Oerlinghauserin hilft getrennt lebenden Vätern, ihre Kinder zu sehen

Godela Baldewein bietet Übernachtungsmöglichkeit

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Godela Baldeweins Gästezimmer können Mütter oder Väter nutzen. - © Foto: Prignitz
Godela Baldeweins Gästezimmer können Mütter oder Väter nutzen. (© Foto: Prignitz)

Oerlinghausen (kap). "Mein Vater muss immer im Auto schlafen, wenn er mich besuchen kommt. Kannst du da nicht was machen?" Seit diesem Gespräch mit einem Schüler kümmert sich Annette Habert darum, dass Eltern und Kinder sich nach Trennungen trotz weiter Entfernungen und knapper Mittel sehen können. Godela Baldewein hilft dabei.

Die Oerlinghauserin gehört zu denen, die im Rahmen des Projekts "Mein Papa kommt" kostenlos ein Zimmer zur Verfügung stellen. Die Münchener Grundschulpädagogin Habert hatte es im Jahr 2008 initiiert. Das Projekt unterstützt insbesondere von ihren Söhnen und Töchtern getrennt lebende und von Armut betroffene Väter und Mütter. Denn wenn der Vater in Hamburg, die Mutter in München wohnt und das Geld zum Reisen knapp ist, dann bleibt oft kaum noch etwas für die Übernachtung übrig.

Bei Godela Baldewein steht das Zimmer, in dem früher ihre Tochter lebte, schon viele Jahre leer und wird ohnehin als Gästezimmer genutzt. "Sie lebt inzwischen in Stuttgart und hat dort von der Initiative erfahren", erzählt die 72-jährige Südstädterin. "Sinnvoll und nützlich" findet sie das "gut organisierte Projekt", auf das jüngst auch die Lippische Landeskirche aufmerksam machte.

Es gehe doch vor allem um die Kinder, sagt Godela Baldewein. "Eine Trennung ist immer mit Kummer verbunden." Christen seien deshalb aufgerufen zu helfen. "Es gibt so viele Dinge, die man ohne Geld tun kann." Viele Menschen hätten sicherlich den Platz und die Zeit. "Es geht es ja nur darum, ein Quartier für den Elternteil zu stellen", nicht darum, dass sich Eltern und Kinder in dem Raum aufhalten. "Von hier aus können Väter oder Mütter dann etwas gemeinsam mit den Kindern unternehmen."

"Inzwischen haben wir mehr als 225 Eltern, die über uns vermittelt werden", informiert  Jobst Münderlein von der Sozialinitiative, die das Kernprojekt der "Flechtwerk 2+1 gGmbH" ist. "Auch die Gastgeberzahl wächst. Derzeit sind es knapp 500." Nicht nur Väter melden sich. "Wir haben zusehends mehr Mütter, die fragen, ob wir sie vermitteln können."

Gastgeber sind nach Auskunft von Münderlein über das gesamte Bundesgebiet verstreut, einige aber auch in Südtirol, in der Schweiz und Luxemburg. "Familie macht nicht vor Grenzen Halt", betont er. Jüngst sei sogar ein Vater aus Brasilien angereist, der sein Kind dank der Initiative einmal im Jahr in Bonn besuche. Ein Vater komme aus Palästina. "Wir hatten sogar schon eine Anfrage, ob wir Gastgeber in New York haben."

www.mein-papa-kommt.info

Information
Gastgeber gesucht

Bundesweit werden dringend neue Gastgeber für das Projekt gesucht. Neben dem Kernprojekt bietet die Evangelische Fachstelle für alleinerziehende Frauen und Männer in München seit dem Sommer 2011 einen ersten "Spiel-Raum" für besuchende Eltern und ihre Kinder an, der auch von "Mein Papa kommt" genutzt werden kann. Die Oerlinghauserin Godela Baldewein zeigt sich sicher, dass sich Ähnliches auch in Oerlinghausen verwirklichen ließe. Ergänzend bietet die Initiative den alleinerziehenden Eltern Angebote der familienbezogenen Erwachsenenbildung, der schulischen Elternarbeit sowie der Begleitung von Lebensübergängen an.

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