Lippes erster Bahnhof wird 150

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Das Schiederaner Bahnhofsgebäude in den 1950er Jahren. Seit seiner Indienststellung 1872 hatte sich bis dahin nur wenig verändert. - © Sammlung Konrad Soppa
Das Schiederaner Bahnhofsgebäude in den 1950er Jahren. Seit seiner Indienststellung 1872 hatte sich bis dahin nur wenig verändert. (© Sammlung Konrad Soppa)

Schieder-Schwalenberg. Die Einweihung des Bahnhofes Schieder jährt sich am 1. Oktober zum 150. Mal. Das nimmt die Stadt zum Anlass, an diesem Tag zu einem großen Familienfest in den Schlosspark einzuladen. Die Eisenbahnfreunde Lippe erinnern mit einer öffentlichen Führung an dieses denkwürdige Ereignis, dessen Bedeutung weit über die damalige Bauerschaft Schieder hinausging.

Um 11 Uhr startet am Samstag, 1. Oktober, das bunte Programm mit Kinderschminken, Spiel- und Bastelaktionen, einem Seifenblasenkünstler, einer Hüpfburg, einer Schokokussweitwurfmaschine und dem AWO-Spielmobil. Die Feuerwehr ist mit einem Löschfahrzeug vor Ort und erklärt spielerisch ihre Arbeit. Exklusiv wird an diesem Tag auch die städtische Bücherei öffnen. Während des gesamten Festes fährt eine „Bimmelbahn“ die historische Strecke zwischen Schieder und Glashütte in Teilen ab. Ein Höhepunkt: um 14 Uhr versteigert die Deutsche Bahn auf der Freitreppe des Schlosses Schieder Fundsachen, von skurril bis kostbar. Und auch für Speisen und Getränke ist gesorgt..

Mit der Bahnstation Schieder bekam das damalige Fürstentum Lippe nämlich seinen ersten Eisenbahnanschluss. Handel und Bevölkerung in Lippe verbanden große Hoffnungen mit dem Anschluss des kleinen Fürstentums an das deutsche Eisenbahnnetz. Ausgebildete Gästeführer der Eisenbahnfreunde Lippe rufen das Jubiläum in Erinnerung und gehen der Frage nach, welche Auswirkungen die Bahn auf Lippe hatte.

Ein für ganz Lippe wichtiges Ereignis

„Die Geschichte der Eisenbahn ist in Schieder erstaunlich präsent“, weiß Konrad Soppa von den Eisenbahnfreunden. Zusammen mit dem Schiederaner Heimatforscher Wolfgang Fiedler hatte Soppa bereits zum 135-jährigen Bestehen des Bahnhofs eine reich bebilderte Festschrift herausgebracht. „Das Heft wurde uns förmlich aus der Hand gerissen, wir mussten nachdrucken“, erinnert sich Soppa. Jetzt gibt es wieder ein Jubiläum, diesmal wird mit einer Führung an das für ganz Lippe wichtige Ereignis erinnert.

Mit der Eisenbahn seien große Hoffnungen verbunden gewesen. Lippe sei land- und forstwirtschaftlich geprägt gewesen. „Während in Bielefeld und Herford industrielle Zentren entstanden, ging die Entwicklung an Lippe vorbei. Auf Suche nach Arbeit verließen jedes Frühjahr tausende Männer ihre lippische Heimat, um erst im Herbst zurückzukehren. Schnell spezialisierten sie sich auf das Zieglerhandwerk. Mit der Bahn fuhren die Ziegler bis in den Frankfurter Raum, aber auch bis nach Norddeutschland und vielfach noch weit darüber hinaus“, erklärt Soppa die Hintergründe.

Auch Blomberg hat profitiert

Einweihung des Bahnhofs Blomberg im Sommer 1897 in Anwesenheit des lippischen Fürstenhauses Sammlung Soppa - © Sammlung Konrad Soppa
Einweihung des Bahnhofs Blomberg im Sommer 1897 in Anwesenheit des lippischen Fürstenhauses Sammlung Soppa (© Sammlung Konrad Soppa)

Die Eisenbahn habe auch Einfluss auf die Ansiedlung von Gewerbebetrieben in der Nähe der Bahnstrecken gehabt. Das habe auch für Schieder gegolten, wenngleich nicht in dem Umfang wie in anderen Städten des Fürstentums. Aber nicht nur für Schieder selbst habe sich die Eisenbahn im Laufe der Zeit als Segen erwiesen, auch Blomberg habe davon profitiert, weiß Soppa. 1897 sei es den Blomberger Stadtvätern nach jahrelangen Bemühungen gelungen, einen Anschluss an den Bahnhof Schieder zu bekommen.

Die Eisenbahnfreunde Lippe erinnern mit einer öffentlichen Führung an dieses für ganz Lippe wichtige Jubiläum. Neben einem Überblick über den Bau der Strecke gewähren die Referenten auch Einblicke in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Lippes an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Sie findet am Samstag, 1. Oktober, ab 14 Uhr statt, Treffpunkt ist der Parkplatz am Bahnhof Schieder.

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