Schlänger bekommt Bewährungsstrafe wegen des Handels mit Amphetaminen

veröffentlicht

Detmold/Schlangen (aga). Eine Kehrtwende hat der Hauptbelastungszeuge in einem Verfahren wegen Drogenhandels hingelegt. So wurde ein Schlänger am Dienstag vom Detmolder Amtsgericht freigesprochen – zumindest in diesem Punkt.

In einem weiteren Fall des Handels mit Betäubungsmitteln gab es nämlich eine Freiheitsstrafe von neun Monaten gegen den 31-Jährigen, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft Detmold hatte dem gelernten Dachdecker vorgeworfen, einem Mann aus Bad Lippspringe im April 117 Gramm hochwertige Amphetamine verkauft zu haben. Die Drogen waren bei dem vermeintlichen Kunden im Rahmen einer Hausdurchsuchung entdeckt worden. Dieser hatte den Angeklagten in seiner polizeilichen Vernehmung als Verkäufer beschuldigt.

Gestern vollführte der Zeuge dann eine 180-Grad-Wende vor dem Detmolder Schöffengericht. So habe er die Drogen nicht von dem Schlänger erhalten, sondern von einem Mann aus Bad Lippspringe, dem er selbst in der Vergangenheit schon Amphetamine verkauft habe. Die Frage von Richter Martin van der Sand sowie Staatsanwältin Stefanie Kern, ob er von dem Angeklagten bedroht worden sei, verneinte der 33-Jährige. "Wir sehen uns öfter", beschrieb er die schon seit etwa 20 Jahren bestehende Bekanntschaft. Nach seiner Festnahme habe er den Angeklagten beschuldigt, weil er schnell wieder aus dem Polizeigewahrsam heraus wollte: "Ich wusste, dass er nicht vorbestraft war und deshalb keine hohe Strafe zu erwarten gehabt hätte."

Einen weiteren Handel mit 150 Gramm minderwertigerer Amphetamine Mitte November 2012 gestand der Angeklagte. Damals war er ebenfalls von einem Kunden, der bei einer Fahrzeugkontrolle mit den Drogen aufgefallen war, belastet worden. "Das war eine einmalige Sache", beteuerte der Angeklagte.

Durch diese einmalige Tat war nach Ansicht von Anwalt Hendrik Schnelle der Vorwurf der Gewerbsmäßigkeit vom Tisch. Die Staatsanwaltschaft hatte seinem Mandanten vorgeworfen, Geld für "teure Hobbys" – Krafttraining und schnelle Autos – benötigt zu haben. Immerhin seien in seiner Wohnung zahlreiche Medikamente und Substanzen gefunden worden, unter anderem Testos­teron, Steroide sowie eine geringe Menge Marihuana.

Der 31-Jährige erklärte die Medikamente mit seinem Bodybuilding. Das Hobby, das ihn etwa 100 Euro im Monat koste, könne er sehr gut aus seinem Verdienst als Dachdecker bestreiten. Das "teure" Auto sei ein 16 Jahre alter BMW. Einen von der Staatsanwältin "ungewöhnlich" genannten Geldeingang von 12.000 Euro auf dem Konto erklärte der Angeklagte: "Meine Abfindung nach acht Jahren Bundeswehr." Das Gericht folgte der Einschätzung der Verteidigung, dass es kein gewerbsmäßiger Handel gewesen sei. Mit neun Monaten blieb es drei Monate unter dem Antrag von Staatsanwältin Kern.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.