Kuriose Todesanzeige kursiert auf lippischen Social-Media-Seiten

Yvonne Glandien

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Gesperrt in vier Jahreszeiten:  So sah es im Sommer am Fuße der Gauseköte in Berlebeck aus. - © Archivfoto: Jannik Stodiek
Gesperrt in vier Jahreszeiten:  So sah es im Sommer am Fuße der Gauseköte in Berlebeck aus. (© Archivfoto: Jannik Stodiek)

Kreis Lippe. Ein geschmackloser Scherz oder der notwendige Schubser? In den lippischen Gruppen und Seiten der sozialen Netzwerke kursiert seit einigen Tagen eine Todesanzeige, die auf sich aufmerksam macht.

"Ein Jahr ruhst du in Gottes Frieden
seit dem Abschied von Deinen Lieben,
kein Tag vergeht, wo wir nicht gedenken Dein,
weil es so schwer ist, ohne Dich zu sein."


Mit dem kleinen Gedicht nehmen die Unterzeichner symbolisch Abschied von der Gauseköte. Seit dem 25. Januar 2019 ist die Verbindungsstraße zwischen Schlangen und Detmold-Berlebeck dicht. Der Grund für die Sperrung: Nachdem es einige Tage strengen Frosts gegeben hatte, der in Tauwetter überging, befürchteten die Verantwortlichen beim Landesstraßenbetrieb Straßen.NRW, dass die Böschung in Bewegung geraten und einen Erdrutsch auslösen könnte. Dazu war es bereits einmal gekommen.

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Im November 2015 hatte sich ein gut zehn Meter hohes Erdband vom Hang gelöst und ist dabei etwa einen halben Meter in Richtung Straße bewegt worden. Für rund eine Woche wurde die Gauseköte damals aus Sicherheitsgründen gesperrt.

"Man kann von Versagen sprechen"

Mit der aktuellen Situation ist das aber nicht zu vergleichen. Dass die Verbindungsstraße nunmehr seit bereits einem Jahr gesperrt ist, hat vor allem die Bürger in Schlangen verärgert. Die Initiative Schlangen 4.0 wendet sich immer wieder an die Politik und fordert Abhilfe. „Man muss von den beteiligten Behörden erwarten, dass die Sanierung der Gauseköte oberste Priorität hat: Entscheidungen müssen schnell und unbürokratisch getroffen werden", sagte Henning Schwarze, Vorsitzender der Bürgerinitiative, im Gespräch mit der LZ im Oktober. Seiner Ansicht nach könne man hier von Versagen sprechen, schließlich sei das Problem bereits seit 2015 bekannt.

Denn dass die Sperrung aufgehoben wird, ist noch lange nicht in Sicht. Frühestens 2021 ist damit zu rechnen, das hat Straßen.NRW deutlich gemacht. Es könne erst im Frühjahr 2020 mit den Bauarbeiten begonnen werden - vorausgesetzt, die entsprechenden Behörden geben bis dahin grünes Licht. Die Kosten: Je nachdem, welcher der vier Sanierungspläne realisiert wird, mindestens 1,4 Millionen Euro.

"Du fehlst uns", heißt es in der Traueranzeige, die die Initative Schlangen 4.0 im Netz verbreitet. "Mit allen, die sie gern hatten, befahren haben und auch heute noch nicht vergessen haben, möchten wir ihr gemeinsam im ersten Jahresseelenamt gedenken." Unterzeichnet: im Namen aller Verkehrsteilnehmer.

Die Reaktionen dazu fallen allerdings eher gemischt aus. "Die kann gerne geschlossen bleiben", heißt es von einer Facebook-Nutzerin. Ein anderer kritisiert "Wie dumm und geschmacklos ist das denn. Man sollte sie zurückbauen."

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