Die Kegelvereinigung Augustdorf ist der Verein der Woche

Die KV Augustdorf misst sich seit gut einem halben Jahrhundert mit ihren Gegnern.

André Gallisch

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Eine starke Truppe: Den Mitgliedern der Keglervereinigung Augustdorf wird bei ihrem Sport eine Menge Kondition und Konzentration abverlangt. - © Gallisch
Eine starke Truppe: Den Mitgliedern der Keglervereinigung Augustdorf wird bei ihrem Sport eine Menge Kondition und Konzentration abverlangt. (© Gallisch)

Augustdorf. „Gut Holz", heißt es unter Keglern. Für die Mitglieder der Keglervereinigung Augustdorf steht das vor allem für den sportlichen Wettbewerb auf der Scherenbahn. Seit gut 50 Jahren nimmt der Verein mit unterschiedlich vielen Mannschaften am regelmäßigen Ligenbetrieb teil. Zurzeit kegelt die erste Mannschaft als Aufsteiger in der Westfalenliga und die zweite Mannschaft in der Bezirksliga.

Mit dem häufig in der Öffentlichkeit herrschenden Bild von bierseliger Atmosphäre auf der Kegelbahn möchten die Sportkegler nicht in Verbindung gebracht werden. Damit fühlen sie sich und ihren ernsthaft betriebenen Sport völlig falsch dargestellt. „Bei Wettkämpfen besteht sogar absolutes Alkoholverbot auf der Bahn", macht Sportwart Jürgen Wiebusch deutlich.

Denn, um in dem Wettkampf zu bestehen, wird dem Sportkegler in Sachen Kondition aber vor allem auch Konzentration einiges abverlangt. „Jeder hat in einem Spiel 120 Würfe zu absolvieren", macht Vorsitzender Olaf Fischer die Anforderung deutlich. „Wenn man vorher ein halbes Jahr nicht gekegelt hat, geht man danach rückwärts die Treppe hinauf", umschreibt Pressewart Ralf Erfkamp den Zustand bildhaft.

Die 120 Würfe, die sich je zur Hälfte auf „In die Vollen" und „Abräumen" beziehen, absolviert der Sportkegler hintereinander weg. „Das bedeutet etwa 45 Minuten volle Konzentration", so Jürgen Wiebusch. Denn, während sich der Freizeitkegler über eine „Neun" oder auch eine „Acht" freut, ärgert sich der Sportler schon über eine „Acht".
Olaf Fischer macht auch noch auf eine weitere Schwierigkeit gegenüber den Freizeitkeglern aufmerksam: „Es besteht Gassenzwang." Das bedeutet, dass jeder Spieler abwechselnd zunächst 15 Würfe „linke Gasse" – die Kugel muss die Kegel links der Mitte treffen – und dann 15 Würfe „rechte Gasse" spielen muss. Dieser Wechsel setzt sich fort bis zum letzten der 120 Würfe.

Da in der Westfalenliga jedes Team mit sechs Spielern antritt, dauert so ein Wettkampf schon mal rund fünf Stunden. Als etwas weniger zeitaufwendig können die Begegnungen der zweiten Mannschaft angesehen werden, die in der Bezirksliga nur mit vier Spielern anzutreten muss.
Die Keglervereinigung Augustdorf zählt heute 36 Mitglieder. Davon sind zwölf in den beiden Mannschaften aktiv. Der Rest sind unterstützende Mitglieder. Mit Wilfried Neese und Friedel Pollmann gehören auch noch zwei Gründungsmitglieder der KV an. „Damals haben wir uns mit einem Dutzend Keglern zusammengetan", erinnert sich Friedel Pollmann an die Vereinsgründung am 1. September 1965 im Augustdorfer „Heidekrug". Die Gründungsmitglieder seien aus verschiedenen Augustdorfer Kegelclubs zusammengekommen. „Die Absicht war von Anfang an, das sportlich zu betreiben", so Pollmann.

Angefangen in der Kreisklasse, stieg man bald in die Bezirksliga auf. Dass die Heimspiele und das Training heute im benachbarten Stukenbrock-Senne ausgetragen werden, liegt daran, so Pollmann, dass es in Augustdorf keine sportgerechte Anlage mehr gebe. Immerhin werden die im Ligabetrieb genutzten Bahnen alle drei Jahre auf ihre Tauglichkeit geprüft.

