60 Jahre Müllerburg: Ein Stück Oerlinghauser Kurgeschichte

Karin Prignitz

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Das Organisationsteam: Anke Schmitt von der Sozialen Betreuung, Hauswirtschaftsleiterin Janina Ozimek, Sachbearbeiterin Julia Surrey und die Leiterin der Müllerburg, Ute Plass (v. l.) mit Stellwänden und altem Geschirr vor der Müllerburg. - © Karin Prignitz
Das Organisationsteam: Anke Schmitt von der Sozialen Betreuung, Hauswirtschaftsleiterin Janina Ozimek, Sachbearbeiterin Julia Surrey und die Leiterin der Müllerburg, Ute Plass (v. l.) mit Stellwänden und altem Geschirr vor der Müllerburg. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Damen, die entspannt nebeneinandersitzen und ihre Beine in große Eimer mit ordentlich kaltem Wasser tauchen – so und ähnlich haben sie ausgesehen, die Anwendungen im „Frauen-Kneippkurheim Oerlinghausen". Zur Linderung und Heilung wurden außerdem Gymnastik-, Luft- und Liegekuren angeboten. Eine Kur in der „Müllerburg" bedeute in den „Unrasten des Arbeitslebens" die „Ferne allen aufdringlichen Ablenkungsbetriebs".

Sechs Jahrzehnte ist das nun her – seitdem hat sich die Müllerburg zu etwas völlig anderem gewandelt. Am heutigen Samstag, 8. September, feiert das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Kalderberg ab 15 Uhr seinen 60. Geburtstag.

Auf Stellwänden wird ein Teil der wechselvollen Geschichte in Bild und Text nachzuvollziehen sein, denn die Müllerburg hat sich von der Direktoren-Villa über ein Frauen-Altenheim und Mütter-Kurheim zum Seniorenzentrum entwickelt. 1891 erwarb Bruno Müller, Schwiegersohn des Textilunternehmers Carl David Weber, das Gelände am Kalderberg, um dort die „Villa Müller" zu errichten. Nach einem Umbau zehn Jahre später erhielt es einen burgähnlichen Charakter – und hieß fortan „Müllerburg".

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Das Jubiläumsprogramm

Nach der Begrüßung um 15 Uhr gibt es um 15.30 und 16.30 Uhr Führungen durch Haus und Garten. Um 16 Uhr zeigen Bewohner einen Sitztanz. Um 16.20 Uhr tritt die AWO-Tanzgruppe auf. Um 17 Uhr beginnt eine Modenschau. Ab 17.30 Uhr ist das Grillbüfett eröffnet. Harald Kießlich unterhält die Besucher mit Schlagern der 50er und 60er Jahre. Für zauberhafte Unterhaltung wird Magier Björn Schütz sorgen.

1955 erwarb die Arbeiterwohlfahrt das Gebäude mit dem rund 20.000 Quadratmeter großen Park. Am 1. Oktober 1958 wurde der Neubau und Vorläufer des heutigen Seniorenzentrums in Betrieb genommen. Aufgeteilt war er in ein Frauen-Altenheim mit 52 Plätzen und ein Kurheim des Müttergenesungswerkes mit ebenfalls 52 Plätzen plus 13 Kurplätzen in der alten Müllerburg. Schriftlichen Aufzeichnungen zufolge war das neue „Haus Müllerburg" für damalige Verhältnisse sehr modern ausgestattet. „Nur alleinstehende weibliche Personen wurden aufgenommen", so die heutige Leiterin Ute Plass.

Kneippen: Die Beine in kaltes Wasser, so haben sich die Damen, die zur Kur gekommen sind, seinerzeit erholt. - © Karin Prignitz
Kneippen: Die Beine in kaltes Wasser, so haben sich die Damen, die zur Kur gekommen sind, seinerzeit erholt. (© Karin Prignitz)

Der Lebensstandard stieg, und mit ihm die Ansprüche der Altenheimbesucher und Kurgäste. Die Belegung ließ nach. Ende 1973 wurde das Mütterkurheim geschlossen. Damit endete auch die Nutzung der alten Müllerburg, in der mittlerweile Eigentumswohnungen entstanden sind. Von 1973 bis zur 1980 soll dort noch eine Außenwohngruppe der einstigen Klinik am Hellweg für suchtkranke Männer untergebracht gewesen sein. Das „Haus Müllerburg" wurde bis 1975 ausschließlich als Frauen-Altenheim genutzt.

Erst nach der Schließung des „Kiffe-Stiftes" der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde wurden auch die dort lebenden acht Männer aufgenommen. Anfang der 80er Jahre wurde das Heim umgebaut und modernisiert. Doch neue gesetzliche Auflagen und nicht zuletzt der bauliche Zustand des Gebäudes machten eine umfassende Sanierung notwendig. „Von 2010 bis 2012 ist das gesamte Haus in zwei Bauabschnitten kernsaniert worden", erzählt Ute Plass. Im Mai 2012 war Eröffnung, im September alles wieder voll belegt.

Spannend sei es gewesen, in den Archiven zu stöbern und die Geschichte noch einmal nachvollziehen zu können, sagen Ute Plass und Sachbearbeiterin Julia Surrey. Gemeinsam mit Hauswirtschaftsleiterin Janina Ozimek und Anke Schmitt von der Sozialen Betreuung haben sie die Jubiläumsfeier organisiert, die heute im Rahmen des Sommerfestes stattfindet.

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