Marco Weiß kontrolliert 3.000 Oerlinghauser Bäume

Gunter Held

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Mit einem spitzen Stahlspieß sticht Baumpfleger Marco Weiß in auffällige Stellen am Fuß des Baumes. Dringt die Spitze leicht ein, besteht die Gefahr, dass sich dort Pilze vermehrt haben, die den Baum schädigen könnten. - © Gunter Held
Mit einem spitzen Stahlspieß sticht Baumpfleger Marco Weiß in auffällige Stellen am Fuß des Baumes. Dringt die Spitze leicht ein, besteht die Gefahr, dass sich dort Pilze vermehrt haben, die den Baum schädigen könnten. (© Gunter Held)

Oerlinghausen. In der Bergstadt stehen knapp 3.000 Bäume, die der Kommune gehören. Natürlich gibt es in Oerlinghausen weit mehr Bäume, aber die stehen dann auf privatem Grund und Boden. Die städtischen Bäume jedenfalls müssen regelmäßig auf ihre Verkehrssicherheit untersucht werden. Schließlich käme die Verwaltung in Teufels Küche, wenn ein Ast abbricht und einen ahnungslosen Spaziergänger verletzt. Also kommt einmal im Jahr Marco Weiß nach Oerlinghausen. Er ist Gärtnermeister, vor allem aber Baumpfleger und Sachverständiger für Baumpflege. Der 46-Jährige hat seinen Betrieb in Hövelhof.

Seit mehr als zehn Jahren kümmert er sich um die Bäume der Bergstadt – und am Anfang stand die Baumzählung. Akribisch wurde jeder Baum in Karten eingetragen und nummeriert. Ergebnis war ein Baumkataster, das ständig aktualisiert wird und auf das Weiß noch immer zurückgreift. Als Weiß vor Jahren seine Ausbildung zum Gärtner begann, bekam er mit Bäumen zu tun – und war begeistert. Baumpfleger – das ist kein Ausbildungsberuf im üblichen Sinn. Wer das werden will, muss eine abgeschlossene Ausbildung in einem grünen Beruf haben und kann sich dann weiterbilden.

Bäume können sich auch selbst heilen. Hier deutet Marco Weiß auf einen verheilten Riss. - © Gunter Held
Bäume können sich auch selbst heilen. Hier deutet Marco Weiß auf einen verheilten Riss. (© Gunter Held)

Wichtiges Werkzeug ist der Hammer

Die Bäume der Bergstadt werden von Marco Weiß mal im belaubten und mal im unbelaubten Zustand betrachtet. „Zunächst wird immer eine Sichtkontrolle vom Boden aus gemacht. Schon dabei kann man viel erkennen“, sagt Weiß. Dieses Erkennen von Verletzungen oder Erkrankungen ist aber nicht allein dem Baumpfleger überlassen. Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung, Landschaftsbau hat Richtlinien erarbeitet, an denen sich Baumpfleger entlanghangeln können.

Wichtiges Werkzeug für Marco Weiß ist ein Hammer mit unterschiedlich harten Kunststoffköpfen und ein etwa 50 Zentimeter langer Spieß. Mit dem Hammer wird der Stamm abgeklopft. Am Geräusch erkennt Weiß, ob es hohle Stellen gibt. Der Spieß kommt am Fuß des Baumes zum Einsatz. Dort, wo der Baum in die Grasnarbe übergeht, können leicht Verletzungen entstehen. Und weil es dort unten meistens feucht ist, fühlen sich Pilze wohl – und die können den Baum nachhaltig schädigen. Aber dort, wo solche Schäden beginnen, wird die Rinde weich und Marco Weiß kann mit dem Spieß leicht hineinstechen.

Wenn er Auffälligkeiten entdeckt, und das in 80 Prozent der Fälle von unten möglich, klettert er den Baum hoch und untersucht schadhafte Stellen aus der Nähe. Wenn sich seine erste Einschätzung bestätigt, gibt er der Stadt Handlungsempfehlungen.

„Wir versuchen, den Baum möglichst zu erhalten“, sagt er. Da gibt es Sicherungssysteme für Kronen, die entweder statisch oder dynamisch sind. Bei statischem Schutz werden Verschraubungen und Stahlseile eingesetzt. Da wackelt am Ende nichts mehr. Es kann aber auch sinnvoll sein, dem Baum noch Bewegungsmöglichkeiten zu lassen. „Wenn ein Baum wackelt, baut er Holz auf, das sogenannte Reaktionsholz“, erklärt Weiß. Das passiert nicht innerhalb von Wochen, nicht einmal innerhalb von Monaten. Bäume brauchen Jahre, um sich selbst zu helfen.

Das ist auch bei Beschädigungen so. „Diese Beschädigungen machen sich oft erst nach zehn oder zwanzig Jahren bemerkbar“, sagt Weiß. Damit das gar nicht erst passiert, wacht er über die Bäume Oerlinghausens.

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