Höxteraner Folterpaar soll mehrere Jahre in Schlangen gelebt haben

Patrick Bockwinkel

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Fassungslos: Die mutmaßlichen Täter, die eine Frau in Bosseborn gequält und misshandelt haben sollen, waren jahrelang Stammkunden im Schlänger Imbiss. Die Betreiber, Farhad Khanloo und seine Frau Parwane Samie Pour, sind entsetzt. - © Patrick Bockwinkel
Fassungslos: Die mutmaßlichen Täter, die eine Frau in Bosseborn gequält und misshandelt haben sollen, waren jahrelang Stammkunden im Schlänger Imbiss. Die Betreiber, Farhad Khanloo und seine Frau Parwane Samie Pour, sind entsetzt. (© Patrick Bockwinkel)

Schlangen. Die Gewalttat in Bossenborn im Kreis Höxter zieht weitere Kreise. Wie jetzt bekannt wurde, haben die mutmaßlichen Täter offenbar mehrere Jahre in der Gemeinde Schlangen im Kreis Lippe gelebt. Einwohner schildern, dass sie sich als Geschwister und nicht als Ehepaar ausgegeben haben.

Der 46-jährige Wilfried W. und seine 47-jährige Exfrau Angelika sollen eine 41-jährige Frau so schwer misshandelt und gequält haben, dass das Opfer später an den Verletzungen im Krankenhaus starb. "Ich bin einfach nur entstetzt", sagt Farhad Khanloo, der zusammen mit seiner Frau Parwane Samie Pour den Schlänger Imbiss an der Paderborner Straße betreibt. Dort seien die in Untersuchungshaft sitzenden mutmaßlichen Täter Stammkunden gewesen. Dass beide verheiratet gewesen sein sollen, habe bei Parwane Samie Pour und ihrem Mann, die aus dem Iran stammen, große Verwunderung ausgelöst. "Uns gegenüber haben sie sich immer als Geschwister ausgegeben", erzählt Parwane Samie Pour.

Der Mann sei eher schüchtern und zurückhaltend, aber immer freundlich gewesen. Seine vermeintliche Schwester habe hingegen einen "eher seltsamen" Eindruck gemacht. Anfangs sei Wilfried W. immer alleine in den Imbiss gekommen. Erst später sei er oft von Angelika W. begleitet worden. "Sie hat uns häufig gefragt, ob wir nicht in der Bekanntschaft oder in der Verwandtschaft eine Frau für ihren Bruder kennen würden", erzählt Parwane Samie Pour. Irgendwann habe sie dann eher beiläufig erwähnt, dass ihre im Iran lebende Nichte noch keinen Mann habe, obwohl sie schon über 30 Jahre alt sei.

"Daraufhin wurden wir immer wieder gefragt, ob die Nichte nicht mal zum Kennenlernen nach Deutschland kommen könne", erzählt Parwane Samie Pour. Die Nachfragen seien in der Regel von Angelika W. ausgegangen. "Sie war die treibende Kraft. Wir haben dann immer gesagt, dass meine Nichte nicht herkommen könnte, weil sie kein Visum für Deutschland bekommt und ja auch die Sprache nicht spricht", sagt Parwane Samie Pour: "Im Nachhinein bin ich darüber sehr sehr froh."

Die Namen der angeblichen Geschwister hätten die beiden Imbissbetreiber zunächst nicht gekannt. Erst später, als Parwane Samie Pour eine Freundschaftsanfrage auf Facebook angenommen habe, habe sie auch den Namen von Angelika W. erfahren. "Das habe ich nur gemacht, weil sie eine Stammkundin war. Sonst hatten wir nichts mit ihnen zu tun. Wir wussten nur, dass sie irgendwo an der Schützenstraße wohnen", sagt Parwane Samie Pour.

Zuvor sollen die mutmaßlichen Täter in einem Haus an der Oberen Straße zur Miete gelebt haben. "Hier sind sie aber ausgezogen, nachdem ich das Haus gekauft hatte und Eigenbedarf angemeldet hatte", berichtet der heutige Eigentümer. Zehn Jahre sei das inzwischen her. Er habe nur gewusst, dass beide anschließend an die Schützenstraße gezogen seien. "Die waren schon irgendwie komisch", erinnert sich der heutige Besitzer, der Wilfired und Angelika W. aber im Laufe der Jahre vergessen hatte. Erst als deren mutmaßliche Tat in den Medien öffentlich wurde, habe er sie wiedererkannt. "Dass jemand zu so etwas fähig ist, ist unfassbar", sagt der Besitzer.

Nachdem die Beschuldigten vor fünf Jahren nach Bosseborn gezogen waren, hätten sie den Schlänger Imbiss dennoch ab und zu besucht und sich etwas zu Essen geholt. "Sie haben aber nie mehr als zwei Potionen mitgenommen", erinnert sich Parwane Samie Pour. Meist hätten sie eine Ziegeunerwurst und ein Zigeunerschnitzel bestellt. Zuletzt sei Angelika W. Ende Februar im Imbiss gewesen. Einen anderen Eindruck als sonst habe sie nicht gemacht. "Wir haben schon viele unserer Kunden gefragt, ob sie etwas über die beiden wüssten oder sie kennen würden. Aber keiner konnte bislang etwas über sie erzählen", erzählt Parwane Samie Pour: "Wie wir sind hier alle fassungslos und geschockt."

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