Lesen im Buch der Landschaft

veröffentlicht

  • 0
Stefan Wilkening - © Bianca Faltermeyer
Stefan Wilkening (© Bianca Faltermeyer)

Schieder-Schwalenberg. „Schauplatz Landschaft: Der Landschaft zuhören – die Landschaft zur Sprache bringen", heißt es am kommenden Wochenende, 20. und 21. November. Dann lädt das Europäische Laboratorium zum „Lesen im Buch der Landschaft" nach Schwalenberg ein. Alte und ganz neue Texte treffen aufeinander, gelesen von Corinna Harfouch, Barbara Nüsse, Stefan Wilkening und den renommierten Schriftstellerinnen Nora Bossong, Marion Poschmann sowie Levin Westermann.

„Die Judenbuche" ist wohl das bekannteste Werk von Annette von Droste-Hülshoff, es führt in die ärmliche bäuerliche Welt im „gebirgichten Westfalen". Not und Rachsucht verursachen Mord und Totschlag. Die preisgekrönte Charakterschauspielerin Corinna Harfouch nimmt die Besucher am Samstag um 19 mit ins Masterholz und in das Dorf B.

Marion Poschmann - © DPA
Marion Poschmann (© DPA)

Marion Poschmann hat sich, wie die anderen Schriftsteller auch, im Sommer mehrere Tage zu Recherchen in Schwalenberg aufgehalten. Sie fragt in ihrem Text „Nachkriegswald", wie der Wald während und nach dem Krieg den Menschen Holz und Nahrung gab, und ob es bis heute davon Zeichen zu entdecken gibt. Sie ist eine genaue Beobachterin von Räumen und Landschaften und hat dafür zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

ARCHIV - Die deutsche Schauspielerin Corinna Harfouch, aufgenommen am 14.02.2012 in Berlin. Foto: Tim Brakemeier/dpa (zu dpa "Harfouch: Unter DDR-Filmen ´unfassbar viel Schrottª" vom 21.09.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ - © Tim Brakemeier
ARCHIV - Die deutsche Schauspielerin Corinna Harfouch, aufgenommen am 14.02.2012 in Berlin. Foto: Tim Brakemeier/dpa (zu dpa "Harfouch: Unter DDR-Filmen ´unfassbar viel Schrottª" vom 21.09.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ (© Tim Brakemeier)

Die Schwalenberger Quellen und ein Mondkrater

Barbara Nüsse führt die Zuhörer am Sonntag um 11 Uhr lesend zur Burg Schwalenberg mit dem Roman „Die Hassenburg" von Peter Hille. Er ist auf dem Gut Holzhausen im Kreis Höxter aufgewachsen und war Förderer und Freund von Else Lasker-Schüler. Mit großer Empathie schrieb er über Landschaften und ihre Bewohner.

Nora Bossong - © Peter-Andreas Hassiepen / Hanserhassiepen
Nora Bossong (© Peter-Andreas Hassiepen / Hanserhassiepen)

Der Schweizer Schriftsteller Levin Westermann hat sich bei seinem Schwalenberger Aufenthalt intensiv mit der Geologie und dem Gewässerreichtum der Gegend beschäftigt. Man kann gespannt sein, wie er in seinem Text „Jezero" die Schwalenberger Quellen mit dem Marskrater verbindet. Er erhielt er den Schweizer Literaturpreis 2021 und bewegt sich in Geschichtslandschaften, die er sprachlich vermisst und in hoher Präzision erkundet.

Barbara Nusse - © Brinkhoff/Mögenburg, Hamburg
Barbara Nusse (© Brinkhoff/Mögenburg, Hamburg)

Ab 15 Uhr liest Stefan Wilkening einen der mutigsten Texte aus zutiefst unmenschlicher Zeit – die Streitschrift des Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld „Cautio Criminalis", die vom Kloster Falkenhagen aus heimlich zum Druck geschmuggelt wurde. Spee fordert darin das Ende der Hexenverfolgung im 16. Jahrhundert. Stefan Wilkening gehört zu den prägenden Stimmen in zahlreichen Hörbuchproduktionen, im Fernsehen und Theater.

Autoren durchstreifen die Wälder

Gerechtigkeit, Verantwortung, Herrschaft sind Aspekte des aufgeklärten Schreibens von Nora Bossong. Landschaft ist ein unsicheres und verunsicherndes Terrain. Die mit vielen wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnete Autorin ist den schon überwucherten Spuren des ehemaligen NATO-Standortes auf dem Mörth nachgegangen, herausgekommen ist der Text „Unter dem Radar".

Die Lesungen bilden den Abschluss von „Schauplatz Landschaft", einem vielfach geförderten Projekt des Europäischen Laboratoriums, bei dem gefragt wurde, welche Spuren Geschichte, gesellschaftlicher Wandel und Bearbeitung in einer Landschaft hinterlassen haben. Die eingeladenen Schriftsteller legen Arbeiten vor, die ihre heutige Wahrnehmung der Landschaft zeigen. Dabei konnten sie Berichte nutzen, die von Heimatvereinen, Stadtarchivaren, dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt oder Heimatland Lippe gegeben wurden. Im Sommer hielten sie sich in Schwalenberg auf, durchstreiften allein und mit ortskundigen Experten die Wälder.

Wegen der veränderten Corona-Lage bitten die Veranstalter alle Besucher, einen aktuellen negativen Test mitzubringen oder in Schwalenberg vor der Lesung am Werkhaus einen kostenfreien Schnelltest durchzuführen.

Das Projekt wird gefördert von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung – Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Lippe-Impuls – Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe, sowie aus dem Programm Neustart Kultur sowie „Und seitab liegt die Stadt" – eine Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Literarischen Colloquiums Berlin. Die Veranstaltung findet statt im Werkhaus, Marktstraße 19, in Schwalenberg. Eintritt Einzelveranstaltung 15 Euro (10 Euro ermäßigt), Tageskarte Sonntag 25 Euro (20 Euro ermäßigt).

Information
Bis einschließlich 18 Jahre ist der Eintritt frei. Reservierung per E-Mail an reservierung@eu-lab.de und unter Tel. (05284) 9439473.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare