Führungswechsel bei den Oerlinghauser Stadtwerken

Knut Dinter

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Bislang verlief die Zusammenarbeit bereits reibungslos, der Wechsel in der Geschäftsführung wird vorbereitet. Darum kümmern sich technischer Leiter Michael Benneker (v. l.), kaufmännischer Leiter Hans-Jürgen Paul, Aufsichtsratsvorsitzender Bartolt Haase und Geschäftsführer Peter Synowski. - © Knut Dinter
Bislang verlief die Zusammenarbeit bereits reibungslos, der Wechsel in der Geschäftsführung wird vorbereitet. Darum kümmern sich technischer Leiter Michael Benneker (v. l.), kaufmännischer Leiter Hans-Jürgen Paul, Aufsichtsratsvorsitzender Bartolt Haase und Geschäftsführer Peter Synowski. (© Knut Dinter)

Oerlinghausen. Am 1. April 2023 wird Peter Synowski, Geschäftsführer der Stadtwerke Oerlinghausen GmbH, regulär in den Ruhestand wechseln. Bereits ein Jahr vorher steht der Nachfolger fest. Die Stelle wird Michael Benneker besetzen; er ist seit zwei Jahren Technischer Leiter im Unternehmen und bereits mit allen wichtigen Abläufen vertraut.

Diese interne Lösung sei naheliegend gewesen und von allen Gremien begrüßt worden, sagt Bartolt Haase, Vorsitzender des Aufsichtsrates, beim Pressegespräch. „Ich bin froh und dankbar, dass wir frühzeitig die Nachfolge geregelt haben. Das ist keineswegs selbstverständlich, beweist aber, wie stabil das Unternehmen dasteht.“

Seit zwei Jahren bei den Stadtwerken tätig

Der 39-jährige Benneker bringt eine umfangreiche Berufserfahrung mit. Nach seiner Ausbildung als Elektrotechniker legte er die Meisterprüfung ab und begann ein vierjähriges Studium. Als Projektingenieur bei den Stadtwerken in Münster und als Abteilungsleiter bei den Stadtwerken Bad Salzuflen lernte er die Geschäftsfelder von kommunalen Energieversorgungsunternehmen kennen. In Oerlinghausen hat er sich während der vergangenen zwei Jahre in die umfangreichen Sparten, Netze und Erzeugungsanlagen eingearbeitet.

Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Stadtwerke sowie der Rat der Stadt sprachen sich daher für Benneker aus. Zuvor hatte eine Personalagentur seine Fachkompetenz und seine Führungsqualitäten geprüft, wie Haase berichtet. Der neue Geschäftsführer wurde zum 1. Januar 2023 bestellt. In einer dreimonatigen Übergangszeit werden dann beide Geschäftsführer das Unternehmen noch gemeinsam leiten, um die Kontinuität zu gewährleisten.

"Gewaltige Veränderungen im Energiemarkt"

Der Wechsel erfolge in einer Zeit mit „gewaltigen Veränderungen im Energiemarkt“, sagt Synowski. „Wir müssen neue Ideen für Wärmekonzepte entwickeln.“ Hier wollen die Stadtwerke die politischen Vorgaben vorzeitig erfüllen und bereits bis 2035 die Wärmeversorgung komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Benneker wird allerdings mit zahlreichen Unwägbarkeiten konfrontiert. So ist unklar, wie lange und zu welchem Preis noch Gas zur Verfügung steht und welche marktfähigen Lösungen sich stattdessen anbieten. „Die Frage der Klimaneutralität wird uns sehr herausfordern“, meint Synowski.

Ferner hat sich der neue Geschäftsführer vorgenommen, die Digitalisierung voranzutreiben. „Das erfordert viel Aufwand, aber die junge Generation erwartet einfach, dass die Abläufe digital bearbeitet werden“, sagt er. Darüber hinaus muss er auch die Zukunft der 50 Beschäftigten im Blick behalten. „30 Prozent von ihnen wird in den nächsten acht Jahren in den Ruhestand gehen“, sagt er. Aber bereits jetzt sei es schwer, offene Stellen zu besetzen.

Aktuell werden ein Elektriker und ein Fachangestellter für die Bäderbetriebe gesucht. Benneker möchte die Stadtwerke als einen attraktiven Arbeitgeber profilieren. „An Wertschätzung liegt mir sehr viel“, sagte er. „Es muss deutlich werden, dass jeder einzelne Mitarbeiter wichtig ist.“

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Stadtwerke kündigen Preiserhöhungen für Gas und Wärme an

„Versorgungssicherheit war und bleibt unser wichtigstes Ziel“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Synowski. Vordringliche Aufgaben seien die Umstellung auf CO2-freie Brennstoffe sowie die Sanierung der Leitungsnetze. Die Entwicklung auf dem Energiemarkt werde sich auch auf die Haushalte in Oerlinghauser auswirken. „Der Aufsichtsrat hat beschlossen, dass wir den Gaspreis sehr moderat anheben werden“, kündigt Synowski an. Zu Beginn der Heizperiode soll der Preis für Gas und Wärme um 1 Cent netto erhöht werden. Dies gelte jedoch nur unter der Bedingung, dass die Beschaffungskosten gleich bleiben. Andernfalls sei eine weitere Anpassung erforderlich. „Das Risiko können wir nicht einpreisen“, sagt der kaufmännische Leiter Hans-Jürgen Paul. Aufsichtsratvorsitzender Bartolt Haase: „Wir können nur auf Sicht fahren. Die Preisentwicklung ist ein Thema bei jeder unserer Sitzungen.“

Jährlich beziehen die Stadtwerke 130 Megawatt Erdgas. Davon wird nur ein kleiner Teil an private und gewerbliche Kunden abgegeben. „80 Megawatt verbrauchen wir in unserem Kraftwerk selbst“, erläutert Paul. Im Unterschied zu größeren Energieversorgern sei die Zahl der Oerlinghauser Kunden überschaubar. Nur wenige hätten den Anbieter gewechselt, so dass für die Rückkehrer jetzt kein zusätzliches Gas zu aktuell hohen Preisen eingekauft werden müsse.

Der Bundestag hat beschlossen, zum 1. Juli die EEG-Umlage beim Strom abzuschaffen. „Diese Einsparung wird vollständig an unsere Kunden weitergegeben“, versichert Synowski. „Wir haben auch nicht vor, die Preissenkung nach wenigen Monaten wieder zurückzunehmen.“ Die Stadtwerke produzieren den Strom selbst und haben dafür fünf neue Blockheizkraftwerke errichtet.

Auf dem Stadtwerke-Gelände „An der Bleiche“ wurde zudem ein neues Umspannwerk gebaut. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagt der Technische Leiter Michael Benneker. „Noch vor den Sommerferien wollen wir Spannung draufgeben, im Herbst sollen die beiden modernen Transformatoren in Betrieb gehen.“

Durch die Elektro-Fahrzeuge wird vermehrt Strom benötigt. Die Stadtwerke wollen weitere öffentliche Ladesäulen aufstellen, um die Grundversorgung in allen Stadtteilen zu gewährleisten. An der Rathausstraße soll auch schnelles Laden möglich sein. Ein kommunales Versorgungsunternehmen zu besitzen, sei in jedem Fall von Vorteil, sagt Synowski. Klimaschutz und die Entwicklung der Stadt könnten besser beeinflusst werden. „Nicht zuletzt fördern die hier gezahlten Steuern und Abgaben die Prosperität der Stadt.“ (din)

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