Die Gauseköte ist am Dienstagmittag wieder für den Verkehr freigegeben worden. - © Jannik Stodiek/Montage: LZ

Kreis Lippe
Gauseköte ist wieder frei

Die Gauseköte ist am Dienstagmittag wieder für den Verkehr freigegeben worden. (© Jannik Stodiek/Montage: LZ)

Schlangen/Detmold-Berlebeck. Nach fast zwei Jahren war es am Dienstagmittag soweit: Landrat Dr. Axel Lehmann und Andreas Meyer, Niederlassungsleiter vom Landesbetrieb Straßen.NRW haben die Absperrung zur Seite geräumt. Die Gauseköte ist wieder offen, ab sofort kann der Verkehr dort wieder fließen.

Nach fünf monatiger Bauzeit konnte die Landesstraße deutlich früher wieder freigegeben werden, als ursprünglich angekündigt. „Wir sind von einer Fertigstellung im Frühjahr 2021 ausgegangen", wird Andreas Meyer in einer Pressemitteilung des Landesbetriebs zitiert. „Wenn in Lippe der Winter ausbricht, dann als erstes auf der Gauseköte. Ein Wintereinbruch hätte eine womöglich lange Unterbrechung der Bauarbeiten zur Folge gehabt."

Tempolimit soll Menschen und Wildtiere schützen

Alle vier äußerten sich zufrieden darüber, dass die kürzeste Verbindung zwischen beiden Orten wieder zur Verfügung steht, was vor allem Berufspendler freuen dürfte – sofern nicht Schnee und Eis eine Sperrung erfordern. „Die Berlebecker werden sich jetzt wieder an bis zu 4000 durchfahrende Autos täglich gewöhnen müssen", meinte Hilker. „Diese Straße hat uns alle intensiv bewegt, es gab viele Anfragen und viel Resonanz auf das Bauvorhaben", sagte Meyer rückblickend. Die Gauseköte Anfang 2019 wegen drohenden Hangabrutsches zu sperren, halte er nach wie vor für richtig: „Wenn sich 20.000 Kubikmeter Sand in Bewegung setzen, ist die Straße weg." Mit der Abflachung des Hangs von 42 auf 24 Grad Neigung sei diese Gefahr gebannt.

Dass die Bauarbeiten vor dem Winter fertig wurden, habe zum einen am guten Bauwetter, zum anderen an der guten Arbeit der Baufirma, aber auch an der gründlichen Planung zur Bauweise gelegen. Für viele habe diese Phase viel zu lange gedauert, die kurze Bauzeit bestätige aber das Vorgehen. „Wir freuen uns, dass diese so wichtige Verkehrsader nun wieder zur Verfügung steht", heißt es in der Mitteilung von Landrat Axel Dr. Lehmann, „die Gauseköte ist insbesondere für die Anbindung Schlangens an Detmold von großer Bedeutung. Mit dem Tempolimit wollen wir Menschen und Wildtiere bestmöglich schützen, damit die Freude über die Wiedereröffnung nicht gleich wieder durch Wildunfälle getrübt wird."

Marcus Püster (Bürgermeister Schlangen), Andreas Meyer (Niederlassungsleiter Straßen.NRW), Frank Hilker (Bürgermeister Detmold) und Landrat Dr. Axel Lehmann räumen die Absperrungen beiseite. - © Dieter Asbrock
Marcus Püster (Bürgermeister Schlangen), Andreas Meyer (Niederlassungsleiter Straßen.NRW), Frank Hilker (Bürgermeister Detmold) und Landrat Dr. Axel Lehmann räumen die Absperrungen beiseite. (© Dieter Asbrock)

Da die Gauseköte für einen längeren Zeitraum voll gesperrt war, habe sich in dieser Zeit das Verhalten des Wildbestandes verändert. Verkehrsteilnehmer müssen künftig sowohl mit Tieren auf der Fahrbahn als auch mit erhöhtem Wildwechsel rechnen. Um die Sicherheit des Wildes und des Straßenverkehrs zu gewährleisten, gilt für die gesamte Strecke in beiden Fahrtrichtungen ab sofort Tempo 50 und ein Überholverbot. Dies gilt insbesondere auf der neuen Fahrbahn, da neue Fahrbahnen zunächst noch nicht die notwendige Griffigkeit haben und bei höheren Geschwindigkeiten eine Rutschgefahr besteht.

