Der RSV Schwelentrup ist unser Verein der Woche

Wolf Scherzer

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Eine starke Gemeinschaft: Die Mitglieder des RSV Schwelentrup feiern den 90. Geburtstag ihres Sportvereins. Neben Handball und Fußball hat die Verein auch ein abwechslungsreiches Breitensport-Programm. - © RSV Schwelentrup
Eine starke Gemeinschaft: Die Mitglieder des RSV Schwelentrup feiern den 90. Geburtstag ihres Sportvereins. Neben Handball und Fußball hat die Verein auch ein abwechslungsreiches Breitensport-Programm. (© RSV Schwelentrup)

Dörentrup-Schwelentrup. Der RSV Schwelentrup feiert am kommenden Wochenende sein 90-jähriges Bestehen. In seiner langen Geschichte hat der Verein viele Höhen, aber auch Tiefen erlebt. Abteilungen und Gruppen sind entstanden und teilweise wieder verschwunden. Aufstiege wurden gefeiert, Abstiege verkraftet. „Das alles hat der RSV bewältigt und ist für die Zukunft gut aufgestellt", teilt der Verein nun voller Stolz mit.

Die Feierlichkeiten beginnen am Freitag, 27. Juli, um 18.30 Uhr mit einem Kommers im Festzelt am Bergstadion. Weiter geht es am Samstag ab 18.30 Uhr mit der Parkbeleuchtung im Schwelentruper Kurpark, wo auch ein kleines Karussell für den Nachwuchs aufgebaut ist. Um die musikalische Unterhaltung kümmern sich ein DJ und die Partyband „Grace" – der Eintritt ist frei. Zum Abschluss findet am Sonntag ab 11 Uhr ein Gottesdienst im Park mit anschließendem Frühschoppen statt. Speisen und Getränke sind an allen drei Tagen vorhanden.

Information
Kontakt:RSV Schwelentrup von 1928 Hauptstraße 49 32649 Dörentrup
E-Mail: info@rsv-schwelentrup.de
Internet:www.rsv-schwelentrup.de

Der RSV hat sich vom Arbeiter-Turn- und Sportverein über den Turnverein zum Rasensportverein entwickelt. In den Anfangsjahren ab 1928 wurde zunächst Handball in einer „wilden Liga" gespielt. Man gehörte keinem Verband an, um die Kosten für die Verbandsabgaben zu sparen. Das offizielle Gründungsjahr des heutigen RSV Schwelentrup ist 1931: Am 8. Juli wurde laut Protokoll ein Arbeiter-Turn- und Sportverein gegründet. Dieser musste aufgrund der politischen Veränderungen aber schon bald aufgelöst werden. Im Frühjahr 1933 erfolgte jedoch schon die Neugründung des Turnvereins Schwelentrup.

Eine eigene und besondere Geschichte hat der Sportplatz in Schwelentrup. Dieser entstand ab dem Frühjahr 1933 mit Hacke, Schaufel und Schubkarre, alles in Handarbeit – große Geräte wie Bagger standen nicht zur Verfügung. Es war eine mühsame und schwere Arbeit, da teilweise der vorhandene Fels abgetragen werden musste.Die Gemeindevertretung ließ den Bau als Notstandsarbeit durchführen – Arbeitslose und Wohlfahrtsempfänger wurden zum Bau verpflichtet. Allein 80 Prozent der Vereinsmitglieder (46) waren arbeitslos, der kärgliche Wochenlohn betrug acht Mark.

Geturnt wurde im Saal des Vereinslokals Brinkmann. Mit Fertigstellung des Bergstadions entschied sich die damalige Mannschaft, nicht mehr Handball zu spielen. Durch ein gewonnenes Testspiel waren die Weichen für den Fußball gestellt worden. Im Mai 1935 wurde der Platz mit einem Sportfest eingeweiht. Der Stolz der Schwelentruper Sportler ist zu verstehen, endlich hatten sie eine eigene Sportanlage. Wen kümmerte es da, dass der Platz 20 Meter zu kurz war und in der Breite einige Meter fehlten. Auch die Spielfläche vom oberen bis zum unteren Tor wies ein beträchtliches Gefälle von mehr als drei Metern aus. Das war alles Nebensache und als Waschanlage diente weiterhin der im Tal gelegene Mühlingsbach.

Lang ist es her: Die Mannschaft im Jahr 1946. Damals spielten die Kicker des RSV Schwelenterup noch in unterschiedlichen Trikots, weil sie froh waren, überhaupt welche zu haben, in Linderhofe. Der Platz lag auf dem Gelände gegenüber der jetzigen Feuerwache. - © RSV Schwelentrup
Lang ist es her: Die Mannschaft im Jahr 1946. Damals spielten die Kicker des RSV Schwelenterup noch in unterschiedlichen Trikots, weil sie froh waren, überhaupt welche zu haben, in Linderhofe. Der Platz lag auf dem Gelände gegenüber der jetzigen Feuerwache. (© RSV Schwelentrup)

Durch den Kriegsausbruch 1939 kam der Sportbetrieb schnell zum Erliegen. Ein mühseliger Neuanfang wurde 1945 unternommen. Durch einige ehemalige Mitglieder kam es zur Neugründung des Vereins, mit dem jetzigen Namen RSV Schwelentrup. Es begannen laut Vereinsmitteilung aufregende Zeiten, zum Beispiel wurden Tannen als Ersatz für verfaulte Torpfosten nachts illegal gefällt. Draht für die Umzäunung war bei Nacht und Nebel gestohlen und bei einem bekannten „Schieber" wieder aufgespürt worden. Ein Fußballtor war von den Besatzern abgesägt und einfach mitgenommen worden, auch hierfür musste ein Ersatz beschafft werden. Fußbälle gab es vor der Währungsreform nicht zu kaufen, auf dem Schwarzmarkt mussten zwei Zentner Korn dafür getauscht werden. In dieser schwierigen Zeit ohne Geld und Trikots rauften sich die Sportler des RSV zusammen und überwanden gemeinschaftlich viele Probleme.

Ein Sporthaus und eine Wasserleitung wurden erst 1951 in Eigenleistung erstellt beziehungsweise gelegt. Der nächste Bauabschnitt erfolgte 1966. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren, der Sportplatz sollte vergrößert werden, suchte der RSV eine neue Heimat. Diese wurde in Linderhofe gefunden. Nur mit großem Arbeitseinsatz der Mitglieder konnte diese Mammutaufgabe gelingen. Nachdem der vorhandene, aber verwilderte Platz dort urbar gemacht und teilweise begradigt wurde, erfolgte der Abbau des Zauns im Bergstadion. In Linderhofe wurden die Betonpfähle mit dem Zaun wieder aufgebaut. In der vorübergehenden neuen Heimat gelang dem RSV in der Serie 1966/1967 der Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Mit der Wiederherstellung des Sportplatzes ebnete der RSV den Weg für die bald darauf folgende Neugründung des SV Asmissen.

1968 wird als ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte angesehen: Rechtzeitig zum 40-jährigen Bestehen 1968 konnten sowohl der neue Sportplatz mit roter Asche, die neue Gymnastikhalle und das umgebaute alte Sporthaus eingeweiht werden. Mit diesen neuen Möglichkeiten folgte eine rasante Vereinsentwicklung. Aus dem Einspartenverein mit dem Schwerpunkt Fußball entwickelte sich schnell ein Breitensportverein mit mehreren Abteilungen. Insbesondere Kinder und Frauen profitierten von diesem positiven Entwicklungsschritt. So entstanden innerhalb kürzester Zeit die Abteilungen Mutter- und Kind-Turnen, Frauenturnen, Tischtennis und Leichtathletik.

Die Sportabzeichen-Prüfer: (von links) Bernhard Utke, Ulrike Lampe, Dalbe und Willi Bruns. - © RSV Schwelentrup
Die Sportabzeichen-Prüfer: (von links) Bernhard Utke, Ulrike Lampe, Dalbe und Willi Bruns. (© RSV Schwelentrup)

Erstmalig konnte ab 1969 auch die Abnahme des Sportabzeichens das Vereinsangebot des RSV bereichern. 1977 erfolgte die Installation einer Flutlichtanlage. Ab da war ein verlängerter Trainingsbetrieb in den Abendstunden möglich und das Bergstadion wurde für die Sportler noch attraktiver.

Zum 75-jährigen Bestehen in 2003 wurde das Bergstadion nach 35-jähriger intensiver Nutzung (auch durch die Nachbarvereine) erneuert. Die Spielfläche aus Rotgrand konnte auf die Standardmaße 100 mal 70 Meter und einer 100-Meter–Laufbahn erweitert werden. Weiterhin erfolgte durch den Einbau einer Zisterne auch eine Bewässerungsanlage. Außerdem wurden hohe Ballfangzäune installiert.

Rechtzeitig zum 90. Geburtstag des RSV wurde der Rotgrandplatz im Bergstadion durch eine Fachfirma grunderneuert. Nach 15-jähriger Nutzung musste die Oberfläche bearbeitet werden. Nach Abtragung einer Oberschicht wurden 137 Tonnen neues Material mit dem alten Belag von 2003 vermischt. Die Kosten für diese Maßnahme – etwa 25.000 Euro – hat damals die Gemeinde Dörentrup getragen. „Somit ist die Lebensdauer des Platzes zunächst für fünf Jahre verlängert worden. Was dann kommt, ist aus Sicht des Vereins nicht vorhersehbar", heißt es.

Verein legt Wert auf die Gesundheit

Der RSV Schwelentrup hat etwa 370 Mitglieder in seinen Reihen. Ihnen kann der Verein ein breit gefächertes Sportangebot präsentieren.

Fußball: Vier Mal konnten die Fußballer in die Kreisliga A aufsteigen. 1987 fusionierte der Verein mit dem Nachbarn Spork/Wendlinghausen. Ab dann wurde im neu gegründeten FC Schwelentrup-Spork/Wendlinghausen gekickt. Ab 2014 wurde der Fußball wieder im RSV heimisch. Derzeit spielt die Mannschaft in der Kreisliga C, über die Bildung einer Reserve wird nachgedacht. Die Jugendlichen vom RSV spielen in der JSG Dörentrup, die Alt-Herren trainieren auf dem Soccerfield im Bergstadion. Der Trainer ist Norman Dinkelbach.

Kicken unterm Regenbogen: Das Soccerfield in Schwelentrup ist 2004 mit Leader-Mitteln gebaut worden. - © RSV Schwelentrup
Kicken unterm Regenbogen: Das Soccerfield in Schwelentrup ist 2004 mit Leader-Mitteln gebaut worden. (© RSV Schwelentrup)


Eltern- und Kind-Turnen: Hier sollen die Kinder erlebnisreiche, spannende Turnstunden erfahren, ihre Fähigkeiten kennenlernen und verbessern. Die Kinder zwischen zwei und sechs Jahren besuchen abwechslungsreiche 75 Minuten. Durch das Einbringen ihrer eigenen Ideen und Kreativität können die Kinder die Turnstunden aktiv und abwechslungsreich gestalten. Die Übungsleiterin ist Daniela Becker.

Damen-Gymnastik: Die Übungsstunden in der Sporthalle am Bergstadion beinhalten Gymnastikübungen, Tänze und gelegentliches Circuit-Training. Als Ergänzung gibt es jeden ersten Dienstag im Monat eine Yoga-Stunde. Das Motto „Geselligkeit ist das A und O" spiegelt sich auch abseits der Gymnastikstunden wider. Sowohl die alljährliche Weihnachtsfeier als auch organisierte Tagesausflüge oder Wanderungen gehören zum festen Jahresprogramm. Die Übungsleiterin ist Ulrike Lampe.

