Der TuS Bexterhagen ist unser Verein der Woche

Jan Christian Pinsch

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Kollektiver Jubel: Wenige Minuten zuvor hatte die erste Herren-Fußballmannschaft des TuS Bexterhagen mit einem 7:3-Sieg gegen Grastrup-Retzen die langersehnte Rückkehr in die Kreisliga A perfekt gemacht. - © Jan Christian Pinsch
Kollektiver Jubel: Wenige Minuten zuvor hatte die erste Herren-Fußballmannschaft des TuS Bexterhagen mit einem 7:3-Sieg gegen Grastrup-Retzen die langersehnte Rückkehr in die Kreisliga A perfekt gemacht. (© Jan Christian Pinsch)

Leopoldshöhe-Bexterhagen. Als Schiedsrichter Timo Franz-Sauerbier an einem sonnigen Sonntag im Juni das Spiel der Kreisliga B Lemgo abpfeift, gibt es auf dem Sportplatz am Alten Postweg kein Halten mehr. Gerade hat der heimische TuS Bexterhagen mit einem fulminanten 7:3 gegen TuS Rot-Weiß Grastrup-Retzen den Aufstieg in die Kreisliga A perfekt gemacht. Da der direkte Konkurrent BSV Leese im Parallelspiel in Holzhausen patzte, wäre dieser Sieg sogar gar nicht mehr nötig gewesen. „Aber so ist es schöner", erklärt der Vereinsvorsitzende Thorsten Dodt.

Das Timing ist perfekt, denn der langersehnte Aufstieg fällt mit dem Sportfest zusammen, das der Gesamtverein an diesem Wochenende veranstaltet. Rund 600 Menschen sind dafür zum Sportplatz gekommen. Sie sind der 600-fache Beweis, dass der Verein im Norden der Gemeinde Leopoldshöhe lebt und erfolgreich ist wie lange nicht mehr. Denn 2018 ist für den TuS Bexterhagen in mehrfacher Hinsicht ein Jahr des Aufstieges. So ist auch die zweite Mannschaft in die Kreisliga B aufgestiegen, während die Tischtennis-Herren den Sprung in die Verbandsliga schafften. Und im Fußball wurde sogar noch eine dritte Mannschaft angemeldet. „Welche Vereine machen das heutzutage noch?", fragt Dodt ein bisschen rhetorisch. „Die meisten melden ihre zweite Mannschaft ab!"

Information
Kontakt
TuS Bexterhagen e.V.
Alter Postweg 72
33818 Leopoldshöhe
Vorsitzender Thorsten Dodt
Telefon: 05208-951891
E-Mail: kontakt@tus-bexterhagen.de
Internet: tus-bexterhagen.de

Sein Selbstbewusstsein ist berechtigt. Denn seit er vor eineinhalb Jahren an die Spitze eines stark verjüngten Vorstandes gewählt wurde, gibt es im TuS Bexterhagen nur noch eine Richtung: nach oben. Vieles ist seitdem angeschoben worden. Es gibt einen neuen Kunstrasen, Greenkeeper wurden installiert, 17 neue Sponsoren sind in dieser Zeit dazugekommen. Mitglieder engagieren sich hinter den Kulissen, so wie Klaus Grosser: Da er fand, dass die Bänke am Spielfeldrand in die Jahre gekommen seien, baute er einfach selbst zwei neue. Einem anderen missfiel, dass die Zuschauer ihre Zigarettenkippen auf dem Boden verstreuten – und installierte kurzerhand Aschenbecher an den Stangen. „Auch davor waren wir nicht schlecht", meint Dodt. „Aber nun haben wir so viele junge Leute, die Spaß haben, hier was zu machen."

