Aufarbeitung der NS-Zeit

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Die Ausstelung im Bürgerhaus fand regen Anklang. - © Manuela Outiti
Die Ausstelung im Bürgerhaus fand regen Anklang. (© Manuela Outiti)

Oerlinghausen. Zahlreiche NS-Reliquien waren bis Sonntag, 4. Dezember, im Bürgerhaus in Oerlinghausen zu sehen. Darunter auch das Schild einer Ausgabestelle für Ausrüstung und Abzeichen mit deutlich erkennbaren Einschüssen, das 2010 bei Bauarbeiten in Oerlinghausen gefunden worden war.

Im Oktober 2021 überzeugte der Projektträger Christian Stüber von der Freiwilligen Feuerwehr aus Helpup, dass es wichtig ist zu hinterfragen, "wie ein Unrechtssystem des Nationalsozialismus in Oerlinghausen - bis hin zur Deportation funktionieren konnte", heißt es dazu in einer Mitteilung. Bis dahin sei noch nicht klar gewesen, dass sich so viele Bürger beteiligen würden und eine Ausstellung organisiert werden könnte.

Dies sei Teil eines bundesweiten Projekts gewesen und wurde wissenschaftlich von der Universität Gießen begleitet. „Nur wenige Bürger hätten je persönlich die Geschichte des Nationalsozialismus in der eigenen Gemeinde erforscht,“ erklärte der Historiker Clemens Tangerding von der Gießener Hochschule. Darum sei ein Vorhaben, das partizipativ mit den Bürgern entwickelt und umgesetzt werde besonders wichtig.

Starke Netzwerke der Heimatvereine

Von den zehn Kommunen, die an dem bundesweiten Programm teilgenommen haben, war Oerlinghausen die einzige und erste Kommune in Nordrhein-Westfahlen, die eine Ausstellung präsentierte. Noch nie sei eine Gruppe zum Aufarbeiten der NS-Geschichte so groß wie in Oerlinghausen gewesen - mit so viel Material und so großem Interesse. Nicht nur aufwendig entworfene Stellwände und unzählige Ausstellungsstücke, sondern auch eine Hörstation von Zeitzeugen oder eine aktive Beteiligungsmöglichkeit zum stark umstrittenen Kriegerdenkmal Oerlinghausen sind realisiert worden. Man habe profitiert von den starken Netzwerken von gleich drei Heimatvereinen.

"Der wichtigste Impuls dieser Netzwerke war die gemeinsame Kooperation sowie der Austausch von Geben und Nehmen." Der Lippische Heimatbund Oerlinghausen mit seiner hohen Expertise und einem bestehenden Netzwerk von Zeitzeugen sorgte mit Horst Biere in der Ausstellung für die Zusammenfassung der historischen Texte auf den Stellwänden. Konrad Soppa vom Lippischen Heimatbund Lage, der seit Jahren an der Oerlinghauser Geschichte des Flughafens arbeitet, stellte seine Expertise sowie Ausstellungsstücke der historischen Fliegergeschichte zur Verfügung.

Manuela Outiti von der Heimatwerkstatt Lipperreihe setzte sich dafür ein, dass die Diskursergebnisse aus der Arbeitsgruppe "Das Dritte Reich und wir" aktiv durch Besuche in Archiven und einem zweitägigen Workshop im ehemaligen Zwangsarbeiterlager Stalag 326 in kreativer und künstlerischer Art und Weise umgesetzt wurden. "Es ist so viel Material zusammengekommen, dass maximal fünf Prozent davon gezeigt werden können und durch diese Ausstellung sichtbar wird, wie wichtig eine weitere Aufarbeitung ist", zeigen sich die Organisatoren überzeugt. Die Oerlinghauser stünden nun vor der Entscheidung, was sie und wie sie "mit diesem historischen Schatz jetzt machen und umgehen".

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