Diese Einschränkungen gelten für eine Übergangszeit. In regelmäßigen Abständen wird mit Experten die Situation neu bewertet, um die angeordneten Maßnahmen anzupassen. Große Warntafeln weisen auf die Vorschriften hin.

Gauseköte bleibt Thema

Das Areal rund um die Gauseköte wird in nächster Zeit aber wohl ein Diskussionsthema bleiben. Mit einem spektakulären Plan will Stephan Prinz zur Lippe dem Klimawandel entgegentreten, neue Einnahmequellen für den Unterhalt seines Schlosses erschließen und gleichzeitig seine riesigen verödeten Waldflächen im Teutoburger Wald nutzen: Der Detmolder plant, rechts und links der Gauseköte 13 Windkraftanlagen bauen zu lassen und will dafür die Flächen an das Unternehmen Westfalenwind verpachten.

Sie sollen zunächst etwa 25 Jahre stehen bleiben, dann müsste – nach einem „Repowering" - eine neue Baugenehmigung beantragt werden. Parallel will Prinz zur Lippe für den vom Borkenkäfer vernichteten Wald neuen Laubwald anpflanzen. Er wirbt eindringlich für das Projekt. Strom könne an den Hanglagen mit Wind aus Westen effizient produziert werden und würde Jahr für Jahr umgerechnet 50 Jahre lang 55.000 Haushalte versorgen.

Die erste Chaussee in Lippe

Sie war die erste Landeschaussee, die in Lippe gebaut wurde. 1806 in Auftrag gegeben, ist die Straße über die Gauseköte fünf Jahre später fertiggestellt worden. Seit 208 Jahren dient sie als Verbindungsstraße zwischen Schlangen und Detmold-Berlebeck. Weshalb ist die Gauseköte von so wichtiger Bedeutung? Fürstin Pauline hatte den Bau der Straße 1806 beschlossen. Mit besonderem Stellenwert, denn es sollte die erste Landeschaussee in Lippe werden. Erst zwei Jahre nach der Fertigstellung folgte 1813 der Startschuss für den Bau einer Chaussee von Horn zu den Externsteinen. Das Ausbauen dieser ersten Chausseen fand unter schwierigen Verhältnissen statt. Fürstin Pauline ließ für die notwendige Bodenbefestigung auch Steine der nicht mehr bewohnten und allmählich verfallenden Falkenburg anfahren. Straßenbauverfahren galten auch damals als kostspielig. Lesen Sie hier die ganze Geschichte der Straße...

Als die Gauseköte eine Rennstrecke war...

In den 60er- und 70er-Jahren war die Verbindungsstraße vor allem für eins berühmt: Die Bergrennen zogen jedes Jahr etliche Besucher an. In unseren Film zur Zeitreise durch Lippe erfahren Sie mehr darüber.

Information

Die Sanierung in Zahlen

  • Baubeginn 22. Juni 2020
  • Freigabe 24. November 2020
  • 60 Meter hohe Böschung von etwa 42 Grad auf standsichere 24 Grad abgeflacht
  • Sicherung vor Erosion durch Wind und Niederschlag durch Kokosmatte mit Ansaat
  • Hauptleistungen
  • ca. 7.000 Quadratmeter abgeholzte Waldflache roden
  • ca. 1.500 Kubikmeter Oberboden abtragen
  • ca. 22.500 Kubikmeter Boden lösen und verwerten
  • ca. 6.500 Quadratmeter Erosionsschutzmatte verlegen
  • ca. 5.000 Quadratmeter Asphaltdeckschicht (4 cm)
  • ca. 5.000 Quadratmeter Asphalttragschicht (8 cm)
  • ca. 350 Meter Bord- und Rinnenanlage (3-zeilig) erneuern
  • ca. 180 Meter Rinne herstellen
  • Auf der gegenüberliegenden Böschung vorsorgliche Sicherung von Bereichen mit größeren Bewuchslücken durch bepflanzte Pilotwände auf einer Gesamtlänge von etwa 200 Metern. Diese schützen das locker gelagerte Erdmaterial temporär vor Erosion durch Wind und Regen und ermöglichen so lokal ein Anwachsen von Steckhölzern.
  • Gesamtkosten etwa eine Million Euro.

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