Erfolgreich: Die Tischtennis-Herren werden von Thorsten Dodt (rechts) für den Aufstieg in die Verbandsliga geehrt. - © TuS Bexterhagen
Erfolgreich: Die Tischtennis-Herren werden von Thorsten Dodt (rechts) für den Aufstieg in die Verbandsliga geehrt. (© TuS Bexterhagen)

In 23 ihrer 28 Saisonspiele ist die erste Mannschaft siegreich vom Platz gegangen. Dabei ist es erst zwei Jahre her, dass sie mit dem zwölften Platz in den unteren Regionen der Abschlusstabelle feststeckte. Doch eine Maßnahme im Sommer 2016 brachte die Wende: Vier Spieler aus der A-Jugend wurden mit einem Doppelspielrecht ausgestattet. Dodt erinnert sich: „Sie haben der ersten Mannschaft gut getan, die in der letzten Saison prompt auf Platz drei sprang." Vor dieser Saison wurden drei weitere Talente aus der A-Jugend hochgezogen. „Diese sieben Jungs haben einen großen Anteil am Aufstieg in die Kreisliga A", betont der Vorsitzende. Natürlich neben dem Trainerteam, bestehend aus Chefcoach Achim Wenzel und seinen Co-Trainern Uwe Wehmeier und Lars Schoening; letzterer verantwortet zudem seit einigen Jahren die Pressearbeit des Vereins – und das sehr gut: Denn die Erfolge des Vereins haben sich längst herumgesprochen.

„Im vergangenen Winter waren plötzlich zehn, zwölf neue Spieler bei uns", berichtet Dodt. „Alle um die 30, die lange nicht aktiv waren und nun wieder Lust bekommen haben." Also meldete der TuS eine dritte Mannschaft an, die in der Rückrunde zunächst Freundschaftsspiele absolvierte, ehe sie ab der kommenden Saison den Spielbetrieb aufnimmt.

Und die anderen Sportarten? Der Tischtennis-Seniorenbereich zählt mehr als 60 aktive Spieler, hinzu kommen über 30 Jugendspieler. Die Turner benötigen zusätzliche Trainingszeiten, da die Kapazitäten nicht ausreichen. 40, 50 Kinder sind in der Abteilung, auch die Erwachsenen zwischen 40 und 80 Jahren sind bei der Gymnastik sehr aktiv.

Die Jazztanzgruppe platzt aus allen Nähten: Beim Aufstiegsendspiel der ersten Mannschaft begeisterten sie in der Halbzeitpause mit ihrer Aufführung. Hinzu kommt die Wanderabteilung: Einmal im Monat trifft sich die Gruppe zu einer Tour. Heiner Gillner bereitet immer immer eine schöne Strecke vor, das anschließende Kaffeetrinken gehört dazu. Hier würde man sich über Zuwachs freuen, das Alter spielt überhaupt keine Rolle. So ist für jeden etwas dabei.

Schwungvoll: Die Mädels der Jazztanzgruppe des TuS Bexterhagen zeigen auf dem grünen Rasen ihr Können. - © TuS Bexterhagen
Schwungvoll: Die Mädels der Jazztanzgruppe des TuS Bexterhagen zeigen auf dem grünen Rasen ihr Können. (© TuS Bexterhagen)

„Man kennt sich hier im Dorf", erklärt Dodt. „Zugleich haben wir mehr Vereinsmitglieder als Bürger in Bexterhagen wohnen." Etwa 700 Mitglieder zählt der am 12. Dezember 1912 gegründete Club, damals gab es nur Turnen. Die Fußballabteilung wurde im Oktober 1945, die Tischtennisabteilung 1953 und die Leichtathletikabteilung 1962 gegründet. Das Vereinshaus liegt im Grenzgebiet, die Mitglieder kommen aus den verschiedenen Ortsteilen Leopoldshöhes, aber auch aus Wülfer-Bexten und Knetterheide. Es gibt aber auch Dinge, die dem Vorsitzenden Sorgen bereiten: „Unser hoher Standard, pro Mannschaft zwei Betreuer zu stellen, wird auf Dauer schwierig aufrechtzuerhalten sein", vermutet er angesichts des demografischen Wandels und der Herausforderungen, die dieser für das Ehrenamt bedeutet. „Wir leben unseren Kindern vor, in unsere Fußstapfen zu treten", fügt Dodt hinzu. „Aber viele gehen für das Studium oder die berufliche Karriere weg."

Andererseits zeigen gerade zwei Eckpfeiler der ersten Mannschaft, dass für ihren TuS kein Weg zu weit ist: Obwohl Mittelfeldmotor Sören Brüntrup zum Studium nach Bremen gezogen ist, kommt er mindestens einmal pro Woche zum Training nach Bexterhagen und ist bei fast jedem Spiel dabei. Auch Torwart Dennis Wehmeyer nimmt dafür die Anreise aus Göttingen in Kauf. „Bei Nachholspielen unter der Woche kamen sie abends eigens dafür an und fuhren dann nachts noch zurück zum Studienort", erinnert sich Dodt.

Nach dem Spiel gegen Grastrup-Retzen ließen sich auch die beiden Pendler von den Fans feiern. Die Reisestrapazen des Alltags waren da vergessen. „Die Stimmung war phänomenal", blickt Dodt gerne auf diesen Tag zurück. „Das sind Erlebnisse, die vergisst du nie mehr."

Die Jugendarbeit funktioniert

Es ist rund acht Jahre her, da machte der TuS Bexterhagen eine Bestandsaufnahme. Wie ist die Jugendarbeit aufgestellt, und hat sie überhaupt eine Perspektive? Das Ergebnis war ernüchternd, weil sehr übersichtlich: In der Fußballabteilung zählten sie einige Mini-Kicker, dazu ein paar F-Jugend-Spieler und eine kleine D-Jugend. Alles eng mit sieben, vielleicht acht Spielern, aber nicht eine wettbewerbsfähige Mannschaft. Für die Verantwortlichen war klar, so erinnert sich Thorsten Dodt: „Wir müssen etwas tun, damit wir irgendwann die Früchte für unsere Seniorenmannschaften ernten."

Seitdem hat sich viel verändert. Mittlerweile verfügt der TuS Bexterhagen über eine Jugendarbeit, die seit Jahren funktioniert. Mit Juniorenobmann Michael Frodermann ist Kontinuität eingekehrt. 160 Jugendliche sind in den unterschiedlichen Abteilungen aktiv; alle Mannschaften sind besetzt, teilweise sogar doppelt. „Wir schicken hier keinen weg", erklärt Dodt. In Bexterhagen sei jeder willkommen, der in einem vernünftigen Umgang Sport machen will. Das bedeutet für den Vorsitzenden: Jeder bringt sich ein, Schimpfwörter in der Jugend sind tabu. „Wir versuchen, den jungen Menschen Werte zu vermitteln", betont er. Aktuell kicken auch zehn Flüchtlinge mit, denn Herkunft und Nationalität spielen beim TuS selbstverständlich keine Rolle.

Auch im Tischtennis sind die Nachwuchsteams gut aufgestellt, und das trotz eines schweren Schicksalsschlages: Vor drei Jahren musste der Verein den unerwarteten Verlust des Jugendtrainers Frank Kemena verkraften. Der Verstorbene habe „viele Jahre sensationell gute Arbeit geleistet", erinnert sich Dodt. „Wir drohten in ein Loch zu fallen." Und dann kam Walter Küster. Vom Stadtsportverband wurde er jüngst für seinen großen Einsatz geehrt. Bei den Kindern und Jugendlichen ist er sehr beliebt. Die Mitgliederzahlen sind rapide angestiegen, die Tischtennis-Jugendabteilung hat gerade die fünfte Mannschaft gemeldet, denn jeder ist willkommen. Zugleich setzt der Verein aber auch auf Leistung und fördert seine Talente, etwa mit einem Sondertraining oder der Möglichkeit,auch mal eine Klasse höher mittrainieren zu dürfen.

Verdienstkreuz für Günter Stock

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Für 40 Jahre Ehrenamt für den Leichtathletik-Sport erhielt der 84-jährige Günter Stock im April 2018 das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1948 ist Günter Stock Mitglied im TuS Bexterhagen und gründete Ende der 1950er Jahren die Leichtathletikabteilung. Von 1963 bis 1978 war er der stellvertretende Vorsitzende beim TuS und ist zudem Ehrenmitglied im Verein. 1972 war er Gründungsmitglied der LG Bad Salzuflen. Sogar bei den Olympischen Spielen 1972 durfte er als Schiedsrichter für Wurf- und Stoßwettbewerbe in München teilnehmen.

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