Kampagne „Industrie – Zukunft in Lippe“ ist überregional bekannt

Thorsten Engelhardt

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Freuen sich über den Erfolg: (v.l.) Michael Brune, Prof. Gunther Olesch und Ernst-Michael Hasse - © Vera Gerstendorf-Welle(LZ)
Freuen sich über den Erfolg: (v.l.) Michael Brune, Prof. Gunther Olesch und Ernst-Michael Hasse (© Vera Gerstendorf-Welle(LZ))

Kreis Lippe. Die Sprüche sorgen für manches Lächeln und sind schon zum Politikum geworden: Die Standortkampagne der Industrie für Lippe wird längst nicht mehr nur in Lippe selbst wahrgenommen. Auch im Ruhrgebiet hat man schon Wind davon bekommen...

„Lippe liegt am A... der Welt. Aber hier riecht‘s besser als im Ruhrgebiet." Dieser Spruch ließ 2015 Josef Hovenjürgen, den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU im Landtag, zu Papier und Stift greifen. In einem Brief an die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold beschwerte er sich darüber, dass hier Werbung auf Kosten Dritter geschehe. Und er lud dazu ein, mal im Ruhrpott Probe zu schnuppern.
Das hat die Werbekampagne noch einmal zusätzlich mit Schwung versehen. Aber nicht nur diese Reaktion allein ist dafür verantwortllich.

Mehr als 360 lippische Unternehmen haben sich der Kampagne mittlerweile angeschlossen und machen sich auf diese Weise für den Standort stark – mit Aufstellern, Karten oder anderen Werbeartikeln, aber auch in Anzeigen oder sogar auf Lkw-Türen. Dabei sind längst nicht mehr nur Firmen des verarbeitenden Gewerbes, auch Handel, Dienstleister oder der TBV Lemgo engagieren sich. „Es ist eine Kampagne für den Standort Lippe, getrieben durch die Industrie", sagt Andreas Henkel, der bei der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK) die Koordination übernommen hat.

Im Mittelpunkt stehen dabei immer flotte Sprüche über Land und Leute: „Lipper leben auf‘m Land. Aber nicht hinter‘m Mond", das ist so einer. Dass sie mittlerweile auch außerhalb Lippes registriert werden, ist ein schöner Nebeneffekt für die Initiatoren der Kampagne, aber gar nicht das Hauptziel.
„Die Kampagne hat das Ziel, allen Lippern zu verdeutlichen, dass die Industrie der Wirtschaftszweig Nummer 1 in Lippe ist", formulierte es IHK-Präsident Ernst-Michael Hasse im September 2014, als er gemeinsam mit den Wirtschafts-junioren und dem Arbeitgeberverband als Partner das Vorhaben mit der von einem Zahnrad umkränzten lippischen Rose im Slogan vorstellte.

Denn immerhin ein Drittel der Arbeitsplätze in Lippe stellt die Industrie – das sind mehr als im bereits erwähnten Ruhrgebiet und im Landesdurchschnitt. Der liegt bei 23 Prozent. Lippe lohnt sich als Lebens- und Arbeitsort, das wollen die beteiligten Unternehmen, die Kammer und die Interessenverbände in Zeiten des demografischen Wandels und des immer wieder beschworenen Fachkräftemangels verdeutlichen – insbesondere gegenüber jungen Leuten, die vor der Entscheidung stehen, in der Region zu bleiben, nach Ausbildung und Studium zurückzukommen oder ihr den Rücken zu kehren.

Dass hier gute Köpfe immer gefragt sind, zeigt eine Zahl: In Lippe kommen rechnerisch auf 100.000 Einwohner rund 110 Industrie-Patente. Im Landesdurchschnitt sind es 30 pro 100.000 Einwohner. Noch jüngst, beim Drei-Minister-Treffen zur Zukunft der Region, beschwor Ernst-Michael Hasse die Gäste aus Düsseldorf, gemeinsam für mehr Akzeptanz der Industrie in der Bevökerung zu werben. Nur mit der Industrie könne die Zukunft gestaltet werden, nicht dagegen, sagte er und forderte die Landespolitik auf, Gewerbe und Umweltinteressen nicht gegeneinander auszuspielen.

Eben diese Akzeptanz soll auch die Kampagne befördern. 800.000 Euro lassen sich Kammer, Verbände und Unternehmen die Sache kosten. Dabei erschöpft sich das Ganze nicht nur in Sprüchen auf Plakatwänden. Genauso wichtig ist das Thema Dialog. Die Macher sind bei Messen oder Anlässen wie dem Hansetag in Lemgo präsent und haben Aktionen ins Leben gerufen wie „Wünsch Dir was". Dabei erfüllen Kampagnenmitglieder Wünsche von Institutionen. So erhielt das Leopoldinum in Detmold jüngst eine neue Werkbank. Immer wieder wird das Gespräch mit Unternehmen, Verwaltungen und dem Nachwuchs gesucht.
So stellen Azubis aus lippischen Firmen Viertklässlern Produkte ihrer Unternehmen vor. „Da ist richtig was los im Klassenzimmer", freut sich Andreas Henkel. In diesem Jahr sollen Gymnasiasten gezielt angesprochen werden – beispielsweise mit einer großen Diskussionsrunde unter dem Motto „Industrie, was soll das?" in Lemgo.

Und die Kampagne hat viel vor: Eine dritte Marketingwelle ist gerade in Arbeit. Dafür sollen die Sprüche stärker auf die beteiligten Unternehmen zugeschnitten werden. Außerdem feilt man an einem Videowettbewerb für Jedermann. Eingesendet werden sollen witzige Kurzspots über Lippe. In Lage wird es im Herbst besondere Schaufenster-Dekorationen „made in Lippe" geben. Henkels Zwischenfazit fällt positiv aus. Die Wahrnehmung des Werbefeldzugs sei groß, aber es gebe noch jede Menge guter Ideen, um die Sache auszuweiten. Weitere Unterstützer seien deshalb hochwillkommen, um die Aufmerksamkeit hoch zu halten und die Dialogtiefe des Unterfangens zu vergrößern.

Und im Ruhrgebiet? Da werden die Lipper demnächst zum Schnuppern erwartet. Die Einladung von Josef Hovejürgen haben sie gern angenommen. Es kann ja nicht schaden, im Pott mal vorbeizuschauen. Schließlich heißt ein Werbespruch: „Lipper sind altklug, aber immer neugierig."

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