„Schuld muss benannt werden“

Lippischer Landessuperintendent bemängelt, dass die Gesellschaft in vielen Fällen die Verantwortung nicht feststellt

veröffentlicht

  • 0
- © dpa
Dietmar Arends (© dpa)

Bielefeld/Minden (epd). Der Prozess gegen einen früheren SS-Mann in Detmold kann nach Ansicht des lippischen Landessuperintendenten Dietmar Arends gesellschaftliche Schuld offenlegen. Ein Gerichtsprozess habe zwar eine andere Funktion als die Vergebung zwischen Menschen, sagte der höchste Repräsentant der lippischen Landeskirche. Eine Gesellschaft könne jedoch nicht darauf verzichten, Schuld als solche tatsächlich zu benennen. Die Nebenkläger im Detmolder Prozess hätten deshalb auch deutlich gemacht, dass für sie nicht entscheidend sei, dass ein greiser Mann am Ende seines Lebens ins Gefängnis müsse, sagte Arends. Aber sie wollten, dass die Schuld, die dahintersteht, endlich benannt und festgestellt werde.

Im Prozess gehe es natürlich letzten Endes auch um Strafe, aber nicht nur, so Arends. Tausende Täter und Mittäter seien nach Kriegsende unbehelligt geblieben, erklärte der Landesuperintendent. „Unsere Gesellschaft hat diese Schuld in vielen Fällen gerade nicht benannt.“ Auch im zwischenmenschlichen Bereich setze Vergeben voraus, dass Schuld offengelegt und auch eingestanden werde.

Vor dem Landgericht Detmold muss sich derzeit der 94-jährige frühere SS-Mann Reinhold Hanning aus Lage verantworten.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare