Reportage: Auf Tour durch die Senne

Guntmar Wolff

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Augustdorfer Dünenpfad - © Guntmar Wolff
Augustdorfer Dünenpfad (© Guntmar Wolff)

Augustdorf. Keine zwei Jahre ist es her, dass ich zuletzt die vier Kilometer lange Strecke durch den Augustdorfer Dünenpfad gewandert bin. Zeit, die Tour zu wiederholen. Mit meiner Frau und unseren beiden Kindern Ashley (7) und Olivia (5) mache ich mich auf den Weg und bin gespannt, was sich alles verändert hat. Und meine Töchter freuen sich vor allem auf eines: die schottischen Hochlandrinder.

Am Startpunkt am Heidehaus machen wir uns auf den Weg.Schon nach wenigen Metern verschluckt uns der Wald. Überall hören wir Vogelgezwitscher: Meisen, Rotkehlchen und Amseln sitzen auf den Ästen und beäugen uns argwöhnisch. Ein besonders lauter Vogelruf weckt unsere Neugier – doch es ist kein Piepmatz zu sehen.

Fotostrecke: Augustdorfer Dünenpfad

Wir starren gebannt in den Wald und entdecken in knapp vier Meter Höhe eine Baumhöhle. „Das könnte ein Trauerschnäpper gewesen sein", erklärt mir Daniel Lühr, Leiter des Naturschutzgroßprojektes Senne, später.



Wir wandern weiter, doch auf den nächsten Kilometern macht uns jemand zu schaffen, den wir so nicht erwartet hatten: „Friederike". Der Sturm, der vor einem halben Jahr wütete, hat sichtbare Schäden hinterlassen und zwingt uns, immer wieder umgestürzten Bäumen auszuweichen. Am Wegrand entdeckt meine Tochter einen Ameisenhügel. Eine Kolonie Waldameisen hat sich hier ihre Stätte gebaut.

Während sich Ashley hinkniet, um den Hügel genauer in Augenschein zu nehmen, finden ein paar Ameisen uns weniger sympathisch. Sie beißen zu und schon breitet sich ein unangenehmes Jucken auf unserer Haut aus.

Schnell wandern wir weiter. Die Wege sind bis dahin gut gekennzeichnet – auf dem Pfad zu den Hochlandrindern nehmen wir dann aber doch die falsche Abzweigung. „Dort vertun sich einige Wanderer", weiß Daniel Lühr. Das Hinweisschild sei nicht gut sichtbar. „Wir wollen demnächst eine deutlichere Markierung anbringen", erklärt der Biologe.

Während wir den „falschen" Weg über die Koppel nehmen, hoffen wir aufgeregt, endlich die Rinder zu sehen. Fast am Ende angekommen, tauchen im Unterholz Hörner auf. Das schwarze Hochlandrind „Alwin" steht am Ausgang der Koppel. Ruhig und neugierig schreitet er langsam auf uns zu, lässt uns nicht aus den Augen. Besonders an Ashley scheint er Interesse gefunden zu haben und beschnuppert sie vorsichtig.

„Er mag mich", entfährt es ihr, während sie regungslos vor dem mächtigen Tier steht. Mich beschleicht ein mulmiges Gefühl, doch nachdem Alwin wohl erkannt hat, dass wir nichts Böses im Schilde führen, wendet er sich wieder den Birken zu, die er genüsslich abknabbert. Dankbar, dass er uns den Weg frei gemacht hat, verlassen wir schnell die Koppel.

Den Dünenpfad haben wir damit auch verlassen – ein verschlungener Pfad führt uns aber zurück zum Ausgangspunkt. Gut zwei Stunden haben wir für die Strecke gebraucht. Und wir wollen die Wanderung unbedingt wiederholen.

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