Schwalenberger Mörth: Da werden die Waden knapp

21 Kilometer lange Strecke ist eine Wanderung für Geübte

Silke Buhrmester

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"NaturZeitReise" im Schwalenberger Wald. - © Silke Buhrmester
"NaturZeitReise" im Schwalenberger Wald. (© Silke Buhrmester)

Schieder-Schwalenberg. Wer eine Wanderung auf dem Mörth zwischen Schieder und Schwalenberg plant und dafür eine längere Route wählt, sollte schon einen ganzen Tag einplanen. Fünfeinhalb Stunden reine Wanderzeit haben wir für gut 21 Kilometer benötigt. Doch es lohnen sich auch ein paar zusätzliche Abstecher.

Wir starten an diesem heißen Sommertag auf dem Parkplatz an der Mengersenstraße in Schwalenberg, nicht ohne uns zuvor in dem kleinen Supermarkt nebenan für die Tour eingedeckt zu haben: Mindestens zwei Liter Wasser sollte jeder mitnehmen, dazu ein paar Brötchen, Obst, Kekse, Müsliriegel für den ein oder anderen Stopp. Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke sind nämlich rar – im Gegensatz zu den Steigungen.

Der erste und beschwerlichste Anstieg erwartet uns gleich zu Anfang. Wir haben die schöne Altstadt hinter uns gelassen und wandern entlang des Stadtwassers, das in einem offenen Wassergraben von der Magdalenenquelle bis in den Volkwinbrunnen fließt, in Richtung Wald. Erste Bänke laden schon zum Ausruhen mit wunderschönem Blick auf Schwalenberg und die umliegenden Ortschaften ein. Doch im Moment geht es erst einmal darum, möglichst fix die schattenspendenden Bäume zu erreichen.

Dort lässt es sich selbst bei Hitze flott an dem idyllischen Stadtwasser entlang gehen. Der Weg hinauf aufs Mörth bremst das Tempo, denn diese Steigung hat es in sich. 30 Minuten stramm bergauf marschieren wir auf den mit knapp 450 Metern höchsten Punkt der Wanderung: „Das letzte Stück nennen Radler und Läufer auch Wadenknapp", witzelt mein Mann, während ich nach Wasser lechze. Belohnt werden wir mit einer Rast auf den Relaxliegen am „Höpperteich" - das Stillgewässer wurde auf einer vom „Kyrill"-Sturm zerstörten Fläche von Landesverband und Kreis Lippe sowie der Biologischen Station angelegt. Libellen schwirren durch die Luft, die Kammolche, die uns die Infotafel verspricht, lassen sich jedoch heute nicht blicken.


Wer lieber ein schattiges Plätzchen mag, kann auch in der benachbarten großen Schutzhütte „Waidmannsheil" pausieren. Vier Wanderer aus Bad Meinberg und Blomberg haben sich hier niedergelassen. Sie sind fürs Picknick besser ausgestattet als wir: Eier, Tee und andere Leckereien zaubern sie aus ihren Rucksack.

Doch wir nehmen uns nur Zeit für ein Brötchen und einen Schluck Wasser auf den Relaxliegen am Teich, denn wir haben gerade einmal 4,5 Kilometer geschafft.

Nun geht es weiter in Richtung Birkenhütte, immer entlang der sehr gut beschilderten Wanderroute X2. Ein kurzer Abstecher zum Seerosenteich, muss jedoch sein. Der Weg führt links vorbei an der eigentlichen Strecke, es sind nur wenige Meter zu dem Löschteich, der seinem Namen alle Ehre macht: Fast die gesamte Oberfläche ist mit Seerosen bedeckt. Auch hier böte sich eine Pause an, Picknickbänke stehen unter schattigen Bäumen. Doch wir haben genug gerastet. Und außerdem geht es von nun an erst einmal nur noch gemütlich bergab in Richtung Schieder. In dem Waldgebiet begegnen wir kaum einem Menschen – dafür farbenfrohen Schmetterlingen, Rehen und – leider – auch etlichen Pferdefliegen. Immer wieder pausieren wir kurz vor den zahlreichen Infotafeln, die den Weg säumen, und den Wanderern erklären, was es mit dem Mörth, seiner Flora und Fauna und der Geschichte – früher Hochmoor, später intensiv genutzte Waldfläche – auf sich hat und wer seine tierischen Bewohner sind.

Fotostrecke: Wandern in Lippe (8): Schwalenberger Wald


Der nächste Höhepunkt der Wanderung liegt wiederum nicht ganz auf der Strecke, aber auch dieser Abstecher muss sein - auch wenn er erneut einen – diesmal kürzeren - Aufstieg bedeutet: Ziel ist der Kahlenbergturm. Etwas im Wald versteckt, bietet er denjenigen, die die 101 Stufen am Ende nicht scheuen, einen grandiosen Blick auf Schieder und Blomberg. Zeit für eine weitere kurze Pause bei Kilometer 12,5 - bis uns der schmale, steile Pfad auf der anderen Seite des Turmes wieder auf den Rundwanderkurs zurückführt. Nun sind es nur noch etwa neun Kilometer, vorbei am Ehrenhain in Schieder, bis zum Friedhof. Auch hier wäre der Einstieg in die Wanderung alternativ möglich gewesen. Wer mag, kann nun ein Café oder Restaurant im Ort oder am Schieder-See aufsuchen.

Die Zeit nehmen wir uns nicht. „Gut, dass wir Schwalenberg gewählt haben, da liegen die größten Anstiege bereits hinter uns", schmunzele ich. Ab jetzt folgen wir der Beschilderung X5 in Richtung Brakelsiek, am Waldesrand haben wir eine tolle Sicht bis zum Teutoburger Wald. Ein letzter Abstecher bringt noch eine großartige Erfrischung für die heißgelaufenen Füße: Ein Kneippbecken, das vom Schweibach gespeist wird, lädt zum Wassertreten. Die Eiseskälte, die auf den ersten Blick erfrischend wirkt, ist schon nach einer halben Runde an Füßen und Waden kaum mehr zu ertragen. Während mein Mann schon die fünfte Runde geht, breche ich kurzerhand ab.

Doch das kurze Eintauchen weckt in mir neue Lebensgeister. Trotzdem – und auch wenn die restlichen acht Kilometer kaum noch Anstiege bereit halten – unser Lauftempo hat sich merklich verringert, ungefähr zwei Stunden benötigen wir noch bis zum Ziel. Und da haben wir uns dann ein Kaltgetränk und etwas zu essen verdient. Restaurants gibt es hier einige: Die Pizzeria im Anno, der Malkasten oder der Berggarten sowie ein griechisches Restaurant im Ratskeller oder – ganz schlicht – eine Pommesbude auf dem Platz, an dem das Auto parkt.

Fazit

Laubwälder und Nadelgehölze, ehemalige Moorflächen, idyllisch gelegene Teiche - abwechslungsreicher geht es kaum. Die 20-Kilometer-Wanderung auf dem Schwalenberger Mörth bietet von allem etwas.

Überwiegend auf Schotterwegen geht es durch den Wald. Die Wanderer laufen zumeist im Schatten, so dass die Strecke auch im Hochsommer gut machbar ist. Nur Einkehrmöglichkeiten an der Strecke sind rar - deshalb sollten sich Wanderer viel Proviant, vor allem Wasser, mitnehmen. Wer den anstrengenden, steilen Teil zuerst absolvieren möchte, startet von Schwalenberg in Richtung Mörth. Fazit: Es lohnt die Mühe!

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