Erste Revisionsanträge gegen Auschwitz-Urteil sind eingetroffen

Das Landgericht Detmold hat für die schriftliche Begründung neun Wochen Zeit

Dirk-Ulrich Brüggemann

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Die Auschwitz-Überlebenden Erna de Vries (2.v.l.-r), Leon Schwarzbaum, Nebenklageanwalt Cornelius Nestler, Christoph Heubner, Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Nebenklageanwalt Thomas Walther, und die Auschwitz-Überlebenden Hedy Bohm und William Glied gaben am 17. Juni eine Pressekonferenz im Landgericht in Detmold. - © dpa
Die Auschwitz-Überlebenden Erna de Vries (2.v.l.-r), Leon Schwarzbaum, Nebenklageanwalt Cornelius Nestler, Christoph Heubner, Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Nebenklageanwalt Thomas Walther, und die Auschwitz-Überlebenden Hedy Bohm und William Glied gaben am 17. Juni eine Pressekonferenz im Landgericht in Detmold. (© dpa)

Detmold. Gegen das Urteil im Detmolder Auschwitz-Prozess – fünf Jahre Gefängnis für den ehemalige SS-Wachmann aus Lage – haben bisher ein Verteidiger und einige Nebenkläger Revision eingelegt. Das bestätigte die Sprecherin des Landgerichts, Anneli Neumann, auf Anfrage. Reinhold Hanning war zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Der 94-Jährige wurde von der Schwurgerichtskammer der Beihilfe zum Mord an mindestens 170.000 Menschen im Konzentrationslager Auschwitz zwischen Januar 1943 und Juni 1944 schuldig gesprochen.

Welche Anwälte in Revision gehen, sagte Neumann nicht, da die Frist noch bis Freitag um Mitternacht laufe, bis zu der Revision beim Landgericht eingelegt werden kann. Sie verwies auf eine Erklärung des Gerichts, die Montag veröffentlicht werden soll. Die Verteidiger und die Anwälte der Nebenkläger müssen bis zu diesem Termin lediglich erklären, dass sie in Revision gehen wollen. Ihre Revisionsanträge müssen sie erst dann begründen, wenn das schriftliche Urteil des Landgerichts vorliegt.

Die Schwurgerichtskammer hat von dem Tag der mündlichen Urteilsverkündung bis zur Versendung der schriftlichen Urteilsbegründung neun Wochen Zeit. Demnach müsste die schriftliche Begründung des Schuldspruchs bis zum 19. August erfolgt sein. Neumann geht jedoch davon aus, dass die schriftliche Urteilsbegründung durchaus eher in der Geschäftsstelle des Gerichts vorliegen könnte.

Rechtsanwalt Markus Goldbach aus Berlin, der drei Nebenkläger vertritt, will auch Revision einlegen. Er wolle aber nicht, dass der Prozess neu aufgerollt werde, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Goldbach sieht vielmehr die Mittäterschaft Hannings bei den Ermordungen in Auschwitz als gegeben an. Er vergleicht den Detmolder Auschwitz-Prozess mit dem NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe. Diese sei auch wegen Mittäterschaft angeklagt, obwohl sie bei den NSU-Morden nach bisherigen Erkenntnissen wohl nicht dabei gewesen sein soll.

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