Zwischenzeitlich wuchs die KV Augustdorf auf sechs Herren- und drei Damenteams an. „Wir hatten auch schon einmal 100 Mitglieder", erinnert sich Olaf Fischer. Um 1990 herum habe der damalige Vorsitzende Lothar Dreimann für das 100. Mitglied eine Flasche Jägermeister ausgelobt. Das hatte gezogen. „Zur besten Zeit hatten wir über 80 Aktive", erzählt Sportleiter Jürgen Wiebusch. Leider habe sich die seit 1973 bestehende Damenabteilung nach der Saison 2007/2008 aufgelöst. „Die Frauen unterstützen den Verein aber bis heute", so Fischer.

Neben den Wettkämpfen richtet die KV Augustdorf in jedem Jahr das Hallenfußballturnier „Fair-Play-Cup" in der Augustdorfer Witex-Halle aus. Für Fußballer und Hobby-Kicker sei das nicht im Rahmen des DFB ausgetragene Turnier vor allem deshalb so beliebt, weil hier nicht nach den neuen „Futsal-Regeln" gespielt werden müsse. „Für uns als Verein ist es auch eine gute Möglichkeit, uns in der Gemeinde zu präsentieren", macht Jürgen Wiebusch klar. Außerdem sei das Turnier eine wichtige Einnahmequelle für den mit Zuschüssen nicht gerade überschütteten Verein.

Bis vor vier Jahren veranstaltete die KV Augustdorf außerdem die Augustdorfer Dorfmeisterschaften im Kegeln. Hier traten zwischenzeitlich bis zu 33 Mannschaften der zahlreichen Augustdorfer Kegelclubs an. Doch, nachdem zuletzt nur noch neun Teams dabei gewesen seien, so Olaf Fischer, habe man diese Veranstaltung, die immer mit einem Keglerball endete, mangels Resonanz aufgeben müssen.

 "Wir sind zufrieden"

 Die erste Mannschaft liegt in der Westfalenliga auf dem achten Platz

Erste Mannschaft: Den Mitgliedern der Keglervereinigung Augustdorf wird bei ihrem Sport eine Menge Kondition und Konzentration abverlangt. - © Gallisch
Erste Mannschaft: Den Mitgliedern der Keglervereinigung Augustdorf wird bei ihrem Sport eine Menge Kondition und Konzentration abverlangt. (© Gallisch)

Sportlich läuft es zurzeit recht gut bei der Keglervereinigung Augustdorf, und das gilt vor allem für die „Erste". Nach der Meisterschaft und damit verbundenem Aufstieg der ersten Mannschaft in die Westfalenliga im vergangenen Jahr bietet sich in der laufenden Saison die Chance zum Klassenerhalt. Nach 14 von 18 Spieltagen liegt das Team mit Jürgen Wiebusch, Ralf Erfkamp, Udo Keeb, Jan-Niclas Wiebusch, Björn Brinkmann und Olaf Fischer auf dem achten Platz.

Vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz sollen möglichst gehalten werden. „Wir sind sehr zufrieden", sagt Jürgen Wiebusch. Mehr sei, mit Blick auf die Möglichkeiten der Konkurrenz, nicht drin gewesen. Die Gruppe in der Westfalenliga gefällt dem Sportwart sehr gut. Denn mit Gütersloh, Greste, Kirchlengern, Herford, Lage und Bielefeld kommen die meisten Gegner aus der Region. Das verleiht den Duellen zusätzlichen Reiz.

2. Mannschaft: Von links Kurt Heißenberg, Mathias Riedel, Karl-Heinz Raeder, Norbert Brinkmann und Jessica Wiebusch - © Privat
2. Mannschaft: Von links Kurt Heißenberg, Mathias Riedel, Karl-Heinz Raeder, Norbert Brinkmann und Jessica Wiebusch (© Privat)

Nicht ganz so optimal läuft es bei der zweiten Mannschaft. Nach dem hervorragenden zweiten Platz in der Bezirksliga im vergangenen Jahr liegt das Team nach zehn von 14 Spieltagen auf dem letzten Platz.

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