Hanning: "Ich schäme mich, dass ich Unrecht sehend geschehen lassen habe"

Silke Buhrmester

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Der Angeklagte Reinhold Hanning (M) sitzt am 28.04.2016 in dem Verhandlungssaal in Detmold (Nordrhein-Westfalen) zwischen seinen Anwälten Andreas Scharmer (l) und Johannes Salmen auf der Anklagebank. - © Bernhard Preuß
Der Angeklagte Reinhold Hanning (M) sitzt am 28.04.2016 in dem Verhandlungssaal in Detmold (Nordrhein-Westfalen) zwischen seinen Anwälten Andreas Scharmer (l) und Johannes Salmen auf der Anklagebank. (© Bernhard Preuß)

Mit Spannung wird seit Wochen im Detmolder Auschwitz-Prozess die angekündigte Erklärung der Verteidigung erwartet. Bislang hat der Angeklagte frühere SS-Wachmann Reinhold Hanning aus Lage geschwiegen. Die Verteidigung hatte erklärt, dass sich Hanning nicht zur Sache äußern werde und auch keine Fragen beantworte.

Reinhold Hanning hat sich am Freitag in einer persönlichen Erklärung bei den Opfern des NS-Regimes sowie deren Angehörigen und der Öffentlichkeit entschuldigt.

"Ich möchte Ihnen sagen, dass ich zutiefst bereue, einer verbrecherischen Organisation angehört zu haben, die für den Tod vieler unschuldiger Menschen, für die Zerstörung unzähliger Familien, für Elend, Qualen und Leid auf Seiten der Opfer und deren Angehörigen verantwortlich ist.

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Ich schäme mich dafür, dass ich das Unrecht sehend geschehen lassen und dem nichts entgegengesetz habe. Ich entschuldige mich hiermit in aller Form für mein Vehralten. Es tut mir aufrichtig leid."

Die Erklärung umfasste insgesamt 20 Seiten und wurde von Hannings Anwalt Johannes Salmen verlesen. Darin gab Hanning zu, ein Wachposten in Auschwitz gewesen zu sein. Er soll demnach kleinere Gruppen von Soldaten als Zugführer kommandiert und auch Arbeitseinsätze für die Gefangenen geleitet haben. Er erklärte zudem, nie in Auschwitz-Birkenau eingesetzt gewesen zu sein, sondern nur im Stammlager.

Gegen den 94-Jährigen wird wegen Beihilfe zum Mord in dem Vernichtungslager zwischen Januar 1943 und Juni 1944 verhandelt. Im Mittelpunkt steht die sogenannte Ungarnaktion, bei der zwischen Mai und Juli 1944 Hunderttausende Juden nach Auschwitz deportiert und fast alle umgebracht wurden. Insgesamt wurden von den Nazis in dem Lager im besetzten Polen mehr als eine Millionen Menschen getötet, vor allem Juden.

Fotostrecke: Die Erklärung von Reinhold Hanning


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