Zeit. Sein Vater Walter, im Volksmund genannt „Müller 17“, hatte die Idee, auf dem Grundstück Teiche auszuheben und Forellen hineinzusetzen. Insgesamt sechs Teiche entstanden. Walter Müller betrieb sie, bis er krank wurde.

„Zwischen 1968 und 1972 ist nichts passiert“, erinnert sich Hans-Joachim Müller an die Zeit des Stillstands. Als sein Vater 1972 starb, übernahm er die Anlage mit Zucht und Pflege. Für ihn eine Selbstverständlichkeit, „denn ich war ja schon als Kind dabei“. Er holte die Motorsäge heraus, machte rund um die Teiche „klar Schiff“ und entschied sich, selber zu züchten.

„Von Wolfgang Lindhorst-Emme habe ich abgestreifte Regenbogenforellen bekommen“, erzählt der 73-Jährige. „Das war der Neustart von Müller 17 Junior.“ 24 Jahre jung war er damals. „Mittlerweile haben wir Goldforellen, Tigerforellen, Bachforellen, Regenbogenforellen und Bachsaiblinge.“ In den Teichen schwimmen sie, die Goldforellenbrut in überdachten großen Betonbehältern.

Die Rinnen, in die die Brutkästen kommen, stehen derzeit leer. „Start ist im Spätherbst“, erläutert der Bergstädter. Auch die Brutkästen, in denen die Eier gelagert werden, kommen dann zum Einsatz. „Neun Wochen in den Brutkästen, dann in das 10,5 Grad kalte Wasser in den Betonringen“, so ist die Reihenfolge.

Auch Waschbären müssen abgehalten werden

Weil Reiher, Eisvogel und Schwarzdrossel leckere Nahrung wittern und ohne Bedenken zuschnappen würden, hat Hans-Joachim Müller mit Hilfe seines Sohnes Carsten Netze über die Teiche gespannt. Abgehalten werden müssen auch Waschbären, die vom Wasser angezogen werden. In einer kleinen Nebenhütte wachsen und gedeihen im großen Betonbecken die Bachsaiblinge. Hans-Joachim Müller weiß, dass sie zu den edelsten Fischen gehören und es sie bevorzugt in Bayern gibt. „Wir haben Zuchttiere, können selber abstreifen“, bedient sich Müller der Fachsprache.

39 Jahre lang war er Maschinenführer bei der Firma Gundlach. Schon zu dieser Zeit widmete er sich in seiner Freizeit den Forellen, die aus der Familie der Lachsfische stammen. Und wenn er es einmal nicht mehr tun kann, dann steht mit Sohn Carsten bereits ein Nachfolger parat.

In kleinen Mengen ist ein Privatverkauf am Wellenbruch möglich, Informationen dazu hat Carsten Müller, Tel. (0 52 02) 99 66 91, und leitet Anfragen weiter.

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