Wehren hat den kleinsten Schützenverein Lippes

Tanja Watermann

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Gruppenbild mit Damen: Die Aktiven der Schützengesellschaft Wehren mit der Königin Monika Merk (2014-2018, gelbes Kleid) und Primzessin Petra Tempel. Das Schützenfest wurde in diesem Jahr groß gefeiert, das nächste Fest unter der Regentschaft vom neuen Königspaar Nils und Jasmin Pflugner findet 2022 statt. - © Tanja Watermann
Gruppenbild mit Damen: Die Aktiven der Schützengesellschaft Wehren mit der Königin Monika Merk (2014-2018, gelbes Kleid) und Primzessin Petra Tempel. Das Schützenfest wurde in diesem Jahr groß gefeiert, das nächste Fest unter der Regentschaft vom neuen Königspaar Nils und Jasmin Pflugner findet 2022 statt. (© Tanja Watermann)

Horn-Bad Meinberg/Wehren . Die Schützengesellschaft Wehren ist der kleinste Schützenverein in Lippe. Etwas, worauf die knapp 100 Mitglieder auch ein stückweit stolz sind. Gemeinsame Übungsschießabende, Vereinsaktivitäten mit Osterfeuer, Winterwanderungen oder die vereinseigenen Schießwettbewerbe wie das „Bedingungsschießen" prägen das Vereinsleben und fördern den Zusammenhalt unter den jungen und älteren Mitgliedern.

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Das Highlight ist natürlich das alle vier Jahre stattfindende Schützenfest, auf das alle mit viel Engagement hinarbeiten. Die drei Jahre zwischen den Schützenfesten federt der Verein mit dem nicht minder beliebten Scheunenfest ab, das ebenso viele Menschen begeistert, aber in der Vorbereitung doch deutlich weniger aufwendig ist.

Obwohl die Schützengesellschaft Wehren so ein kleiner Verein ist, reicht ihre Geschichte weit zurück – bis in das Revolutionsjahr 1848. Die Märzrevolution 1848 führte zum Schwinden des Feudalismus und zum Erstarken des Bürgertums. „Einigkeit und Recht und Freiheit" waren die Maxime dieser Zeit. Sie führten dazu, dass die Bürger Kräfte und Ziel bündelten. Zu dieser Zeit entstanden viele Vereine mit den unterschiedlichsten Zielrichtungen in den Dörfern. Sie alle hatten das Ziel, eine politische Bewusstseinsbildung zu schaffen.

Vereine waren das Sprachrohr der Bevölkerung, die nach jahrhundertelanger Knechtschaft und Bevormundung aufbegehrte. Es war die Zeit, in der sich die beiden nordöstlichen, zum damaligen Amte Horn gehörenden, Landgemeinden Brüntrup und Wehren zu einer Bürgerwehr, der Schützengesellschaft Brüntrup-Wehren , zusammenschlossen. Dabei wird sicherlich der zur Gemarkung Wehren gehörende Ortsteil Hollhöfen eine Brückenfunktion gehabt haben. Exerziert wurde auf derBrüntruper Heide zwischen Brüntrup und Wallbaumshof .

Früh übt sich: Schon die Jüngsten sind dabei, wenn es darum geht, das Schützenfest zu feiern. Rica Glaserhauser (amtierende Königin aus Horn) hält ihren Sohn Michl auf dem Arm, dem Monika Merk (Wehrener Königin 2014-2018) einen Kinderorden ansteckt. - © Tanja Watermann
Früh übt sich: Schon die Jüngsten sind dabei, wenn es darum geht, das Schützenfest zu feiern. Rica Glaserhauser (amtierende Königin aus Horn) hält ihren Sohn Michl auf dem Arm, dem Monika Merk (Wehrener Königin 2014-2018) einen Kinderorden ansteckt. (© Tanja Watermann)

Als äußeres Symbol wählte man die alten Farben „Schwarz, Rot, Gold" – die Farben der Lützowschen Jäger, einem Freiwilligenverband der preußischen Armee in den Befreiungskriegen. Diese alte schwarz-rot-gold-farbene Fahne aus der Gründerzeit ist, dank sorgfältiger Aufbewahrung und Pflege durch die alten Vorstandsmitglieder, auch heute noch in erstaunlich gutem Zustand. Darauf sind die aktuellen Vereinsmitglieder sehr stolz. Die Fahne ist der einzige Nachlass aus der Gründerzeit von vor 170 Jahren. Sie hängt als Dauerleihgabe im Rittersaal der Burg Horn und dokumentiert die lange Vereinsgeschichte.