Rückenschongymnastik: Dieses Angebot trägt auf vielfältige Weise zu einem gesünderen Rücken bei. Wichtig sind dabei die regelmäßigen Übungsstunden, damit das Training auf Dauer Bestand hat. Angeboten werden zum Beispiel Übungen auf der Bodenmatte sowie mit Pezziball und Theraband. Pilates und Entspannungsübungen gehören auch dazu. Die Übungsleiterin ist Beate Förster.

Lauf-Treff: Beim Lauftreff wird gesundheitsorientiertes Laufen für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten. Alle Sportlerinnen und Sportler, die ihre Ausdauer trainieren möchten, sind herzlich eingeladen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat dem Lauf-Treff des RSV das Zertifikat „sehr gut" verliehen. Übungsleiterin ist Irmhild Tünker.

Walking/Nordic-Walking: Seit 2002 besteht diese Gruppe beim RSV. Auch bei anstrengenden Strecken haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stets Spaß und ein Lachen im Gesicht. Ein Einstieg ist jederzeit möglich, Walking-Stöcke können ausgeliehen werden. Bei guter Verpflegung und jeder Menge Motivation wird jede noch so anspruchsvolle Strecke gemeistert. Die Übungsleiterin ist Ulrike Fiebig.

Wandern: In der Region finden Wanderer alles, was das Herz begehrt: Wälder, Hügel und Täler, Wiesen und Weiden. Gewandert werden ausgesuchte Strecken von etwa acht bis zehn Kilometern Länge. Fällt mal eine Wanderung wegen Schlechtwetter aus, wird diese Strecke auf jeden Fall nachgeholt. Die Leiterin ist Ulrike Fiebig.

Herren-Fitness: Seit mehr als 32 Jahren besteht die Gruppe. Mit 49 Einheiten im vergangenen Jahr konnte eine ganzjährige Trainingsmöglichkeit angeboten werden. Neben Fitnessübungen sowie Training für Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit stehen auch Ballspiele auf dem Programm. Zwischen Frühjahr und Herbst liegt der Fokus hauptsächlich auf Laufeinheiten. Das Motto der Gruppe: „Der Berg ruft." Der Übungsleiter ist Bernhard Utke.

Skigymnastik: Die Gruppe besteht seit 1989, in diesem Zeitraum gab es 57 Kurse. Ein Kursus beinhaltet acht bis zehn Tage und wird im Oktober und Januar angeboten. Durch das gezielte Training reduziert sich die Verletzungsgefahr beim Skifahren. Teilnehmen können Sportinteressierte, die ihre Fitness verbessern wollen. Der Übungsleiter ist Bernhard Utke.

Sportabzeichen: Die Abnahme des Sportabzeichens hat im RSV eine lange Tradition. Die ersten Prüfungen wurden bereits 1969 durchgeführt. Die zu erbringenden Leistungen orientieren sich an den motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. 2017 wurden mehr als 80 Abzeichen abgenommen, das bedeutete Vereinsrekord. Am 18. August wird wieder ein Sportabzeichentag angeboten. Der Obmann ist Bernhard Utke.

Zum Herunterladen
  1. Die aktuelle Ausgabe von "Wir in Lippe" als PDF


Veranstaltungen

Das Programm der 90-Jahr-Feier
27. Juli: 18.30 Uhr, Kommers im Festzelt am Bergstadion
28. Juli: 18.30 Uhr, Parkbeleuchtung im Kurpark Schwelentrup
29.Juli: 11 Uhr, Gottesdienst im Park, anschließend Frühschoppen

18. August: Sportabzeichentag, ab 14 Uhr, Bergstadion

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