Verwaltungsdirektor Stefan Dörr weiß: Kultur und Wirtschaft liegen dicht beeinander

Erol Kamisli

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Das Landestheater in Detmold hat auch eine wirtschaftliche Seite. - © Archivfoto
Das Landestheater in Detmold hat auch eine wirtschaftliche Seite. (© Archivfoto)

Detmold. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht recht zusammenpassen mag: Die Lippische Wirtschaft und das Landestheater Detmold haben mehr gemeinsam als sich der Kulturliebhaber vielleicht vorstellt. Ein Gespräch mit Verwaltungsdirektor Stefan Dörr.

Herr Dörr, sehen Sie Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichem Erfolg und dem kulturellem Leben einer Region?

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Stefan Dörr: Es gibt es eine interessante Untersuchung zu diesem Thema. Die sagt aus, dass Städte, die über eine Oper verfügen, wirtschaftlich erfolgreicher sind als andere. Natürlich stellt sich die Frage: Was war zuerst da, die Oper oder der wirtschaftliche Erfolg? Ich glaube aber schon, dass sich durch große Kultureinrichtungen wie unser Theater oder die Hochschule für Musik ein bürgerschaftliches Publikum vor Ort entwickelt, das auch dazu führt, dass die Unternehmen gute Mitarbeiter haben.

Stefan Dörr ist Verwaltungsdirektor des Landestheaters. - © privat
Stefan Dörr ist Verwaltungsdirektor des Landestheaters. (© privat)

Hat die kulturelle Stärke einer Region denn aus Ihrer Sicht auch Einfluss auf die Innovationskraft eines Unternehmens?

Dörr: Ich kann da erst einmal nur von mir selbst ausgehen: Ich empfinde es durchaus als hilfreich, durch niveauvolle Unterhaltung den Geist schärfen zu können. Die Auseinandersetzung mit kritischen gesellschaftlichen oder philosophischen Themen in der Freizeit kann sicherlich Denkanstöße geben, die auch in die Arbeit hineinwirken und die Kreativität fördern. Wir haben als Theater ja auch einen Bildungsauftrag – und wie die Bezeichnung ‚volksbildend‘ in unserer Satzung aussagt, beschränkt sich dieser nicht auf Kinder und Jugendliche. Und ich glaube auch, dass Mitarbeiter im Kreativbereich wertvolle Impulse aus dem Theater erhalten und dass ein kreatives Umfeld auch innovatives Denken in einer Region fördern kann.

Welche Rolle spielt das Theater als Arbeitgeber in der Region?

Dörr: Wir sind mit einem Etat von rund 20 Millionen Euro und 300 Mitarbeitern ein mittelständisches Unternehmen. Die Leute sind verblüfft , wenn ich sage, dass unser Etat größer ist als zum Beispiel derjenige von Freilichtmuseum und Hochschule für Musik zusammen. Beim Begriff Theater denken viele noch an 5 bis 6 Schauspieler und ein paar Menschen in der Verwaltung. Für das städtische Leben sind wir nicht nur in kultureller Hinsicht wichtig: Unsere Mitarbeiter wohnen meist im näheren Umfeld des Theaters, zahlen hier ihre Mieten, kaufen hier ein. Und auch das Geld, das wir etwa für Dinge wie den Bühnenbau in den Kreislauf bringen, bleibt in der Region.

Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit der Wirtschaft?

Dörr: Es gibt da verschiedene Modelle, der Klassiker ist natürlich das Sponsoring, also zusätzliches Geld für Produktionen, die wir sonst nicht finanzieren könnten. Für jedes Stück im großen Haus veranstalten wir mittlerweile eine Matinee bei verschiedenen Partnern, die entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stellen können. Die Gastgeber freuen sich, dass sie sich mit einem wertigen Partner präsentieren können und wir erreichen auf diese Weise ein zusätzliches Publikum. Oder wir arbeiten mit Unternehmen im Bereich der Ausbildung zusammen, durch Workshops im Theater.

Welchen Stellenwert hat das Sponsoring für das Theater?

Dörr: Sponsoring ist ohne Frage sehr wertvoll und ermöglicht uns, dass wir größere Produktionen finanzieren können, die sonst so vielleicht nicht möglich wären. Es hat aber auch noch eine andere Zielrichtung: Anhand des Sponsorings können wir gegenüber unseren Gesellschaftern und dem Land als größtem finanziellen Unterstützer aufzeigen, wie hoch unsere Akzeptanz in der Region ist. Denn steigende Einnahmen bedeuten ja auch: Die Wirtschaft vertraut uns und findet uns gut.

Können die Sponsoren Einfluss auf die von ihnen mitfinanzierten Produktionen nehmen?

Dörr: Nein. Kein Sponsor würde sagen, wir geben euch nur das Geld, wenn ihr dies und das auf die Bühne bringt. Wir erhalten aufgrund unseres hoheitlichen Auft rags die mit Abstand höchsten finanziellen Mittel aus Förderung und Gesellschafterbeiträgen und dem Land Nordrhein-Westfalen. Die Wirtschaft gibt zwar ein wichtiges Zubrot, aber wir leben davon, dass wir gesellschaftlich und politisch gewollt werden.

Das Interview führte LZ-RedakteurErol Kamisli.

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