Schützenfeste wurden in Wehren seit jeher an der Alten Reichstraße 1 auf Kaisers Wiese gefeiert. Dort steht auch heute noch das Festzelt, in dem das ganze Dorf beim Schützenfest zum Feiern und Tanzen zusammenkommt. Das 75-jährige Bestehen wurde 1923 in Brüntrup begangen. Die gemeinsame Fahne bewirkte eine gewissen Rivalität zwischen den beiden Ortsteilen. So musste der jeweilige Fahnenoffizier diese hüten wie seinen Augapfel, denn der jeweils nicht im Besitz befindliche Ortsteil versuchte die Fahne zu entwenden, um sie anschließend durch den anderen wieder auslösen zu lassen.

Thomas Merk, der erste Vorsitzende weiß, dass dieser Rücktausch gewöhnlich nur mit viel Bier und Branntwein abgewickelt werden konnte. Diese Fahne einte beide Ortsteile bis zum Jahre 1935, als das letzte gemeinsame Schützenfest – in einem besonders kalten Winter bei Eis und Schnee – im März gefeiert wurde. Im Festzelt wurde damals noch mit Koksöfen geheizt.

Während Schützenfeste heute im Sommer gefeiert werden, wurden sie damals im ausgehenden Winter begangen. Denn viele Männer waren im Sommerhalbjahr gar nicht zuhause, sondern mussten als Ziegler in der Fremde das Geld verdienen. Die Frau kümmerte sich dann um die Kinder und betrieb die kleine Landwirtschaft mit Schwein und Ziege, um das Notwendigste für den täglichen Bedarf der Familie selbst zu produzieren.

Nach dem letzten Weltkrieg wurde die Schützengesellschaft Wehren durch die Initiativen der Familien Oberkönig und Erichsmeier wieder gegründet. Seither gehörten der Gesellschaft in der Regel Bewohner aus Wehren an. Heute hat die Schützengesellschaft aber auch viele Mitglieder aus der Großgemeinde Horn-Bad Meinberg. „Die Aufgaben der Schützengesellschaften haben sich gewandelt, aber die Ziele sind geblieben", erklärt Merk. Er ist stolz auf die Mitglieder, von denen sich speziell die Älteren um die Heimatpflege im historisch gewachsenen Gemeinwesen kümmern und den Dorfplatz und den Friedhof pflegen.

Nur nicht aus der Übung kommen

Da die Schützengesellschaft Wehren ein sehr kleiner, überschaubarer Schützenverein ist, ist die Anzahl der aktiven Mitglieder überschaubar. Das Vereinsleben konzentriert sich in erster Linie auf die eigenen Veranstaltungen und die Schützenfeste und Aktivitäten der Gastvereine.

Insbesondere zu der Schützengesellschaft Horn, der Schützengesellschaft Bad Meinberg, der Schützengesellschaft Belle, der Schützengesellschaft Meiersfeld-Rödlinghausen und der Schützengesellschaft Detmold besteht eine enge Verbindung. Mit den eigenen und den Veranstaltungen der anderen Vereine sind die Mitglieder des Wehrener Vereins mehr als ausgelastet. In der Schützengesellschaft Wehren kennt jeder jeden und ist sich der Stärken der einzelnen Mitglieder bewusst. Das ist nicht unwichtig, denn zur Vorbereitung des alle vier Jahre stattfindenden Schützenfestes und der Scheunenfeste und anderen Aktivitäten wird jede helfende Hand gebraucht.

An jedem Dienstag treffen sich die aktiven Mitglieder zum Schießabend. Diese Trainingsabende dienen primär dazu, sich auf das Königs- oder Gänseschießen vorzubereiten und in den schützenfestfreien Jahren nicht aus der Übung zu kommen. Doch an den Abenden ist auch immer Zeit für einen Klönschnack unter Freunden.

Die Mitglieder kümmern sich außerdem intensiv um den Schießstand und pflegen die Anlage. Zu tun gibt es immer etwas. Der Verein hält auch einen eigenen Toilettenwagen vor, der für die eigenen Aktivitäten bereit steht, aber auch für Feste außerhalb des Vereinslebens vermietet wird. Einige der älteren Mitglieder engagieren sich außerdem im Dorf. Sie haben die Pflege des Dorfplatzes und des Friedhofs übernommen und kümmern sich darum gewissenhaft.

Veranstaltungen

Die Schützengesellschaft Wehren ist mit seinen knapp 100 Mitgliedern ein aktiver Verein. Alle vier Jahre wird das Schützenfest begangen, in den Jahren dazwischen wird beim Scheunenfest zünftig gefeiert.

Die nächsten Veranstaltungen:

  • 4. November: Gänseschießen, Detmold
  • Dezember: Vereins-Jahresabschluss, „Alter Krug", Höntrup
  • 23./24. Februar 2019: Winterwanderung in Bad Meinberg
  • April 2019: Bedingungsschießen
  • 21. April 2019: Osterfeuer
  • 2022: nächstes Schützenfest

Kontakt

Schützengesellschaft Wehren

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