Mit dem Wandern boomt der Tourismus

Guntmar Wolff

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Das Hermannsdenkmal in Detmold. - © Guntmar Wolff
Das Hermannsdenkmal in Detmold. (© Guntmar Wolff)

Kreis Lippe. 20.000 Wanderer aus ganz Deutschland werden laut Landrat Dr. Axel Lehmann zum Deutschen Wandertag in Lippe erwartet. Für ihn steht fest: Lippe ist nicht nur eine Tourismus-Region, für die Wandern eine große Rolle spielt, sondern das Ganze gilt darüber hinaus als wichtiger Wirtschaftszweig.

Genaue Zahlen für Lippe gibt es zwar nicht, aber laut dem deutschen Wanderverband lassen die Wanderer bundesweit knapp 7,5 Milliarden Euro jährlich an Orten, die sie während ihrer Touren besuchen – Tendenz steigend.

Und: Für seine Ausrüstung gibt der aktive Wanderer durchschnittlich 92 Euro im Jahr aus. „Das ist beträchtlich, wenn man bedenkt, dass laut einer Studie 56 Prozent aller Deutschen aktive Wanderer sind", betont Ute Dicks, Geschäftsführerin des Deutschen Wanderverbandes (DWV).

Dass die Wandersparte ein wichtiger Bestandteil der lippischen Tourismuswirtschaft ist, das bestätigt auch Holger Lemke, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Lippe (Dehoga). „Einige Gaststätten haben sich bereits auf Wanderer und Radler spezialisiert", berichtet er. So gebe es Hotels und Gaststätten, die spezielle Wanderkarten für die Gäste bereithielten. Andere wiederum böten einen kleinen Fahrradfuhrpark an.

„Bereits ab 2010 hat sich Wandern als Megatrend herauskristallisiert", fügt Günter Weigel, Geschäftsführer der Lippe Tourismus Marketing GmbH an. Das belegen auch die Zahlen: Im Jahr 2017 lag der Wanderurlaub bei den Deutschen laut dem Statistikportal „Statista" im Ranking der beliebtesten Arten von Urlaubsreisen auf dem sechsten Platz.

Rund acht Prozent der Bevölkerung gaben an, mindestens einmal im Monat wandern zu gehen. Die Gruppe mit der höchsten Wanderaffinität ist dabei die der sogenannten „Best Ager" – Personen zwischen 50 und 65 Jahren, die keine Kinder haben.

Ute Dicks rückt neben den wirtschaftlichen Effekten auch das gesundheitspolitische Potenzial der Freizeitbeschäftigung in den Fokus. Viele Krankenkassen hätten etwa inzwischen das Deutsche Wanderabzeichen, das der DWV für 200 jährlich gewanderte Kilometer vergibt, in ihre Bonusprogramme aufgenommen.

Darüber hinaus fordert DWV-Vizepräsident Werner Mohr, das Wandern auch in der Bildung wieder stärker zu etablieren. Denn: Gerade für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen seien Aktivitäten in der Natur von unschätzbarem Wert. Er könne sich vorstellen, das Schulwandern wieder fest im Schulalltag zu verankern.

Wesentlicher Innovationstreiber für den Wandertourismus in Lippe ist letztlich die Digitalisierung. „Sie bietet vielfältige Möglichkeiten, die Freizeit-Infrastruktur noch intensiver zu erleben", betont Herbert Weber, Geschäftsführer der OWL GmbH.

Damit könne die Attraktivität der Region gesteigert werden – auch um Fach- und Führungskräfte für Ostwestfalen-Lippe zu gewinnen. Ein Beispiel für die Digitalisierung ist die sogenannte „Dünen App", mit der Wanderer in Augustdorf die Senne erkunden können. Aber auch der „Teuto-Navigator" findet immer mehr Anhänger.

„Digitale Instrumente spielen auch bei laufenden Projekten zur Attraktivitätssteigerung der Urlaubsregion Teutoburger Wald eine große Rolle", ergänzt Markus Backes, Leiter des Teutoburger Wald Tourismus. So würden nicht nur Wanderwege in Qualität und Beschaffenheit digital erfasst. Zudem sollen kulturelle Angebote im Teutoburger Wald mit Hilfe von digitalen Instrumenten zeitgemäß inszeniert werden.

Dass das Wandern den Tourismus in Lippe nachhaltig beeinflussen wird, davon ist Günter Weigel überzeugt. Erklärtes Ziel ist der Erwerb des Gütesiegels „Qualitätsregion Wandern". Und Weigel gibt sich zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass wir das – auch mit Hilfe des Deutschen Wandertages – bis 2021 hinbekommen."

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