Burg Schwalenberg: Stadt wartet auf Besitzerwechsel, um das Gelände pflegen zu können

Einst war der Blick in jede Richtung frei

Manfred Brinkmeier

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Es gibt Fragezeichen: Noch ist das Pflegekonzept der Biologischen Station Lippe aus dem Jahre 2006 für den Schwalenberger Burgberg nicht in Gänze umgesetzt. Es gibt zwar schon einige Maßnahmen, die betreffen allerdingsaufgrund der Besitzverhältnisse nur den städtischen Teil. 
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Es gibt Fragezeichen: Noch ist das Pflegekonzept der Biologischen Station Lippe aus dem Jahre 2006 für den Schwalenberger Burgberg nicht in Gänze umgesetzt. Es gibt zwar schon einige Maßnahmen, die betreffen allerdingsaufgrund der Besitzverhältnisse nur den städtischen Teil. (© Biologische Station Lippe)
Siegfried Götting: Nur im Winter kann er die Burg sehen. 
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Siegfried Götting: Nur im Winter kann er die Burg sehen. (© Manfred Brinkmeier)

Schieder-Schwalenberg. Die Verhandlungen zum Verkauf der Burg Schwalenberg sind ins Stocken geraten, da der Interessent aus den Niederlanden abgesprungen ist. Wer auch immer die große Anlage übernehmen wird, findet im Vertrag den Passus, dass er mit Pflegemaßnahmen seitens der Stadt einverstanden sein muss.

Ein entsprechendes Konzept dazu gibt es bereits. Es ist im November 2006 durch die Biologische Station Lippe im Auftrag der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe - auf Anregung der Stadt - erstellt worden. Anlass waren damals Klagen von Anwohnern über Schattenwurf und einen gestörten Satellitenempfang, jeweils durch hohe Bäume verursacht. Matthias Füller, Leiter der Biologischen Station: "Wenn man sich historische Aufnahmen von 1907 anschaut, sieht man, dass der Burgberg damals völlig frei war. Das lag daran, dass Schwalenberger ihre Schafe und Ziegen auf die Flächen gebracht haben."

Karl-Heinz Strüber: Hat dank einer Schneise Fernsehempfang. 
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Karl-Heinz Strüber: Hat dank einer Schneise Fernsehempfang. (© Manfred Brinkmeier)

Wie überall in Lippe sei die Beweidung dann aber in den 1950er Jahren aufgegeben worden. Schon damals habe es bereits eine Zweiteilung des Geländes gegeben. Das werde sehr schön auf einer Aufnahme von 1930 sichtbar. "Da hat in der Mitte des Burgberges eine Hecke das Areal deutlich sichtbar abgetrennt. Oberhalb hatte sich ein Garten befunden, der aufgegeben worden war. Dadurch waren bereits deutlich Verbuschungstendenzen zu erkennen."

Die Frage, die sich nach 2000 gestellt habe, sei gewesen, wohin der Zug zukünftig fahren sollte. Der Diplom-Biologe: "Das Rad ganz zurück zu drehen, wäre aber unsinnig gewesen. Denn dadurch wären wertvolle Waldgesellschaften, die es mittlerweile auf der Südseite gibt, zerstört worden. Deshalb gab es den Vorschlag, bis zur Hecke an der West- und Nordseite wieder alles freizustellen. Das hatte auch etwas mit den Besitzverhältnissen zu tun, weil der Bereich unterhalb der Hecke städtisch ist."

Teile des damaligen Konzeptes von 2006 seien inzwischen auch umgesetzt worden. Matthias Füller: "Im oberen Bereich gibt es Niederwald, wobei die Bäume zunehmend höher werden. Abwärts erfolgt wieder die historische Beweidung - jetzt allerdings mit Schafen und Ziegen der Biologischen Station. Naturgemäß wird die Umwandlung des Waldes in stabilen Bodenbewuchs allerdings geraume Zeit dauern, trotz des Einsatzes der Tiere."

Es müsse somit ständig nachgepflegt werden, was an der Westseite sehr schön zu sehen sei. Die dortige Pflege sei aufgrund des steilen Geländes jedoch nicht gerade einfach und erfolge durch Euwatec-Mitarbeiter. Auf der Westseite gäbe es ein paar Eiben, die umgattert seien. Matthias Füller: "Das haben wir gemacht, um unsere Tiere vor den giftigen Eiben zu schützen."Die übrigen Flächen seien ebenfalls von Zäunen umgeben.

Enttäuschung über den Stillstand wächst - Anwohner der Neuen Torstraße wollen die hohen Bäume auf der Spitze des Burgberges nicht auf Dauer hinnehmen

Schieder-Schwalenberg. Anwohner der Neuen Torstraße auf der Nordseite des Burgberges sind enttäuscht. Sie bedauern den Stillstand bei der Pflege des obersten Teils des Burgberges - dort, wo die hohen Bäume stehen. Und die beeinträchtigen ihr Leben, wie sie gegenüber der LZ erklärten. Einer von ihnen ist Herman Wöhning, der sich dafür ausspricht, dass "dort oben endlich mal abgeholzt wird." Seiner Meinung nach hätte schon längst etwas geschehen müssen, damit die Burg als prägendes Gebäude wieder von weither sichtbar sei. "Immerhin wird sie jetzt wieder beleuchtet. Das ist immerhin schon etwas." Da sein Haus höher liege, habe er zum Glück keine Einschränkungen beim Fernsehempfang. Karl-Heinz Strüber wohnt etwas niedriger und hatte lange Zeit keinen Fernsehempfang. "Das ist besser geworden, seitdem es neben der Burg eine Schneise gibt. Genau darauf habe ich meine Antenne ausgerichtet. Andere haben es da weitaus schlimmer. Die haben ganz hohe Antennen auf ihren Dächern. Nachbarn haben dann Leitungen dorthin gelegt, um überhaupt Fernsehen zu können. Die hohen Antennen biegen und verdrehen sich allerdings bei starken Stürmen, was dann keinen Empfang mehr zulässt." Von Mitte September bis Mitte März finde die Sonne im östlichen Teil der Neuen Torstraße quasi gar nicht statt. Wir können sie in dieser Zeit höchstens am späten Nachmittag mal sehen - und das auch nur ganz kurz." Genau wie Karl-Heinz Strüber hat auch Siegfried Götting um 2000 herum in einer Bürgerinitiative dafür gesorgt, dass im westlichen Bereich der Burg beim "Grafenblick" Bäume gefällt wurden, wegen des Fernsehempfangs und um die Sonne zu sehen. Nach wie vor pflege der Heimat- und Verkehrsverein Schwalenberg den dortigen Bereich. "Für uns sind die Wanderwege und der Grafenblick wichtig." Bürgermeister Jörg Bierwirth: "Wenn die Burg kurzfristig keinen neuen Besitzer bekommt, müssen wir sehen, dass wir zu einer Regelung kommen. Es ist schließlich politischer Wunsch, dass wir auch den oberen Teil des Burgberges regelmäßig pflegen."

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