Auschwitz-Prozess findet in der IHK statt

Carolin Nieder-Entgelmeier

  • 0
- © Symbolfoto: Fotolia
Justizia (© Symbolfoto: Fotolia)

UPDATE: Wie das Landgericht am Dienstagnachmittag mitteilt, wird die Verhandlung in den Räumlichkeiten der Indurstrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold stattfinden.

Detmold. Wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen im Vernichtungslager Auschwitz muss sich ein ehemaliger SS-Mann aus Lage vor Gericht verantworten. Das Landgericht Detmold hat die Anklage gegen den 93-Jährigen zugelassen. Ein Psychiater hat dem Angeklagten eine eingeschränkte Verhandlungsfähigkeit bescheinigt, für maximal zwei Stunden pro Verhandlungstag.

"Mitte Februar soll das Hauptverfahren vor der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Carsten Niemeyer eröffnet werden", kündigte Landgerichtssprecherin Anneli Pauline Neumann an. Allerdings nicht in den Räumen des Landgerichts. "Wir gehen von einem großen Interesse der Öffentlichkeit aus. Um vielen Zuhörern Platz zu bieten, suchen wir geeignete Räume im Kreis Lippe", sagte Neumann.

Das sei auch wegen der großen Anzahl der Nebenkläger nötig. "Es gibt bereits elf Nebenkläger. Die Erfahrung zeigt, dass die Zahl mit Eröffnung des Hauptverfahrens noch steigen wird." Sobald passende Räume gefunden werden, können Prozesstage und -dauer festgelegt werden, so Neumann.

Zwei Verteidiger

Die nordrhein-westfälische Zentralstelle für NS-Verbrechen bei der Staatsanwaltschaft Dortmund wirft dem Rentner vor, 1943 und 1944 am Massenmord in Auschwitz beteiligt gewesen zu sein. "Aktiver Mord kann nicht nachgewiesen werden", erklärte ihr Leiter Andreas Brendel.

Nach Erkenntnissen der Ermittler ist der Angeklagte von 1942 bis 1944 Wachmann in Auschwitz gewesen. Als Angehöriger des SS-Totenkopf-Sturmbanns soll er für die Bewachung des Stammlagers Auschwitz I und des Todeslagers Birkenau zuständig gewesen sein, wo er die Ausladung der Deportierten und ihre Selektion bewacht habe.

Oberstaatsanwalt Brendel hat Anklage gegen den 93-Jährigen erhoben und ist als Sitzungsvertreter in Detmold vorgesehen. "Es wird geklärt, ob ein zweiter Staatsanwalt eingesetzt wird, da es zwei Verteidiger gibt." Verteidigt wird der Angeklagte von den Rechtsanwälten Johannes Salmen aus Lage und Andreas Scharmer aus Detmold. Scharmer hat das Mandat vor wenigen Wochen übernommen und kündigte eine gemeinsame Verteidigung an.

Der Bielefelder Historiker Hans-Jörg Kühne bewertet die Verhandlung als politischen Prozess. "Es wird viel Aufmerksamkeit geben. Doch die meisten NS-Prozesse sind wegen Verschleppungstaktiken oder der Berufung auf den Befehlsnotstand unbefriedigend ausgefallen." Derzeit gebe es in Deutschland jedoch eine Tendenz des großen Aufräumens, "bevor die Generation der Täter stirbt", so Kühne.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!