Auf die Nacht in der Bar folgte Mord (Teil I)

Freya Köhring

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Lippe kriminell (© Montage: Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. Im Oktober 1960, die Blätter an den Bäumen waren bunt gefärbt, rief ein aufgeregter Waldarbeiter die Polizei in Detmold an. Er meldete einen schrecklichen Fund.

Auf dem Birkenweg neben dem Heidental hinter Hiddesen liege eine tote Frau. Als die Polizei am genannten Ort eintraf, fand sie am Wegrand unter einer Birke die nackte Leiche einer jungen Frau. Um den Hals trug sie nur ein silbernes Kettchen. Die genaue Todesursache war zu dem Zeitpunkt noch unklar. Dennoch ging man bereits von einem "scheußlichen Sexualmord" aus. Ab da begann ein Großaufgebot der Polizei mit den Ermittlungen.

Information
Die LZ mahnte damals in einem Bericht vom 20. Oktober 1960 über den Mordfall an: "Die gestern in Detmold und Lemgo in Umlauf gesetzten Gerüchte über die bereits erfolgte Ergreifung des Täters müssen zurückgewiesen werden. Wichtiger als die Verbreitung von Gerüchten ist die Mitarbeit der Öffentlichkeit, damit das Verbrechen jetzt schnell aufgeklärt werden kann."

Noch am selben Tag stand dann bereits fest, dass es sich bei der Toten um die 21-jähringe Ilse P. (alle Namen von der Redaktion geändert) aus Lemgo handelte. Am Abend zuvor war die hübsche junge Frau in Detmold in der „Teutobar" unterwegs gewesen. Ihre Kleidung wurde etwas später an der Denkmalstraße, etwa 200 Meter unterhalb des Parkplatzes am Hermannsdenkmal unter niedrigen Tannen gefunden.

Das Foto hat damals der LZ-Mitarbeiter W. Mücke gemacht. - © Repro: Freya Köhring
Das Foto hat damals der LZ-Mitarbeiter W. Mücke gemacht. (© Repro: Freya Köhring)

Über die Presse suchte die Polizei damals nach Zeugen, die das Opfer noch in der Nacht gesehen haben könnten Es wurde sogar eine Belohnung von 1.000 Mark ausgesetzt. Zitat vom 18. Oktober 1960 zur Personenbeschreibung: „Besonders wichtig ist die Feststellung, dass [Ilse P.] nach einer Nacht, die sie in leichter Gesellschaft in einer Bar in der Exterstraße verbrachte, noch gegen 4.30 Uhr morgens im Zentrum von Detmold gesehen worden ist. Sie trug einen lilafarbenen Mantel in Hängerform aus Boueléstoff und über dem Arm einen zweiten Mantel von beiger Farbe; ferner schwarze Pumps mit hohen Absätzen und eine braune Handtasche mit Grobnähten." P. war 1,65 Meter groß, schlank und hatte hellblonde Haare.

Die Leiche kam zur Obduktion ins Kreiskrankenhaus. Sie endete mit der "einwandfreien Feststellung: der Tod der [Ilse P.] erfolgte durch Erwürgen!" Bereits wenige Tage später, am 19 Oktober, wurde sie in Lemgo beigesetzt.

Derweil meldeten sich bei der Polizei immer mehr Zeugen, die Ilse P. noch gesehen haben wollen. Unter anderem auch in Begleitung zweier Männer. Die Überschrift in der LZ lautete 1960: "Mörder: Neger oder weißer Mann?"

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Der Standort ist zufällig gewählt.

In der Nacht zum Sonntag wurde P. noch gegen 4 Uhr mit zwei Männern an der Polizeiwache an der Leopoldstraße gesehen, einer davon sollte ein Farbiger gewesen sein. Sie ging allerdings allein in das Gebäude, um sich nach einer Fahrgelegenheit nach Lemgo zu erkundigen. Ob die Männer auf sie warteten ist nicht klar.

Sicher ist, dass die 21-Jährige die Wache nach etwa 30 Minuten wieder verließ. "In diesem Augenblick begann das Drama mit einem erschütternden Ende", heißt es im LZ-Bericht von damals.

Schnell stellte sich allerdings heraus, dass der farbige Mann, es handelte sich um einen Afrikaner, der damals in Detmold die Berufsfachschule für Betriebstechnik und Innenarchitektur besuchte, nichts mit dem Mord zu tun hatte. Stattdessen wurde ein 28-jähriger Mann aus Detmold festgenommen. Er machte sich verdächtig, weil er handgreiflich gegenüber Ilse P. geworden sein soll und ihr angeblich nachrief: "Das wirst du mir büßen!" Bei der Polizei verwickelte er sich immer weiter in Widersprüche und sagte schließlich: "Ich weiß nicht, ob ich die Hannelore umgebracht habe!"

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