Mit Video: Zum Theaterpreis gibt's eine Gala mit Gewinnern und Abschieden

Barbara Luetgebrune

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Abschied von dem Intendaten Kay Metzger (rechts). - © Vera Gerstendorf-Welle
Abschied von dem Intendaten Kay Metzger (rechts). (© Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold. Prächtige Stimmung im bestens gefüllten Haus: In einer festlich-fröhlichen Gala sind am Dienstag zum achten Mal die Detmolder Theaterpreise verliehen worden. Die stimmungsvollen, vor allem aber auch heiteren bis urkomischen Beiträge, die Künstler quer durch alle Sparten des Landestheaters zur Feierstunde beisteuerten, trösteten dabei über manchen Abschiedsschmerz hinweg – neben Intendant Kay Metzger verlassen auch etliche Ensemblemitglieder das Haus.


Das gilt etwa für Gaëtan Chailly, der im Ballett ausgezeichnet wurde. Der Tänzer ist ein Wiederholungstäter auf der Theaterpreis-Bühne: Er erhielt den Theaterring bereits zum dritten Mal. In der nächsten Spielzeit wird Gaëtan Chailly als Tanzpädagoge am Theater Ulm tätig sein. Nach Ulm geht auch Chefdramaturg Dr. Christian Katzschmann, der höchst charmant und witzig durch den Abend führte.

Die Ehrenpreisträgerin hat das Landestheater bereits verlassen – allerdings nicht gen Ulm, sondern in den Ruhestand: Karin Nummer, Ex-Leiterin der Theaterkasse, wurde mit dem Ehrenring ausgezeichnet. Verwaltungsdirektor Stefan Dörr attestierte der gelernten Steuerfachgehilfin und studierten Designerin in visueller Kommunikation den perfekten Kompetenz-Mix für ihre Tätigkeit am Theater, die sie 19 Jahre lang ausgeübt hat. „Eine schöne Zeit", bilanzierte Karin Nummer – und appellierte an das Publikum: „Bleiben Sie dem Theater treu!"

In der Kategorie Schauspiel setzte sich Hartmut Jonas in der Publikumsabstimmung gegen seine beiden weiteren nominierten Kollegen durch. Und im Musiktheater wurde Sopranistin Megan Marie Hart ausgezeichnet. Jeder der mit einem der Publikumspreise ausgezeichneten Künstler erhielt neben dem vom Detmolder Goldschmied Klaus Friemel kreierten Theaterring ein Preisgeld von 500 Euro.

Der Detmolder Theaterpreis ist eine Initiative von Landestheater, Lippischer Landes-Zeitung und dem Förderverein der Theaterfreunde und wird seit 2011 verliehen. Aber auch der Kreis Lippe ist als Preis-Stifter im Boot. Landrat Dr. Axel Lehmann überreichte den Nachwuchspreis an den jungen Regieassistenten Moritz Vinke.

Den Preis für die beste Inszenierung der Spielzeit verlieh LZ-Verleger Rainer Giesdorf für die Produktion der Puccini-Oper „Tosca". „Sie, liebe Zuschauer, haben entschieden – zugunsten großer Oper und großer Gefühle", sagte Giesdorf und gratulierte dem Ensemble um Regisseur Ernö Weil und Generalmusikdirektor Lutz Rademacher zum in hoher künstlerischer Qualität auf die Bühne gebrachten, packenden Opern-Krimi.

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„Sie haben Theater für Jedermann erlebbar gemacht": Das ist eines der Komplimente, mit denen der Aufsichtsratsvorsitzende der Landestheater GmbH, Dr. Axel Lehmann, die Verdienste des scheidenen Intentanden Kay Metzgers würdigte, der nach 13 Jahren in Detmold mit Spielzeitende das Haus verlässt und ans Theater Ulm geht.

Das Detmolder Landestheater sei in der „Ära Metzger" künstlerisch gewachsen, sagte Lehmann, außerdem sei es dem Intendanten gelungen, das Ansehen des Hauses innerhalb und jenseits der lippischen Landesgrenzen zu steigern. „Sie haben gezeigt, dass Lippe ein Kultur-Standort ist", lobte der Landrat, der zudem Bezug auf die Finanzlage des Hauses nahm. „Als kommunaler Träger stehen wir zu unserer Verantwortung für das Theater. Wir werden im kommenden Jahr unsere Beiträge wieder erhöhen", kündigte Lehmann an. Spartenschließungen und betriebsbedingte Kündigungen als potenzielle Sparmöglichkeiten schloss er explizit aus.

Eine Aussage, die „Theaterfreund" Stephan Prinz zur Lippe freute: „Dieses politische Bekenntnis zum Theater ist Ihr Vermächtnis", sagte er an Metzger gewandt. In seiner Würdigung erinnerte er zudem an das Motto „Lippe riskieren", mit dem Metzger zu Beginn seiner Amtszeit angetreten war. „Diese Aussicht auf Mut und Rückgrat, das Versprechen, einen eigenen Weg zu gehen, haben Sie gehalten", sagte er zu Metzger.

Bei der Überlegung, welcher Protagonist aus Wagners „Ring des Nibelungen" – die Aufführung des gesamten Zyklus war das größte Projekt Metzgers in seiner Detmolder Zeit – den scheidenden Intendanten am besten charakterisiere, entschied Stephan Prinz zur Lippe sich für die Figur des Mime: „Der kluge Schmied und Künstler", sagte er. Mit großem Ernst hob er zudem die hohe gesellschaftliche, da identitätsstiftende Bedeutung von Kultur und Theater hervor.

Launig fiel der Beitrag der Betriebsratsvorsitzenden Brigitte Bauma-Harten aus, die die Titel aller Inszenierungen des Intendanten in seiner Detmolder Zeit – und das waren immerhin an die 30 Stück – mit viel Witz zu einer ganz eigenen Nacherzählung der „Ära Metzger" verwob.
Diese Inszenierungen wurden Metzger und den Zuschauern in Form einer Dia-Show bildlich in Erinnerung gerufen – Tenor Ewandro Stenzowski sang dazu Robert Schumanns „Widmung".

Generell griffen alle der heiteren, komischen und stimmungsvollen künstlerischen Beiträge Ereignisse und Aspekte aus Metzgers Detmolder Zeit auf. Eine zentrale Rolle nahm dabei – natürlich – die Musik Richard Wagners ein, „der Meister", wie der Intendant den Komponisten bezeichne, sagte als Moderator Chefdramaturg Dr. Christian Katzschmann. So brachte nicht nur der Opernchor Wagner-Klänge zu Gehör, sondern auch das Symphonische Orchester gemeinsam mit Sopranistin Sabine Hogrefe – sie war im Detmolder „Ring" aufgetreten – als Überraschungsgast.

Dr. Axel Lehmann verlieh Kay Metzger überdies die Ehrenmitgliedschaft des Landestheaters. Der scheidende Intendant bedankte sich, sichtlich gerührt, für alle Würdigungen und Beiträge. Er nutzte auch die Gelegenheit, Schauspieldirektor Martin Pfaff und Chefdramaturg Dr. Christian Katzschmann zu verabschieden, die das Haus ebenfalls verlassen. Und lenkte mit einem Ringelnatz-Vers den Blick nach vorne: „Ein Rauch verweht. / Ein Wasser verrinnt. / Eine Zeit vergeht. / Eine neue beginnt."

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